Weltraum

Pläne für das Wohnen auf dem Mond

Der Mond ist für die Raumfahrtnationen wieder interessant geworden – unter anderem als „Sprungbrett" für eine bemannte Mission zum Mars. Wissenschaftler planen deshalb eine bemannte Station. Riesige Temperaturunterschiede und ungebremste Meteoriteneinschläge sind nur zwei der Probleme.

Wie könnte eine bewohnbare Mondstation aussehen? Wo wäre der optimale Standort und kommen Körper und Psyche der Astronauten mit der Ausnahmesituation weit entfernt von der Erde zurecht? Darüber beraten Wissenschaftler und Ingenieure auf einem Symposium in Kaiserslautern. Auf Einladung der Technischen Universität Kaiserslautern und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) stellten zudem Vertreter internationaler Raumfahrtorganisationen ihre Pläne und Visionen zum Bauen, Leben und Forschen auf dem Mond vor. Dabei betreten sie quasi Neuland: „Der Mond ist nicht so weitgehend erforscht wie man denkt“, sagte DLR-Chef Johann-Dietrich Wörner.

Die Probleme, mit denen die Architekten einer Mondstation zurechtkommen müssen, sind für Astronauten lebensbedrohend. Da der Mond keine nennenswerte Atmosphäre besitzt, schlagen Meteoriten ungebremst auf seiner Oberfläche ein und pulverisieren durch die Wucht ihres Aufpralls sogar Gestein.

Auch die Auswirkungen von Mondbeben und die riesigen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht müssen Wissenschaftler erst noch in den Griff kriegen, bevor an eine ständig besetzte Mondstation zu denken ist. Die Temperaturen schwanken aufgrund der äußerst dünnen Gashülle zwischen minus 130 Grad in der Nacht und plus 150 Grad Celsius am Tag.

Zudem trifft kosmische und solare Strahlung ungehindert auf der Oberfläche des Erdtrabanten auf. Die Partikel sind aufgrund ihrer hohen Energie nur schwer abzuschirmen, sie können eine Aluminiumschicht von mehr als einem Meter Dicke durchschlagen. In Zeiten hoher Sonnenaktivität ist zudem die Wahrscheinlichkeit von Sonneneruptionen sehr groß, die hohe Dosen ionisierender Strahlung, für mehrere Stunden oder Tage freisetzen kann.

Auch der Mondstaub stellt ein großes Problem für den Bau einer Mondstation dar. Er besteht zum Teil aus sehr kleinen, scharfkantigen Partikeln, die nicht nur Oberflächen zerkratzen, sondern bei Einatmung auch die Lunge schädigen können.

Neben wissenschaftlicher Neugier spielen bei der neuen Leidenschaft für den Mond auch materielle Ziele eine Rolle. Schließlich birgt der Erdtrabant eine Ressource, die bereits jetzt auf der Erde extrem selten ist: Helium-3. Das Isotop des Edelgases besitzt ein Neutron weniger als das gewöhnliche Helium und könnte sich damit perfekt als sauberer, nicht radioaktiver Energierohstoff für die Kernfusion eignen. Russland will ab 2020 eine Mondstation zum industriellen Abbau von Helium-3 errichten.

Von einer Mondstation aus könnten weitere robotische und astronautische Missionen ins Sonnensystem vorangebracht werden. Und auch im All könnte es sich auszahlen, die erste Nation zu sein. Denn viele Himmelskörper besitzen reichhaltige Vorräte an Bodenschätzen, die auf der Erde selten oder inzwischen erschöpft sind. Rohstoffe wie Eisen, Nickel, Kobalt und Platin könnten zukünftig auf Asteroiden oder Monden abgebaut und zur Erde transportiert werden.

In Deutschland gibt es bereits erste Mondpläne: Beim DLR gibt es Pläne für eine unbemannte Sonde, die vier Jahre lang Daten zur Mondoberfläche und der Zusammensetzung der Kruste sammeln soll. Später will man sich an einer europäischen Landemission beteiligen - nun möglicherweise als Teil einer gemeinsamen Aktion von Europa und den USA.

DLR-Chef Wörner lobte die Zusammenführung mehrerer Wissenschaftsdisziplinen bei der Konferenz in Kaiserslautern als notwendig, um die technischen Voraussetzungen zu schaffen, in den Jahren nach 2020 mit dem Bau einer bemannten Raumstation beginnen zu können. Bis dahin gebe es noch viel zu tun: „Fertige Lösungen sind nicht in Sicht. Wir stehen erst am Anfang.“