Forschung

Stimme und Körperform stehen vor der Geburt fest

Foto: SVEN SIMON / pa

Frauen mit einer tieferen Stimme sehen meist nicht eben aus wie zarte Elfen und wirken auf Männer eher dominant. Männer mit tiefer Stimme wirken männlich. Was sich wie Vorurteil klingt, ist keines: Forscher haben sich die Muster einmal ganz genau angesehen und Probanden ein paar Stimmen vorgespielt.

Ist es ein Vorurteil, anzunehmen, dass Frauen mit Altstimme nicht aussehen wie zarte Elfen? Und dass Männer mit tiefer Stimme männlich wirken? Nein, sagt jetzt ein amerikanisches Team um Susan M. Hughes: Frauen mit heller und Männer mit dunkler Stimme zeigen meist auch die geschlechtstypische symmetrische Idealform: die Sanduhrsilhouette beziehungsweise die breiten Schultern mit schmaler Hüfte. Frauen mit tieferer Stimme hingegen neigen zu weniger typisch weiblichen Figuren und wirken - zumindest auf Männer - dominant.

Darüber hinaus, schreiben die Wissenschaftler im "Journal of Nonverbal Behaviour", ist bei Frauen mit Altstimme meist der rechte Ringfinger etwas länger als der rechte Zeigefinger. Eine Gruppe aus 101 Studierenden des Albright College in Reading hatte 76 Stimmaufnahmen von Männern und Frauen auf Umgänglichkeit, Dominanz, Gesundheit, Ehrlichkeit, Intelligenz, Reife, Wärme, Sex-Appeal und nach der Wahrscheinlichkeit, dass er oder sie zum Rendezvous bereit ist, bewertet.

Jene weiblichen Stimmen, die als dominant empfunden wurden, wiesen oft ein im Verhältnis zum Zeigefinger längeren Ringfinger auf. Ein solches Längenverhältnis deutet darauf hin, dass diese Frauen schon im Mutterleib mehr Testosteron ausgesetzt waren als ihre Geschlechtsgenossinnen.

Die Forscher vermuten, dass die Ausbildung der Finger im Mutterleib etwa zur gleichen Zeit vor sich geht wie die Entwicklung des Kehlkopfes. Das würde erklären, warum in der Pubertät aus der etwas zu tiefen Stimme keine hellere Stimme mehr wird. Bestimmte Stimmmerkmale werden offenbar bereits im Mutterleib festgelegt. wsa

( wsa )