Das Öl der Rapspflanze ist gefragt - zum einen als Lebensmittel und noch mehr als billigerer Treibstoff für Dieselfahrzeuge. Durch die größeren Produktionsmengen steigt auch die Menge des Abfalls: Pro Jahr fallen mehrere Millionen Tonnen sogenannter Rapspresskuchen an, die bislang nur als Tierfutter verarbeitet wurden.
Lebensmitteltechnologen der Fachhochschule Fulda wollen das ändern: Sie impfen die eiweißreichen Rapsrückstände mit dem Edelschimmelpilz Rhizopus microsporus. Nach zwei Tagen sind die Presskuchen fermentiert, das heißt der Zucker ist in Proteine und Vitamine umgewandelt worden. Der so behandelte Abfall enthält alle lebenswichtigen Aminosäuren und erreicht auf der Proteinstandard-Skala der Food and Agriculture Organization den höchstmöglichen Wert.
Die schnittfeste, kuchenartige Konsistenz kann ohne zusätzliche Fette oder Öle mit anderen Zutaten vermengt und gebraten, gekocht oder auch gebacken werden. Mögliche Fertigprodukte sind Kuchen, Kekse, Frühlingsrollen, Brotschnitten, Brötchen, Marinaden oder Bratlinge. Über die Ergebnisse der Gruppe berichtet das Technologiemagazin „Technology Review“ in seiner aktuellen Ausgabe (3/2007).
Bislang seien bei den Versuchen aber nur bis zu fünf Kilogramm des Presskuchens verarbeitet worden, erklärt Lebensmitteltechnologe Burkhard Ahlert. Zudem habe die Masse momentan noch einen leicht bitteren Geschmack. Dennoch gebe es bereits Interesse aus der Industrie. So wolle eine Firma eine Testproduktion mit 100.000 Tonnen starten. Ziel dieses Unternehmens sei es, Lebensmittel für die Menschen in der Dritten Welt herzustellen.
Ihm selbst schwebe aber eher ein Einsatz der Masse als Lebensmittel aus biologischem Anbau für Vegetarier und Senioren vor, so Ahlert. Er arbeitet deshalb auch an einer entsprechenden Verwertung von Resten aus der Produktion aus Nussölen. Diese hochwertigen Pressrückstände werden bislang als Tierfutter verwendet.
oc/dpa


