Regelmäßig hört sie dieses Donnern im Eis. Es ist, als würde der Gletscher jeden Augenblick auseinander brechen. Seit rund zwei Wochen arbeitet die Hamburger Greenpeace-Wissenschaftlerin Iris Menn auf dem Forschungsschiff „Arctic Sunrise“. Im Südosten Grönlands erforschen 30 Experten die gravierenden Folgen des Klimawandels in der Arktis.

Ein Expeditionsergebnis liegt bereits vor: Warmes subtropisches Wasser gelangt aufgrund einer Veränderung des Nord-Atlantik-Stroms in den Sermilik und Kangerdlussuaq Fjord und bedroht dort die Gletscher. Die Folge: ein massiver Verlust des grönländisches Eises. „Im Sermilik Fjord liegen die Wassertemperaturen bei rund vier Grad in einer Tiefe von 100 bis 300 Metern“, sagt Iris Menn.

Die Folgen könne man fast täglich an der Geräuschkulisse und den Veränderungen der Gletscherkante sehen. Fast jeden Tag sehe der Helheim-Gletscher anders aus. „Man spürt die Dynamik in dieser wunderschönen Kulisse. Es ist eine Dynamik, die einem Angst macht“, sagt die Hamburger Forscherin.

Die Hamburger Forscherin befindet sich zum ersten Mal in der Arktis. „Sicher ist es faszinierend, diese Region der Erde kennenzulernen“, sagt sie. „Aber manche Eindrücke stimmen mich auch traurig.“ Denn das arktische Eis schmelze viel schneller, als bisherige Klimamodelle errechnet haben.

Aufgabe der Hamburger Expertin ist es, ihre Kollegen bei den Messungen zu unterstützen und die weltweite Öffentlichkeit über die Zerstörung des Petermann-Gletschers zu informieren. „Genau dort, wo das Eis in rasantem Tempo schmilzt, hat sich Bundeskanzlerin Merkel vor wenigen Jahren zur sogenannten Klimaretterin ausrufen lassen“, meint Iris Menn und fügt hinzu: „Die Regierungen auf der UN-Klimakonferenz im Dezember in Kopenhagen müssen eine massive Verringerung der Treibhausgasemission beschließen.“