Bei den 60- bis 80-Jährigen sind es bereits drei von vier Männern und darüber gibt es praktisch niemanden, der nicht von ständigem Harndrang oder gar von Harnwegs- und Prostataentzündungen betroffen ist. Grund ist eine meist gutartige Wucherung der Prostatadrüse. Bisher konnten mit einem grünen Laser lediglich mittlere und große Wucherungen behandelt werden – ein verfeinertes Verfahren hilft nun bei allen Prostataveränderungen.
Die Prostata, ein kastaniengroßes Organ, umschließt den Anfangsteil der männlichen Harnröhre. Sie ist aus 30 bis 50 Drüsen aufgebaut und produziert ein Sekret, das bei der Ejakulation dem Samen beigemischt wird. Soweit der Normalfall. Mit zunehmendem Alter wächst die Prostata und schnürt dabei langsam die Harnröhre ab. Akute Probleme beim Wasserlassen sind die Folge. Ohne Therapie kann sich der Harnweg entzünden, Blasensteine, Harnstau oder sogar ein Nierenversagen herausbilden.
Zur Behandlung einer gutartigen Prostatavergrößerung nutzten Urologen in der Vergangenheit pflanzliche und hormonelle Präparate. Häufig operierten sie das vergrößerte Organ, mit Vollnarkose und mehrtägigem Aufenthalt in der Klinik.
Inzwischen gewinnt jedoch die Lasertherapie mit einem grünen Laser der Wellenlänge von 532 Nanometern (Milliardstel Meter) zunehmend an Bedeutung. Diese Wellenlänge des Kalium-Titanyl-Phosphat-Lasers ist auf die Absorptionsfähigkeit der Blutgefäße abgestimmt. Das gewucherte Gewebe nimmt diese Lichtenergie optimal auf, erhitzt sich auf über 100 Grad Celsius und verdampft explosionsartig, ohne dass dabei Blut austritt.
Bei dem schonenden Eingriff, der unter kurzer Vollnarkose geschieht, schiebt der Arzt ein Spezialendoskop in die Harnröhre bis zur Prostata. Das grüne Laserlicht wird durch einen flexiblen Lichtleiter durch das Endoskop bis vor die Prostata geleitet. Nun „feuert“ der Urologe mit kurzen Lichtimpulsen aus dem Endoskop auf das gewucherte Gewebe. Gleichzeitig verfolgt er den Operationsverlauf online am Bildschirm.
In modernen Kliniken hat sich der sogenannte Greenlight-Laser weitgehend etabliert. „Rund 80 Geräte dieses Typs sind in Deutschland schätzungsweise im Einsatz“, meint Hans-Peter Göser, Vertriebsleiter von Dornier MedTech Europa, der die Geräte von dem amerikanischen Hersteller Laserscope hierzulande vertreibt. Seit wenigen Wochen gibt es nun eine entscheidende Fortentwicklung, die statt wie bisher mit 80 Watt nun mit 120 Watt arbeitet. „Mit diesem Laser gibt es praktisch keinerlei Einschränkung mehr, was die Prostatagröße angeht“, sagte Joachim-Ernst Deuster aus Heidelberg. Der Urologe gründete vor 13 Jahren eine private Klinik, in der er sich auf schonende Therapieverfahren von Prostataerkrankungen spezialisierte.
Deuster sieht sich als Vorreiter beim „Greenlight-Laser“, nicht nur weil er mehr als 1000 Patienten mit dem grünen Laserstahl behandelt hat, sondern auch weil er als einer der ersten Kliniken in Deutschland den „Power-Laser“ im Einsatz hat. „Außerdem ist der Lichtstrahl besser fokussiert und dadurch der Vaporisationseffekt deutlich verbessert.“ Somit könne mehr Gewebe in kürzerer Zeit entfernt werden – die Behandlungszeit werde weiter verkürzt. Inzwischen haben auch einige Krankenkassen beschlossen, die Therapiekosten zu übernehmen.





