Die Schweinegrippe greift weiter um sich: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind mittlerweile nahezu 8500 Menschen in 39 Ländern erkrankt. Bislang erlagen weltweit 75 Menschen dem neuartigen Virus, wie die WHO am Sonntag mitteilte. In Großbritannien erhöhte sich die Zahl der Infizierten am Wochenende auf 101. Auch in Asien stieg die Zahl der Erkrankten deutlich an.

Die japanischen Gesundheitsbehörden meldeten Dutzende neue Infektionen. Inzwischen seien 74 Menschen erkrankt, erklärte das Gesundheitsministerium. Der erste Fall war erst am Samstag bestätigt worden. In einigen Städten wurden vorsorglich Schulen geschlossen, in Kobe wurden öffentliche Veranstaltungen abgesagt.

China meldete unterdessen den dritten Fall der Schweinegrippe. Eine 18-jährige Studentin, die kürzlich aus den USA heimgekehrt war, hat sich mit dem Virus infiziert. In der südchinesischen Provinz Sichuan konnten aber fast 300 Menschen aus der Quarantäne entlassen werden, wie die Nachrichtenagentur Xinhua meldete.

In den USA gibt es inzwischen mehr Infektionen als in Mexiko, wo das Virus zuerst aufgetaucht war. Aus den USA wurden über 4700 Infektionen und fünf Tote gemeldet, in Mexiko sind es knapp 2900 Erkrankungen und 66 Tote.

In Kanada, wo sich rund 500 Menschen angesteckt haben, starb ein Mensch an der Schweinegrippe. In Costa Rica, das nur neun Infektionen zählt, erlag der Grippe ebenfalls ein Patient. Indien und die Türkei meldeten am Wochenende den jeweils ersten Krankheitsfall auf ihrem Gebiet.

WHO befürchtet bei Pandemie Kampf um Impfstoffe

Im Fall einer Schweinegrippen-Pandemie könnte der weltweite Bedarf an Impfstoff laut der WHO nicht gedeckt werden. Selbst wenn die Impfstoffproduktion gegen das neuartige Virus bald weltweit in Gang komme, würden im Falle einer Pandemie „Milliarden von Impfdosen fehlen“, sagte die WHO-Direktorin für Impfstoffe, Marie-Paule Kieny, dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Gerade für die armen Länder werde „absolut nichts übrig sein“, mahnte Kieny.

Die Pharmafirmen der Welt werden ihren Angaben zufolge innerhalb des nächsten Jahres maximal ein bis zwei Milliarden Impfdosen herstellen können. Das meiste davon sei aber bereits verkauft. Laut „Spiegel“ haben entwickelte Länder wie Deutschland lange bestehende Verträge mit Impfstoffherstellern, die diese verpflichten, genügend Impfstoff zu liefern, um die gesamte Bevölkerung, wie medizinisch erforderlich, zweifach zu impfen.

Kieny regt dem Bericht zufolge nun an, zu prüfen, ob die entwickelten Länder ihre Impfprogramme auf Risikogruppen beschränken könnten. Auf diese Weise könne mehr Impfstoff auch für ärmere Länder abgezweigt werden.