Klimawandel

Ansteigender Meerespiegel bedroht jeden Zehnten

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Foto: sg_ed/dt_rh / EPA

Eine neue Studie prognostiziert: Zwei Drittel der größten Städte der Welt sind bis Ende des Jahrhunderts von steigenden Meeresspiegeln bedroht. In den gefährdeten Küsten-Ballungsräumen leben 634 Millionen Menschen. Im schlimmsten Szenario werden Städte wie Los Angeles und New York alle drei bis vier Jahre von „Mega-Fluten" heimgesucht.

Die katastrophalen Folgen durch Hochwasser können nur durch hohe Investitionen und kostspielige Maßnahmen wie der Umsiedlung ganzer Industrie- und Wohngebiete vermieden werden, wie jetzt aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht. Es ist die erste von Fachleuten überprüfte Untersuchung, die von New York über London und Schanghai bis Tokio die am meisten von Hochwasserkatastrophen gefährdeten Regionen benennt.

In den gefährdeten Küsten-Ballungsräumen leben zurzeit in mehr als 180 Ländern 634 Millionen Menschen, schreiben die Autoren in der Londoner Fachzeitschrift „Environment and Urbanization“. Rund 70 Prozent dieser Länder hätten Städte mit mehr als fünf Millionen Einwohnern in diesen Ballungsräumen. Besonders anfällig seien Küstenregionen in Asien und insbesondere arme Länder. Das Bevölkerungswachstum in diesen Regionen sollte bereits jetzt gestoppt werden.

Keine einfachen Lösungen

„Die Migration weg von den Gefahrenregionen wird notwendig, teuer und schwer durchzusetzen sein“, schrieb Koautor Gordon McGranahan vom Internationalen Institut für Umwelt und Städtebau in London. „Küstensiedlungen müssen also auch modifiziert werden, um Einwohner zu schützen.“ In dem Artikel von McGranahan, Deborah Balk und Bridget Anderson hieß es weiter, dass die einfachen Lösungen nicht mehr zu verwirklichen seien, wenn die Folgen des Klimawandels in den betroffenen Küstenregionen sichtbar sein werden.

Der Weltklimarat, der im Februar einen Anstieg des Meeresspiegels um 18 bis 58 Zentimeter bis zum Ende des Jahrhunderts prognostizierte, will in der kommenden Woche seine Warnungen konkretisieren. In einem Bericht über die Auswirkungen des Klimawandels auf Gesundheit, Städte, Landwirtschaft, Industrie und verschiedene Tier- und Pflanzenarten heißt es, bis 2080 könnten jährlich 100 Millionen Menschen von Hochwasserkatastrophen betroffen sein. Der Bericht wurde der Nachrichtenagentur AP in London vorab bekannt.

Wirtschaftsboom in China gefährdet

In der in London veröffentlichten Studie wird besonders auf die Gefährdung Chinas hingewiesen. Durch den Wirtschaftsboom habe in den vergangenen Jahren eine Massenwanderung in die Küstenregionen stattgefunden, in denen große Industriezonen entstanden. „Wenn nichts passiert, besteht die Möglichkeit, dass mit den in den niedrig gelegenen Küstengebieten auch Chinas wirtschaftlicher Erfolg auf dem Spiel steht.“ Die fünf Länder mit der größten Bevölkerung in bedrohten Küstengebieten seien China, Indien, Bangladesch, Vietnam und Indonesien.

( ap/oc )