Drei Eingriffe, bei denen Teile des Gesichts verpflanzt wurden, sind bislang bekannt: Seit Devauchelle die Französin Isabelle Dinoire operierte, deren Gesicht von einem Hund zerfleischt worden war, wurde ein chinesischer Bauer in Xian operiert, der von einem Bären angegriffen wurde. Und erst am vergangenen Sonntag operierten französische Chirurgen in Créteil bei Paris einen jungen Mann, dessen Gesicht durch eine Krankheit entstellt war.

Viel versprechend, aber keineswegs ein Wundermittel ist die Verpflanzung von Gesichtern bei Menschen, die durch Unfälle oder Krankheiten entstellt wurden. Zu diesem Ergebnis kamen nun Chirurgie-Experten auf einem Fachkongress in Amiens. „Die Transplantation ist eine neue therapeutische Waffe, die sich in den kommenden Jahren weiter entwickeln wird“, sagt Pionier Bernard Devauchelle. Er hatte in der nordfranzösischen Stadt im November 2005 weltweit die erste Operation dieser Art vorgenommen.

Die Operationen werden streng von den Gesundheitsbehörden kontrolliert. So darf Devauchelle bis 2010 fünf weitere Verpflanzungen vornehmen. „Doch die Vorbereitung und Organisation des Eingriffs ist so gewaltig, dass pro Jahr nicht viele Operationen geplant werden können“, schränkte Devauchelle ein. Er hatte seiner Patientin Dinoire Nase, Kinn und Lippen ersetzt. Mit Skepsis betrachtet Devauchelle Vorbereitungen in Großbritannien, wo der Chirurg Peter Butler ein ganzes Gesicht verpflanzen will.

Volltransplantation birgt Risiken

Butler sagte am Rande des Kongresses, er habe die Genehmigung für eine Volltransplantation erhalten und suche derzeit einen Patienten aus. Die US-Chirurgin Maria Sieminov darf ebenfalls eine komplette Transplantion vornehmen uns ist seit zwei Jahren bei der Auswahl des Patienten.

Devauchelle hält es aber noch für unmöglich, „eine funktionierende Dynamik des Augenlides wiederherzustellen. Da geht es darum, Gefühle und Ausdruckskraft hinzubekommen, und hier hat die Vollverpflanzung ihre Grenzen: Die Beweglichkeit des Augenlides ist ein äußerst komplexes Problem, das nur mit einer Transplantation nicht gelöst werden kann“, urteilt er.

Ein weiteres Problem bleiben auch bei Teiloperationen Abstoßungs-Reaktionen des Körpers. „Der chirurgische Eingriff ist keine technische Herausforderung, das hat die erste Operation bewiesen“, sagt der französische Chirurg Farid Taha. „Doch die Zahl der Patienten, die davon profitieren können, wird erst dann bedeutend zunehmen, wenn wir die Nebeneffekte der Behandlung zur Unterdrückung des Immunsystems reduzieren können.“ Die absichtliche Schwächung des Immunsystems, die die Annahme fremden Gewebes ermöglicht, erhöht das Krebsrisiko der Patienten erheblich und schwächt ihren gesamten Organismus.

Reaktionen der Patienten entscheidend

Entscheidend sei, die Reaktion der Patienten abschätzen zu können, sagt der Chirurg Jean-Michel Dubernard, Pionier der Handverpflanzung. „Darüber wissen wir noch gar nichts“. Seit seiner ersten Handtransplantation 1998 in Lyon seien etwa dreißig solche Operationen vorgenommen worden, dabei habe es „sehr wenige Fälle von Abstoßung“ gegeben.

Devauchelle schätzt die Zahl der Chirurgen-Teams, die eine Gesichtstransplantation bewältigen können, weltweit auf „30 bis 40“. Drei davon befänden sich in China, sagte der Franzose. Er hat einen Erfahrungsaustausch auch mit den dortigen Medizinern auf den Weg gebracht.