Hirnforschung

Franzose führt normales Leben mit Mini-Gehirn

Ein 44-jähriger Beamter versetzt die Fachwelt in Staunen: Eine Computertomografie und eine Kernspintomografie haben es zu Tage gebracht – ein Gehirn war bei dem Mann praktisch nicht vorhanden. Mediziner bescheinigen dem Patienten dennoch einen beihnahe durchschnittlichen Intelligenzquotienten.

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Ein Beamter, der mit einem winzigen Gehirn ein nahezu normales Leben führen kann, hat französische Ärzte in Erstaunen versetzt. Der Mann sei unlängst ins Krankenhaus gekommen, weil sein linkes Bein sich schwach angefühlt habe, berichtete die Fachzeitschrift „Lancet“. Eine Computertomografie und eine Kernspintomografie bei dem 44-Jährigen hätten „äußerst ungewöhnliche“ Bilder erbracht, sagte der Arzt Lionel Feuillet vom Marseiller Krankenhaus La Timone.


Das Gehirn war eigentlich nicht vorhanden. Neuropsychologischen Untersuchungen zufolge habe der Mann einen Intelligenzquotienten (IQ) von 75. Der Großteil der Bevölkerung hat mindestens einen IQ von 85, der Durchschnitt liegt bei 100.


Bei den Untersuchungen habe sich gezeigt, dass die üblichen Hohlräume im Gehirn sich bei dem Mann massiv ausgedehnt hätten, sagte Feuillet. „Das Gehirn selbst, also das graue und weiße Ding, war völlig an den Rand des Schädels gedrückt.“ Der zweifache Vater habe trotzdem ein normales Leben geführt. Obwohl er „eine leichte intellektuelle Behinderung“ habe, sei er nahezu normal entwickelt und habe sich ein soziales Netz aufgebaut.

Vom Hirnvolumen lasse sich nicht pauschal auf die Fähigkeiten eines Menschen schließen, erläuterte der deutsche Neurologe Prof. Heinrich Lanfermann von der Medizinischen Hochschule Hannover. „Es kommt darauf an, welche Strukturen erhalten sind, das bedingt die Funktionsfähigkeit.“ Daher sei es durchaus möglich, auch mit einem stark verkleinerten Hirnvolumen einem Beruf nachzugehen.