In der bayerischen Landeshauptstadt gibt es einen zweiten Schweinegrippe-Toten. Der 33-jährige Münchner starb in der Intensivstation eines Münchner Krankenhauses, wie die Stadtverwaltung am Dienstag mitteilte. Aufgrund seiner Grunderkrankung habe für den Patienten ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Neuen Grippe bestanden. Am 2. November war bereits ein 52-jähriger Münchner an Schweinegrippe gestorben.

Bei der Impfaktion läuft nach Ansicht der Berliner Kinder- und Frauenärzte einiges schief. Generell empfehlen die Fachärzte, Kinder ab sechs Monate und auch Schwangere gegen Schweinegrippe impfen zu lassen. Die derzeitig in der Hauptstadt anlaufende Impfaktion sei jedoch völlig planlos. „Das Chaos verhindern!“, forderte der Berliner Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte und erneuerte sein Angebot an die Gesundheitssenatsverwaltung, dass seine Mitglieder kostenlos an zwei Tagen der Woche in den bezirklichen Gesundheitsämtern impfen. „Wir sind im Gespräch, eine Lösung wird gesucht“, hieß es dazu aus der Senatsverwaltung.

Scharfe Kritik äußerte auch der Verbandsvorsitzende der Berliner Frauenärzte, Albrecht Scheffler, an der Impf-Organisation und Information der Senatsverwaltung. „Das geht so wild durcheinander, dass Ärzte selbst etwas hilflos davorstehen“, sagte er. „Ich kann nur hoffen, dass hier niemals die Pest ausbricht.“

Nach dem holprigen Start der Impfaktion kündigte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit, Marie-Luise Dittmar, an, dass bis zum Ende der Woche alle Praxen, mit denen ein Vertrag geschlossen worden sei, mit Impfstoff versorgt sein würden. Wie viele Praxen am Dienstag mit dem Serum beliefert wurden, war zunächst unklar. Geplant waren 105.

Der Berliner Frauenarzt-Verband empfiehlt indes den Impfstoff Pandemrix für Schwangere – aber vorsichtshalber erst ab der 13. Schwangerschaftswoche. „Dann sind alle Organe beim Fötus angelegt“, sagte Scheffler. Bisher gebe es keine Hinweise darauf, dass der Impfstoff mit Wirkstoffverstärkern Schwangeren schade. „Diese Verstärker sind auch in anderen Impfstoffen enthalten“, betonte Scheffler. Der Quecksilberanteil stellt seiner Ansicht nach keine Gefahr dar. „Das sind ganz geringe Mengen. Über die Nahrung nehmen wir deutlich mehr Quecksilber auf“, ergänzte er.

Schwangere haben nach den Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein höheres Risiko, an Schweinegrippe zu erkranken. Die Ständige Impfkommission empfahl die Impfung im Oktober für Schwangere ab der 13. Woche und auch für Wöchnerinnen. „Leider gibt es bis heute keine klare Aussage der Politik dazu“, sagte Scheffler. Auch die Spitze des Berufsverbandes der Frauenärzte in München mag sich noch nicht auf eine allgemeine Impfempfehlung für Schwangere festlegen. „Wir warten immer noch auf einen Impfstoff ohne Wirkstoffverstärker“, sagte eine Sprecherin.

Der Zusammenschluss "Ärzte im Netz" hat eine Liste der Listen von Ärzten , die in Deutschland gegen Schweinegrippe impfen, ins Internet gestellt.

AP/dpa/cl