Ein deutsch-französisches Forscherteam haben die molekularen Ursachen einer vererbbaren Schwerhörigkeit entschlüsselt. Dabei halfen ihnen taube Mäuse, wie die Mediziner Christine Petit vom Institut Pasteur in Paris und Tobias Moser von der Uni Göttingen berichten. Den Forschern in Paris gelang es, die Ursache einer beim Menschen vorkommenden vererbbaren Schwerhörigkeit auf einen Fehler in einem bestimmten Genabschnitt zurückzuführen. Für eine genauere Analyse stellten die Wissenschaftler den Defekt in Versuchstieren nach und erhielten komplett taube Mäuse.

Diese wurden in Göttingen mit zellphysiologischen Methoden untersucht. Die Experten konnten den Hörschaden genau dort lokalisieren, wo die Schallinformation aus der Luftbewegung in das elektrische Signal der Nervenzellen übersetzt wird. Der Schallempfang im Ohr war bei den Mäusen zwar intakt, aber es wurde kein Signal an das Gehirn weitergeleitet. Damit konnten die Forscher den Gendefekt beim Menschen sicher identifizieren, der zur Schwerhörigkeit führt, wie Moser betont.

Mehr als 40 Millionen Menschen in Europa leiden unter angeborenen, vererbbaren Hörstörungen. Zudem entwickelt ein Drittel der Menschen über 65 Jahren eine Altersschwerhörigkeit. Seit März 2005 versuchen Forscher aus zehn europäischen Ländern, darunter auch die Teams aus Paris und Göttingen, die Arbeitsweise des Innenohrs zu entschlüsseln.