Computer-Hersteller

Apple hortet 40 Milliarden Dollar für das große Ding

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Der Chef des US-Konzerns Apple, Steve Jobs, lehnt eine Dividende an die Aktionäre ab. Dabei hortet Jobs knapp 40 Milliarden US-Dollar. Für riskante Geschäfte wäre dies ein sicheres Polster, sagt Jobs auf der Hauptversammlung des iPhone-Herstellers. Diese Aussicht missfällt manchem Aktienbesitzer.

Apple-Chef Steve Jobs will die Kriegskasse des Konzerns für mögliche Großinvestitionen zusammenhalten. „Wenn du Risiken eingehst, ist dies wie ein Luftsprung. Wenn die Geschäfte nicht laufen, ist es ganz nett zu wissen, dass es den Boden unter den Füßen immer noch gibt, wenn du wieder landest“, sagte Jobs laut US-Medien auf der Hauptversammlung des US-Konzerns in Cupertino im US-Bundesstaat Kalifornien.

Das Unternehmen, Erfinder des MP3-Spielers iPod und des Smartphones iPhone, hortet laut dem jüngsten Geschäftsbericht 39,8 Milliarden Dollar. Zieht man davon längerfristig angelegtes Geld ab, verfügt Apple immer noch über 25 Milliarden Dollar Bargeld und kurzfristig verfügbares Vermögen in der Kasse.

Einige Aktionäre, mit Blick auf eine mögliche Dividende oder einen Aktien-Rückkauf durch Apple, fragten Steve Jobs, was er mit diesem Geld zu tun gedenke. Seit 1995 hat der Konzern kein Geld mehr an die Anteilseigner ausgeschüttet. Analysten weisen darauf hin, dass die Überschüsse letztlich den Einlagen der Aktionären zu verdanken seien und halten eine Ausschüttung daher für geboten.

Steve Jobs ficht das nicht an. Sein Unternehmen sei nun groß genug für die ganz großen Taten – „think big to move the needle“, sagte Jobs. „Wir müssen wirklich fett und großformatig denken.“ Das Geld gebe Apple zugleich Sicherheit und Flexibilität, um beispielsweise ein Unternehmen zu kaufen, ohne deswegen einen Kredit aufnehmen zu müssen.

Allerdings vermied es der Apple-Chef, der laut der Website des US-Fernsehnetzwerks ABC mit einem leichten Vollbart vor die Anteilseigner trat, genauere Angaben zu machen, für welche riskanten Geschäfte das Geld ausgegeben werden könnte.

In China, so führte Jobs dann doch aus, will Apple besser Fuß fassen. Binnen zwei Jahren sollen 25 Apple-Stores dort eröffnen. Erst 2008 hatte Apple sein erstes Geschäft in der chinesischen Hauptstadt Peking eröffnet. Außerdem will das Unternehmen aus Kalifornien mehr für Umweltstandards bei der Produktion seiner Geräte tun.

Zulieferer sollen mehr und mehr dazu verpflichtet werden, ungiftige Materialien einzubauen, und auf überflüssige Verpackungen wolle Apple künftig verzichten. Darüber soll unter anderem Al Gore im Verwaltungsrat des Unternehmens wachen, der unter Bill Clinton US-Vizepräsident war und später als Umweltschutz-Lobbyist auftrat.

Festhalten will Apple trotz seiner Erfolge vor allem bei iPod, iPhone und Co. an der Produktion von Computern. Die „mobilen Geräte“, dazu zählt Jobs neben Smartphones und Musikspielern deren Zubehör bis hin zu den Anwendungen und Downloads wie Apps für das iPhone, machten heute 95 Prozent des Umsatzes aus. Dennoch will der Konzernchef die Tischrechner wie die iMacs weiter im Programm halten – so lange die Kunden bereit seien, dafür zu zahlen.

Jobs ließ durchblicken, dass die Zeiten für große Innovationen aus seiner Sicht nicht die besten seien. „Die Leute geraten nicht gerade in Kauflaune, wenn sie sich darüber sorgen, wie sie ihr Essen auf dem Tisch bezahlen“, sagte der Apple-Chef. Dies könnte seine Zurückhaltung beim Geldausgeben erklären: „Wer weiß schon, was einen hinter der nächsten Ecke erwartet?“, sagte der 55-Jährige, der wie immer in Jeans, schwarzem Rollkragenpullover und mit Drahtgestell-Brille auftrat.

Anleger schienen die Aussichten des Konzerns gut zu heißen. Die Apple-Aktie legte zunächst leicht auf 202 US-Dollar zu. Sie hatte seit einem Jahr von knapp über 80 Dollar auf zeitweise 215 Dollar zugelegt; zuletzt lag sie stabil bei der 200-Dollar-Marke.

Die Aktionäre hatten Jobs mit lang anhaltendem Applaus auf der Hauptversammlung begrüßt. Wegen einer Erkrankung hatte der Apple-Gründer auf dem Treffen im Jahr 2009 nicht teilgenommen. Sechs Monate lang hatte sich Jobs aus dem Geschäft nach einer Leber-Transplantation ganz zurückgezogen, tritt inzwischen aber wieder als das Gesicht des Konzerns auf – zuletzt bei der Präsentation des iPad, eines Tablet-Computers, der per Touchscreen bedient wird und ähnlich wie das iPhone funktioniert. Das iPad soll ab März 2010 für 499 US-Dollar verkauft werden. Analysten rechnen mit zwei bis fünf Millionen verkauften Tablets, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters auf ihrer US-Website.

Zur Hauptversammlung gab Apple bekannt, dass es über seinen iTunes-Store nunmehr zehn Milliarden Songs verkauft habe. „Guess Things Happen That Way“ des im Jahr 2003 verstorbenen Sängers Johnny Cash sei die Nummer 10.000.000.000 der Downloads gewesen, teilte Apple mit.