Medizin

Wie das Krankenhaus krank macht

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Foto: ddp

Mit einem Knochenbruch in die Klinik, mit einer Blutvergiftung wieder raus. Drei bis fünf Prozent der Patienten deutscher Krankenhäuser infizieren sich während ihres Aufenthaltes, auf Intensivstationen sogar 15 Prozent. Eine Initiative ruft jetzt alle Kliniken Deutschlands auf, für sorgfältige Desinfektion zu sorgen.

Wer in ein Krankenhaus kommt, möchte dort genesen. Oft macht gerade das Krankenhaus noch kränker. So sind Neuinfektionen der häufigste Grund für lebensbedrohliche Komplikationen in dem trügerisch medizinisch gut versorgten Krankenbett.

In der Aktion „Saubere Hände" werden nun bundesweit Kliniken aufgefordert, für mehr Sorgfalt bei der Desinfektion zu achten. Diese Initiative des Bundeministeriums für Gesundheit, des Robert-Koch-Instituts, Krankenkassen und verschiedener Verbände will Neuerkrankungen der Patienten während ihres Aufenthaltes im Krankenhaus deutschlandweit überwachen und kontrollieren. Laut der hessischen Techniker Krankenkasse führen Neuinfektionen bundesweit zu zwei Millionen zusätzlichen Krankenhaustagen.

Dabei geht es lediglich darum, dass das Krankenhauspersonal die Hände vor jeder Behandlung sorgfältig desinfiziert. Häufig handelt es sich um alltäglichste Krankenhaustätigkeiten wie Verbandswechsel oder Arbeit an Kathetern, bei denen jedoch die Hände nicht ausreichend mit Alkohol desinfiziert seien. Durch diesen einfachen Arbeitszwischenschritt aber könnten diese Infektionen verhindert werden. Harnwegs- und Wundinfektionen, Lungenentzündungen und Blutvergiftungen würden so weitaus seltener auftauchen. Experten schätzen, dass bis zu 100.000 von 500.000 Neuinfektionen jährlich so vermieden werden können.

Ein Seifenspender neben jedem Krankenbett

Besonders gefährlich ist es auf den Intensivstationen. 15 Prozent der Patienten infizieren sich dort aufs Neue, hier brodelt es nur so von Bakterien und Viren. Demnach müssten hier an jedem Patientenbett Desinfektionsmittelspender für die Hände vorhanden sein. Durch Schulungen und direkte Beobachtung des Personals oder auch über den kontrollierten Verbrauch der Desinfektionsmittel soll zeitnah festgestellt werden, wie erfolgreich die Maßnahmen sind.

Der Zuspruch der Krankenhäuser ist je nach Bundesland unterschiedlich, insgesamt aber noch recht verhalten. In Hessen beteiligen sich 55 von 180 Krankenhäusern, in Berlin sind es zwölf von 71, in Brandenburg nur neun von 47. Für mehr Beteiligungen wird zur Zeit geworben.

Auch Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt engagiert sich für die Aktion, hat die Schirmherrschaft übernommen. Sie erklärt dazu: „Vertrauen in Krankenhäuser, Ärzte, Ärztinnen und Pflegepersonal geht verloren". Deutschland hätte eine hervorragende Gesundheitsversorgung – Hochleistungsmedizin, exzellent ausgebildetes Personal, innovative Arzneimittel. Es dürfe einfach nicht passieren, dass eine erfolgreiche Behandlung vielleicht daran scheitert, dass eine Händedesinfektion unterlassen wurde.

Die „Aktion saubere Hände“ wird gemeinsam vom Referenzzentrum für die Überwachung von Krankenhausinfektionen, der Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung und dem Aktionsbündnis Patientensicherheit gemeinsam mit Partnern durchgeführt.

Mehr Informationen unter http://www.aktion-sauberehaende.de/