Eine spezielle Einlagesohle zur Vermeidung von Gleichgewichtsproblemen bei Astronauten könnte vielen älteren Menschen die Rettung bringen. Die Technologie der Sohle könnte helfen, lebensgefährlichen Stürzen im Alter vorzubeugen. Die Einlage, welche von Astronauten genutzt werden, ist mit Sensoren bestückt, die automatisch eine Überprüfung der Balance bemessen. Danach kann eine Gleichgewichtsstörung genau ausgemacht und behoben werden. Es wäre nicht das erste Mal, dass Forschungsergebnisse der Raumfahrt positive Auswirkungen auf das irdische Alltagsleben haben.
Die Idee geht auf Erez Lieberman zurück, der vor einem Jahr ein Praktikum bei der US-Raumfahrtbehörde Nasa absolvierte. Dort arbeitete der Harvard-Student der Technologie im Gesundheitswesen an einem Forschungsprojekt zur Frage, wie Astronauten nach längerem Aufenthalt in der Schwerelosigkeit möglichst schnell ihre daraus resultierenden Gleichgewichtsstörungen überwinden könnten. Astronauten müssten sofort nach der Landung topfit für ihre Aufgaben im Weltraum sein und ihre Balance genau einsetzten können.
Zur Vorbeugung von schweren Verletzungen
Als Lösung wurde der „iShoe“ entwickelt. Diese Einlage sammelt Daten darüber, wie sich das Gewicht des Schuhträgers auf die Fußsohle verteilt und vergleicht dies mit den Daten von Menschen ohne Gleichgewichtsstörungen. Von Astronauten wird erwartet, dass sie daraus selbst ihre Schlüsse ziehen und ihre Balance dem Idealstatus anzupassen versuchen. Es findet keine automatische Korrektur des Gleichgewichtes statt. Lieberman und die mit ihm zusammenarbeitende Nasa-Wissenschaftlerin Katharine Forth dachten aber an die Nutzung des iShoe-Prinzips für ältere Menschen.
Er soll schweren Verletzungen bei ihnen vorbeugen, denn nach Angaben der US-Stiftung für Osteoporose sterben 24 Prozent der Senioren, die sich bei Stürzen eine Hüftfraktur zuziehen, binnen eines Jahres. Die Überlebenden sind häufig für den Rest ihrer Tage schwer behindert.
Früherkennung möglich
Die Bemessungssensoren können dabei nicht als ein unmittelbares Alarmsystem eingesetzt werden, aber die aufgezeichneten Daten können dem Arzt hinreichenden Aufschluss über etwaige Gleichgewichtsprobleme des Schuhträgers geben. Wie Lieberman erläutert, treten solche Störungen nicht plötzlich auf, sondern kündigen sich schon lange vorher an – genau wie hoher Blutdruck und ein stark erhöhter Cholesterinspiegel vor einem Herzinfarkt warnen.
Ist das Problem erst einmal erkannt, könnte man dann mit einer gezielten Krankengymnastik einen Ausgleich finden und die Balance des Patienten entschieden verbessern. „Man muss nicht ein für allemal mit einem schlechten Gleichgewichtssinn leben, man kann etwas dagegen tun“, betont Forth.
Verfügbarkeit in 18 Monaten möglich
Robert Lindsay, Medizinprofessor an der Columbia University in New York, stimmt dem zu. Ein Gerät dieser Art wäre ein Erfolg. Zugleich gibt er aber zu bedenken, dass der iShoe wirklich klare Daten liefern müsse, die von Ärzten eindeutig interpretiert werden könnten. Andererseits gebe es zurzeit noch kein System zur objektiven Messung von Gleichgewichtsproblemen. Die Mediziner seien bei der Diagnose weiterhin auf die subjektiven Angaben des Patienten oder ihre zeitlich begrenzten eigenen Beobachtungen angewiesen.
Lieberman und Forth betonen, dass ihr iShoe für etwa 100 Dollar verkauft werden könnte und damit für jeden erschwinglich wäre. Allerdings werden zunächst rund eine Million Dollar für die klinische Forschung benötigt und weitere drei bis vier Millionen, um das Produkt auf den Markt zu bringen. Wenn dieses Geld aufgetrieben werden kann, könnte der iShoe schon in 18 Monaten verfügbar sein.





