"Nexus One"

Google-Handy soll 2010 den Markt erobern

"Nexus One" soll das Handy heißen, mit dem Google noch stärker ins Mobilfunk-Geschäft einsteigen will. Laut Medienberichten wird das High-Tech-Gerät mit dem Google-Betriebssystem Android im nächsten Jahr auf den Markt kommen. Anders als sonst soll es direkt an die Verbraucher verkauft werden.

Foto: AFP

Ein Foto gibt der Internet-Welt Rätsel auf. Es zeigt ein Handy mit abgerundeten Ecken. Die Menüleiste am unteren Display-Rand weist das Mobiltelefon als Gerät mit Googles Betriebssystem Android aus. Dass es sich vermutlich um ein Telefon des Herstellers HTC handelt, zeigt das Scrollrad darunter - es sieht aus wie das Rädchen des HTC Hero. Auf dem Bildschirm leuchtet ein "X" in den Google-Farben. Der Fotograf im Weihnachtsmann-Kostüm spiegelt sich auf dem Bildschirm. Ist dieses Gerät das neue Google-Phone?

Der Suchmaschinenkonzern gibt sich relativ wortkarg. Mario Queiroz, Vizepräsident im Google-Produktmanagement, schrieb am Samstag auf dem Mobile Blog des Unternehmens, die Mitarbeiter testeten im Moment ein neues Gerät, das innovative Hardware eines Partners mit Googles Android-Software kombiniere. Mitarbeiter weltweit würden mit den neuen mobilen Eigenschaften und Möglichkeiten experimentieren. Diese Tests - im Firmenjargon "dogfooding" (Hundefutter essen) genannt - dienen dazu, die neue Technologie zu verbessern. Mehr könne er dazu nicht sagen, schreibt der Produktmanager. Dogfooding sei eine interne Angelegenheit. "Wir hoffen, dass wir nach unserer Hundefutter-Diät mehr mitteilen können", heißt es in Queiroz' Blogbeitrag - immerhin kein Dementi.

Was war geschehen? Der Suchmaschinen-Spezialist wolle im kommenden Jahr ein eigenes Hightech-Handy auf den Markt bringen, berichtete unter anderem das "Wall Street Journal". Das Telefon solle "Nexus One" heißen und mit dem Betriebssystem Android laufen, schrieb die Zeitung unter Berufung auf informierte Personen. Google wolle es direkt an die Verbraucher verkaufen - und nicht wie üblich über Mobilfunk-Anbieter. Die Nutzer könnten dann entweder ihre bestehenden Handy-Verträge mit dem "Nexus" weiternutzen oder müssten sich selbst um einen neuen kümmern. Das Gerät solle vom taiwanesischen Hersteller HTC gebaut werden, berichtete auch das Technologieblog TechCrunch. HTC produziert bereits diverse Android-Telefone (Tattoo, Hero, G1).

Das Handy-Betriebssystem Android wurde federführend von Google mitentwickelt und stellt die mobile Internet-Nutzung mit Diensten des Konzerns in den Mittelpunkt. Allerdings hat sich Google bisher auf Kooperationen mit Netzbetreibern und Geräteherstellern wie HTC, Samsung oder Motorola verlassen.

Die Spekulationen um das oftmals als "iPhone-Killer" apostrophierte Google-Handy sind nicht neu. Vor ungefähr zwei Monaten berichtete die britische "Sunday Times" über Informationen des Mobilfunk-Analysten Ashok Kumar. Er wollte damals aus dem Google-Umfeld erfahren haben, dass der Suchmaschinenkonzern ein eigenes Smartphone entwickele, das Anfang nächsten Jahres auf den Markt kommen werde und mit der neuesten Version des Betriebssystems Android (2.1, Codename "Flan") ausgestattet sei. Es solle das Betriebssystem mit dem Programm Google Voice verknüpfen und unbegrenzt kostenfreie Gespräche ermöglichen, schrieb die "Sunday Times".

Das wäre als Angriff auf die herkömmlichen Geschäftsmodelle der Mobilfunkbranche zu verstehen. Denn bisher hat sich Google auf Kooperationen mit Netzbetreibern und Geräteherstellern wie HTC, Samsung oder Motorola verlassen und selbst nur die eigene Software (Browser, Suchmaschine, Videoportal YouTube, Maps, Fotoportal Picasa, etc) beigesteuert und an der Werbung auf den Google-Seiten verdient. Google glaubt offenbar, seine starke Position bei Online-Werbung auch auf Handys ausweiten zu können. Der Internet-Konzern gilt als einer der aussichtsreichsten Spieler im Mobilfunkmarkt.

Ein eigenes Handy würde die Position des Konzerns gegenüber Mobilfunkbetreibern stärken, die mehr oder weniger intensiv den neuen Mail-Dienst Google Voice boykottieren. Die Teilnehmer in den USA erhalten eine kostenfreie Rufnummer, die keine Ortsvorwahl benötigt und unabhängig von einem Netzbetreiber ist. Unter dieser Nummer ist der Nutzer überall - mobil, zu Hause und im Büro - erreichbar. Ein Voicemail-Dienst übersetzt ankommende Sprach- in Textnachrichten, die auf dem Handy (als SMS) oder auf PC abgerufen werden können.

Sollten die Spekulationen über das neue Google-Phone zutreffen, bliebe dem Unternehmen nur noch die Aufgabe, sein eigenes Telefon mit Mobilfunknetzwerken zu verbinden, so dass es auch außerhalb von WiFi-Hotspots benutzt werden könnte. Da das neue Handy ungesperrt auf den Markt kommen soll, könnte jeder Nutzer die SIM-Karte seiner Wahl einschieben und lossurfen beziehungsweise telefonieren. Bis dahin bleibt den Blogs, Twitter und sozialen Netzwerken die Spekulation. Dass am Wochenende in Googles Bilderportal Picasa Hunderte Schnappschüsse zu finden waren, die zumindest ausweislich der Exif-Datei mit dem "Nexus One" fotografiert wurden, heizte die Gerüchteküche noch mal an. Dass einige von ihnen anscheinend im Google-Headquarter geknipst wurden, tat ein Übriges. Genauso wie die Twitter-Beiträge begeisterter Tester. Führende Blogs wie TechCrunch, Mashable und CNet waren vom bevorstehenden Launch des Google-Phones jedenfalls schon überzeugt.