Der Begriff "Eselsbrücke" soll auf Plinius, einem römischen Gelehrten, zurückgehen. Allgemein sind Esel wasserscheu und sehen das nasse Medium als Gefahr an. Um sie dennoch über einen Fluss zu führen, bauten die Menschen Brücken. Sie sind einfachen Hilfsmittel, um ein Hindernis zu überwinden und der Gefahr aus dem Weg zu gehen. Im Mittelalter beschrieben Eselsbrücken ausschließlich Hilfswege bei mathematischen Problemen.

Heute hat sich der Begriff im Volksmund als Bezeichnung für einen Merkspruch oder eine Lernhilfe eingebürgert. Wie eine Brücke über den Fluss, soll sie den Menschen eine Gedächtnisstütze für das Erlernen und Behalten von Wissen dienen. Oft handelt es sich dabei um einen leicht einzuprägenden Satz, der sich reimt, oder dessen Wörter –Anfangsbuchstaben haben, die auf das hinweisen, was man sich merken will.

Wissenschaftlich gesehen, ist das menschliche Gedächtnis assoziativ aufgebaut: Es braucht innere oder logische Zusammenhänge, um Faktenwissen einordnen und erlernen zu können. Ohne diesen Aufbau fällt es einfach schwer, das Wissen zu behalten, da man es nicht versteht. Eine Eselsbrücke unterstützt diesen Lernprozess, indem sie Fakten in bestimmter Weise miteinander verknüpft.

„Eselsbrücken können aus verschiedenen Kategorien bestehen", weiß Gunther Karstens, deutscher Gedächtniskünstler und Autor des Buches "Lernen wie ein Weltmeister". "Sie erzeugen Bilder, Assoziationen bei bestimmten Wörtern, reimen sich oder nutzen eine gewisse Logik“ In gewisser Weise nutzt er bei den Gedächtnismeisterschaften auch Eselsbrücken, um komplizierte oder schwer merkbare Zusammenhänge zu behalten.

In jüngeren Jahren erstellte er sich beispielsweise eine Eselsbrücke, um sich den Zusammenhang zwischen Leistung und deren Einheit Watt zu merken. Seine Gedankenstütze: Wenn man im Watt geht, sinkt man ein bis zur Leiste ein. „Aus Watt und Leiste wird Watt und Leistung – den Zusammenhang kann man sich so merken“, meint Karsten. Der Merkspruch enthält sowohl Bilder als auch Assoziationen und eine gewisse selbstproduzierte Logik.

Für ihn ist die Eselsbrücke aber nicht unbedingt ein passender Begriff. „Ich nenne sie eher Expertenbrücke. Mithilfe des Merkspruchs kann man sich mehr Wissen aneignen und Zusammenhänge erkennen“, sagt Karsten.

Eselsbrücken sind heute in fast allen Bereichen des Lebens - Schule, Studium, Alltag und Beruf - zu finden.