„Nach einer Studie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) leiden bis zu zwei Prozent der Bevölkerung an solchen medikamenteninduzierten Kopfschmerzen“, sagt Prof. Andreas Straube, Neurologe an der Universität München und DMKG-Vizepräsident. Davon seien etwa 80 Prozent vor allem Migränepatienten und 20 Prozent Patienten mit chronischem Spannungskopfschmerz. Denn solche durch Medikamente verstärkte Schmerzen treten nur bei Patienten auf, die bereits an einem primären Kopfschmerz leiden.
Ab wann ein Übergebrauch an Medikamenten zu Dauerkopfschmerz führt, ist Straube zufolge unterschiedlich. Die DMKG rate deshalb in ihren Leitlinien, Medikamente gegen Kopfschmerzen nicht häufiger als zehn Tage im Monat und nicht länger als drei Tage in Folge einzunehmen.
Vor allem Migränepatienten mit einem hohen Leistungsbewusstsein, die auch vorbeugend Schmerzmittel vor einem wichtigen beruflichen Termin nehmen, seien betroffen, sagt Straube.
Migräne-Attacken nehmen zu
Verlässt sich der Patient nur auf Medikamente, steigt das Risiko, einen Dauerkopfschmerz zu entwickeln. Der kann sich je nach Medikament von den ursprünglichen Kopfschmerzen unterscheiden: Der typische Migräne-Kopfschmerz ist einseitig, klopfend und pulsierend. Werden Triptane zu oft eingenommen, erhöht sich die Frequenz der Migräne-Attacken, erklärt Ulrike Bingel. Bei Übergebrauch von Schmerzmitteln wie Paracetamol kommt ein dumpf drückender Kopfschmerz hinzu wie der klassische Spannungskopfschmerz.
Was im Körper passiert, wenn zuviel Medikamente gegen den Kopfschmerz genommen werden, sei noch nicht genau erforscht, erklärt Straube. Es werde aber vermutet, dass es zu einer Art Übersensibilisierung im Nervensystem kommt, das Kopf und Gesicht versorgt, sagt Ulrike Bingel. Um herauszufinden, ob sie an einem durch Schmerzmittel verursachtern Kopfschmerz leiden, sollten Patienten deshalb ein Schmerztagebuch führen. Darin wird festgehalten, welche Medikamente gegen die Kopfschmerzen eingenommen werden und ob sie überhaupt geholfen haben.
Strikte Einnahmepause hilft
Entwickelt sich ein Dauerkopfschmerz, hilft nur noch eine strikte Einnahmepause von etwa 10 bis 14 Tagen: „Etwa 80 Prozent der Patienten geht es danach besser“, sagt Prof. Straube. Auch die eigentlichen Migräne-Attacken treten seltener auf. Allerdings müssen die Patienten damit zurechtkommen, dass sie in den ersten Tagen des Entzugs sogar noch stärkere Kopfschmerzen haben als sonst.
Um es überhaupt nicht soweit kommen zu lassen, sollten die Patienten ihre Migräne auch mit nicht-medikamentösen Alternativen angehen. Die Migräne-Prophylaxe sieht neben zusätzlichen Medikamenten wie Beta-Blockern auch Entspannungstechniken vor. Dazu gehören Progressive Muskelrelaxation, Biofeedback oder kognitive Verhaltenstherapien.
Auch Wege zum Stressmanagement und eine Verhaltenstherapie seien aber ein wichtige Bausteine in der Migräneprophylaxe. „Denn der typische Migräne-Patient ist ein Perfektionist, der angestrengt versucht, Fehler zu vermeiden“, erklärt Kropp. Deswegen seien Techniken zur Entspannung und Selbstwahrnehmung so wichtig.

