Das Jahr 2008 reiht sich in die Serie der zehn weltweit wärmsten Jahre ein, dennoch war es das kühlste seit acht Jahren, teilte das Goddard-Institut für Weltraumstudien der Nasa in New York mit.
Im weltweiten Durchschnitt lag die Lufttemperatur im vorigen Jahr um 0,44 Grad Celsius über dem Mittelwert, den die Behörde für den Zeitraum zwischen 1951 und 1980 errechnete. Eine nähere Analyse zeigt jedoch deutliche regionale Unterschiede: Demnach war es in Eurasien, in der Arktis sowie in der Antarktis außergewöhnlich warm. Kalt war es dagegen in großen Teilen des Pazifikraums. Dafür machen die Forscher das Wetterphänomen La Nina verantwortlich, eine kalte Meeresströmung.
Für die kommenden Jahre rechnet die Nasa dagegen mit einer heftigen Wärmephase. Der Grund: Kurz nach La Nina folgt mit El Nino eine ungewöhnliche warme Meersströmung im Pazifik. Dies werde wahrscheinlich in den kommenden ein bis zwei Jahren zu einem neuen globalen Temperaturrekord führen, vermutet Nasa-Mitarbeiter James Hansen.
Gleichzeitig warnen Klimaforscher, dass die Folgen des Klimawandels deutlich drastischer ausfallen könnten als bisher angenommen. Die aktuellen Werte seien besorgniserregend, schreibt das Team um Stephen Schneider von der US-amerikanischen Stanford Universität in den „Proceedings“ der nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS). Hans-Martin Füssel vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sagte: „Wir müssen die Risiken negativer Auswirkungen des Klimawandels auf Mensch und Natur heute höher einschätzen als noch vor einigen Jahren“.
Es zeige sich, dass vor allem sensible Ökosysteme wie tropische Korallenriffe empfindlicher auf die globale Erwärmung und den Anstieg der Kohlendioxidwerte reagieren als bisher angenommen. Die Klimaforscher befürchten zum Beispiel eine dramatische Versteppung des Amazonas-Regenwaldes, dessen Rodung dem Boden auf ewig Mineralstoffe entziehe. Ein neuer Regenwald könne dort nicht mehr wachsen. Außerdem muss das Schmelzen des Grönlandeises aus Sicht der Experten neu eingeschätzt werden. Auf Grundlage aktueller Daten könnte es sich viel schneller zurückziehen als erwartet.
Auch extreme Wetterereignisse wie Dürreperioden, Hitzewellen und tropische Wirbelstürme träten heute häufiger und mit größeren Folgeschäden auf, als noch zu Beginn des Jahrzehnts vermutet worden war. Für weite Landstriche der Erde erwarten die Forscher extreme Temperaturen, in Indien und Australien bis zu fünfzig Grad Celsius.
Das Autorenteam hat unter anderem den Ausstoß von Treibhausgasen und den globalen Temperaturanstieg der vergangenen Jahre beobachtet. Die Werte lägen im oberen Bereich früherer Prognosen des Weltklimarats IPCC, heißt es in dem Bericht. Die Forscher beziehen sich in ihrer Studie auf den dritten Bericht des IPCC aus dem Jahr 2001.
Die Regierungen müssten auf den Wandel mit nachhaltigeren Klimaschutzprogrammen reagieren, fordern die Forscher. Ansonsten werde die Natur unumkehrbar geschädigt. „Die Zielvorgaben der EU stellen lediglich ein Minimalziel dar“, sagte PIK-Direktor Hans Joachim Schellnhuber. Um Klimaschäden einzudämmen, hatte sich die Europäische Union auf ein Klimaschutzprogramm geeinigt. Bis zum Ende des Jahrhunderts soll die Temperatur demnach um nicht mehr als zwei Grad ansteigen.
Weiterführende Informationen im Internet: www.pik-potsdam.de
AP/DPA/OC


