Der Studie zufolge ist die Stärke des Kinderwunsches zunächst einmal unabhängig vom Qualifikationsniveau der Frauen. Ob Sekretärin oder Studienrätin: Der Kinderwunsch ist bei allen Frauen gleich stark.
Äußere Rahmenbedingungen wie flexible Arbeitszeiten oder Betreuungsmöglichkeiten haben, so die Studienleiterin Ute Kraus, „keinen Einfluss“ auf den Kinderwunsch. „Das hat uns echt überrascht“, sagt die Psychologin. Ob sich eine berufstätige Mutter mit einem Kind jedoch für weitere Kinder entscheidet, hänge häufig davon ab, ob sie im Berufsleben oft mit anderen Menschen zusammenkommt. Eine starke soziale Komponente scheint den weiteren Kinderwunsch von Müttern erheblich zu dämpfen.
Ein weiteres Ergebnis der Befragung ist, dass Akademikerinnen weniger stark als Nichtakademikerinnen im Fall einer Mutterschaft die mangelnde soziale und materielle Unterstützung durch die Gesellschaft befürchten. Da die schriftliche Befragung bereits 2005 stattfand, hatte das im Januar dieses Jahres eingeführte Elterngeld, von dem tendenziell eher Akademikerinnen profitieren, auf die Ergebnisse keinen Einfluss.
Weitere Einzelheiten: Zwischen 26 und 35 Jahren ist der Kinderwunsch von Frauen insgesamt am größten. In der Gruppe der 36- bis 47-Jährigen dominiert er nur noch bei Akademikerinnen. Frauen mit Hochschulabschluss schätzten ihre Aufgabenvielfalt und ihren Entscheidungsspielraum im Berufsleben höher ein und gaben häufiger soziale Interaktionen im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit an.
Geschwister sind nicht angesagt
Während ein sehr lebhafter sozialer Kontakt im Berufsleben den Kinderwunsch von Müttern dämpft, ist dieser Effekt für kinderlose Frauen nicht feststellbar. Das heißt: In stark kommunikativen, vor allem akademischen Berufen hält sich der Wunsch nach Kinderreichtum in Grenzen. Ein Kind wird zwar meist noch gewünscht, weitere Kinder stehen dann aber meist nicht mehr auf der Wunschliste der Mütter. Ein weiteres Motiv für den Kinderwunsch ist der Studie zufolge die Sehnsucht nach sozialer Anerkennung. Sie ist besonders ausgeprägt bei ledigen Nichtakademikerinnen. Frauen, die in einer festen Partnerschaft leben, erhoffen sich das weniger.
Partnerlose Frauen ohne einen akademischen Sozialisationshintergrund, so vermuten die Studienautorinnen Ute Kraus und Yve Stöbel-Richter von der Abteilung für Medizinische Psychologie und Soziologie an der Uni Leipzig, nehmen Kinder daher eher als „eine kompensierende Möglichkeit“ wahr, soziale Anerkennung und eine Weiterentwicklung ihrer Identität zu erhalten. „Diese Strategie wird hingegen von Akademikerinnen eventuell nur als eine Möglichkeit wahrgenommen“, schreiben die Forscherinnen im Fachblatt „Psychotherapie und Psychische Medizin“.
Die Leipziger Studie zeigt jedenfalls, dass der generative Fokus sich nicht auf organisatorische Vereinbarkeitsprobleme beschränken lässt. Vielmehr haben bestimmte Merkmale der beruflichen Tätigkeit, ob akademisch oder nicht, einen Einfluss auf den Kinderwunsch. „Eine solche Studie hat es bislang nicht gegeben“, sagt Kraus. Die Psychologin will sich aufgrund ihrer Studie nicht auf bestimmte Berufsgruppen festlegen. „Aber sicher zählen Journalistinnen, Lehrerinnen und Ärztinnen zu den Berufen mit sehr hohen Sozialkontakten.“


