Medizin

Künftig unbegrenzte Ersatzorgane vom Schwein

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Britta Danger

Foto: KPA

Mehr als 10.000 Patienten warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Jährlich werden aber nur rund 4500 Organe transplantiert. Ein Grund, weshalb Forscher künftig auch tierische Organe transplantieren wollen. Die Ansätze sind vielversprechend.

Die Zahl der Organspender deckt bei Weitem nicht den Bedarf. Erfolge bei der Xenotransplantation, der Übertragung von tierischen Organen auf den Menschen, wecken die Hoffnung auf eine unbegrenzte Zahl von Ersatzorganen. Auf dem internationalen Symposium Xenotransplantation des Robert-Koch-Instituts in Berlin zeigten sich Experten optimistisch. Denn eine Lösung für das größte Problem bei der Übertragung tierischen Gewebes auf den Menschen scheint in Sicht: Es gibt Erfolg versprechende Ansätze, welche die Abstoßungsreaktionen des menschlichen Immunsystems auf das tierisches Organ umgehen.

Die Xenotransplantation stand lange Zeit still. „Fortschritte in der Chirurgie und Immunologie helfen uns jetzt aber, die Abstoßungshürde zu nehmen“, sagte Ralf Tönjes vom Paul-Ehrlich-Institut, Leiter der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Xenotransplantation. Bis zur Verpflanzung ganzer Organe sei es aber noch ein weiter Weg. Die Übertragung kleiner Zellgruppen könnte schneller zum Ziel führen. Für die Transplantation der Insulin produzierenden Inselzellen aus der Bauchspeicheldrüse beispielsweise laufen bereits die Vorbereitungen für erste klinische Studien mit Menschen. Professor Bernhard Hering, wissenschaftlicher Leiter des Diabetes-Instituts an der University of Minnesota, arbeitet an der Transplantation von Inselzellen für Zuckerkranke. „Die Planung ist weit fortgeschritten“, sagt Hering. „Die ersten klinischen Versuche sind 2010 vorstellbar.“ Er hofft, in zwölf Jahren Inselzellen vom Schwein als Arznei einführen zu können.

Um die Abstoßung zu unterdrücken, will Hering bei den Patienten einige Tage vor der Operation eine „negative Impfung“ mit den Schweinezellen vornehmen. Dabei werden Zellen des Schweins mit dem Empfänger in Berührung gebracht. Durch diese Gewöhnung soll die Abstoßungsreaktion weniger stark ausfallen. Hier ist die Arbeit mit dem Schwein sogar ein Plus, denn bei der Übertragung menschlicher Zellen haben Spender und Empfänger keine Gelegenheit, sich vorher kennenzulernen. Das Immunsystem des Menschen wird also nicht zu früh aktiviert.

Die Inselzellen haben außerdem den Vorteil, dass auf ihnen der stärkste Auslöser der Abstoßungsreaktionen nicht vorkommt: Dies ist der Zucker alpha-1-3-Galactose, den sonst alle Schweinezellen auf der Zelloberfläche tragen. Er wird sofort vom menschlichen Immunsystem als fremd erkannt, die Körperabwehr versucht den Eindringling auszuschalten. Infolgedessen wird das Organ innerhalb von Minuten abgestoßen.

Seit 2001 gibt es die ersten gentechnisch veränderten Schweine, deren Zellen dieser Zucker fehlt. Erste Übertragungen von Herzgewebe glückten: Paviane überlebten mit dem Schweineherzen bis zu sechs Monate, was bei Transplantationen ein sehr langer Zeitraum ist. Allerdings reicht allein das Fehlen von alpha-1-3-Galactose nicht aus, damit der Empfänger das neue Organ langfristig annimmt. Deshalb züchten Transplantationsforscher Schweine, deren Zellen nicht nur dieser Zucker fehlt, sondern auch andere das menschliche Immunsystem alarmierende Strukturen.