Die eine Sonde, Europas "Venus Express", umkreist bereits seit dem letzten Jahr unseren Nachbarplaneten, die Venus. Die andere Sonde ist eine amerikanische, heißt "Messenger" und ist eigentlich auf dem Weg zum Planeten Merkur, sozusagen dem übernächsten Planeten von uns aus Richtung Sonne. Sie kommt nur für einige Tage an der Venus vorbei.

Die Sonden von der Weltraumagentur Esa und Amerikas Raumfahrtbehörde sollen für einige Tage bei der Venus gemeinsame Sache machen. Beide Sonden werden ihre Messungen aufeinander abstimmen. Sie sollen vor allem das Wetter auf dem Planeten untersuchen und in seiner Atmosphäre nach Leben suchen. Zeitgleiche Beobachtungen aus zwei Blickwinkeln werden nicht möglich sein, weil "Venus Express" eine elliptische Umlaufbahn fliegt und "Messenger" mit bis zu 15 Kilometern pro Sekunde vorbeirast. "Aber trotzdem wird für zwei bis drei Tage die Möglichkeit bestehen, gemeinsam zum Beispiel die Wolkenrotation zu beobachten", hofft Ed Strickland von der National Space Society (NSS) in Austin (Texas).

"Messenger" wird katapultiert

Die Venus ist größer als der Mars, fast so groß wie die Erde. Sie ist jedoch doppelt so nah an der Sonne wie der Mars und damit heißer. Auf der Oberfläche herrschen Temperaturen von fast 500 Grad, die Atmosphäre besteht fast nur aus Kohlendioxid, und der Luftdruck auf der Venus ist hundertmal so hoch wie auf der Erde. Unter ihrer undurchsichtigen Wolkendecke herrscht ein Treibhauseffekt, der wahrscheinlich durch von Vulkanen freigesetztes CO2 verursacht wurde. Es hängt wie eine Glocke über der Oberfläche und sorgt gemeinsam mit der nahen Sonne dafür, dass die Venus einem Backofen gleicht. "In der Frühzeit unseres Sonnensystems haben sich die drei Planeten Venus, Erde und Mars stark geähnelt, wie Brüder und Schwestern in einer Familie", erklärt David Southwood, der Wissenschaftliche Direktor von Europas Weltraumagentur Esa. Irgendwann habe sich das Klima der Venus aber so katastrophal verändert, dass sie für Menschen heute unbewohnbar sei. Für Amerikas "Messenger" ist die Venus wichtig, damit die Sonde ihren Kurs Richtung Merkur treffen kann. "Messenger" lässt sich von dem Planeten anziehen, fliegt in 300 Kilometer Abstand an ihm vorbei und wird danach mit veränderter Flugbahn wieder hinauskatapultiert.

Bis Freitag soll sich das Auge von "Messenger" auf die Venus richten. Beide Sonden filmen die Wolkenbewegungen der Venus. "Wir wissen nicht, was die Zirkulation in der Atmosphäre antreibt", gesteht Ed Strickland von der NSS. Die Venus rotiert sehr langsam, braucht 243 Erdentage für eine Drehung um die eigene Achse. Die höchsten Wolkenschichten, 60 Kilometer über der Oberfläche, rasen jedoch alle vier Tage einmal um den Planeten.

Die Atmosphäre der Venus muss keinesfalls so lebensfeindlich sein wie ihre Oberfläche. Wissenschaftler haben in ihr Hinweise auf Karbonsulfid-Verbindungen gefunden, die anorganisch so schwer herzustellen sind, dass sie bisweilen als Indikator für Bioaktivität angesehen werden. Außerdem ist in den Wolken die Konzentration von Wasserdampf hoch. Und so böten die Wolken der Venus ideale Lebensbedingungen für Bakterien, die vom UV-Licht der Sonne und vom Kohlendioxid der Atmosphäre leben. Es gibt helle und dunkle Markierungen in der Atmosphäre, die im ultravioletten Spektrum sichtbar werden und die Astronomen bislang nicht erklären konnten. Auf der Erde jedoch gibt es Bakterien, die unter solchen Lebensbedingungen existieren können. Auch bei den rätselhaften Substanzen in den Venus-Wolken könnte es sich um organische Moleküle handeln. Ed Strickland: "Sie entstehen, bewegen und verändern sich, aber ihr Ursprung ist nach wie vor unbekannt."