Studie sagt Extrem-Klima in China voraus

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WELT.de/dpa/afp

Die Ergebnisse der ersten umfassenden Umweltstudie über die Auswirkungen der globalen Erwärmung im bevölkerungsreichsten Land der Erde sind prekär: China drohen mehr Naturkatastrophen, verschärfter Wassermangel und eine sinkende Getreideproduktion. Die Regierung nimmt den Bericht ernst.

Die chinesische Regierung befürchtet in den kommenden Jahrzehnten einen drastischen Anstieg der Temperaturen. Zugleich werde sich die Wasserknappheit verschlimmern, meldete die staatliche Nachrichtenagentur China News Service unter Berufung auf Angaben des ersten Regierungsberichts zum Klimawandel. Die Treibhausgase würden zu immer ernsteren Problemen hinsichtlich des Klimawandels führen, kommentierte das Ministerium für Wissenschaft und Technologie den Bericht, an dem insgesamt zwölf Ministerien beteiligt waren. Der weltweite Klimawandel könnte auch die Entwicklung des Landes bedrohen.

Wegen der massiven Energieverschwendung in China rief Staats- und Parteichef Hu Jintao im Politbüro zu verstärkten Anstrengungen auf, Energieeffizienz und Umweltschutz zu verbessern und sparsam mit Rohstoffen umzugehen. Partei und Gesellschaft müssten erkennen, dass es um die Grundlagen des „Überlebens und der Entwicklung“ gehe, zitierte ihn die „Volkszeitung“. China ist der größte Kohleverbraucher der Erde und dürfte durch sein schnelles Wirtschaftswachstum schon in drei Jahren die USA als größter Kohlendioxidproduzent überholen.

Umverteilung in der Landwirtschaft

Die Klimastudie sagt „extremeres“ Wetter in China voraus. Die steigenden Temperaturen werden dem häufig unter Dürre leidenden Norden zwar stärkere Regenfälle bringen, doch werde das Wasser schneller verdunsten, so dass sich der Wassermangel noch verschärfen werde. Der Vizedirektor des nationalen Klimazentrums, Luo Yong, warnte vor einem landesweiten Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion, die direkt durch die Erwärmung betroffen sei. „Der Klimawandel wird den Druck auf die Produktion von Getreide und anderen landwirtschaftlichen Gütern verschärfen“, zitierte ihn der China News Service.

Zwischen 2030 und 2050 werde die Getreideproduktion sogar um bis zu zehn Prozent sinken. Die chinesische Bevölkerung wisse nur wenig über die Gefahren für die Nahrungsmittelsicherheit. Der Klimawandel werde zu Schwankungen in der Nahrungsmittelproduktion führen und die Struktur und Verteilung der Landwirtschaft im Lande verändern. Steigende Temperaturen begünstigten Pflanzenkrankheiten und Insektenplagen. Entsprechend mehr Pestizide müssten genutzt werden. Schon heute muss China ein Fünftel der Weltbevölkerung mit nur sieben Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ernähren.

Temperaturanstieg begünstigt Ausbruch von Krankheiten

Durch den Anstieg der Temperaturen könnten auch von Mücken übertragene Krankheiten wie Malaria oder Dengue-Fieber zunehmen. Stärkere Niederschläge im Süden des Landes dürften die häufigen Überschwemmungen und Erdrutsche noch verstärken, warnt die Studie. Die Regenfälle sollen bis 2020 jährlich um zwei bis drei Prozent zulegen, heißt es in der Studie, von der erst Auszüge veröffentlicht sind. Nach Angaben des Wetteramts wird der vollständige Bericht erst in einigen Monaten veröffentlicht. Im Vergleich zum Jahr 2000 sollen die Temperaturen in China laut Studie schon bis 2020 zwischen 1,3 und 2,1 Grad Celsius steigen und bis 2030um 1,5 bis 2,8 Grad.

Experten warnen seit langem, dass der Kampf gegen die globale Erwärmung nur Wirkung zeigen kann, wenn auch aufstrebende Länder wie China oder Indien einbezogen werden. China ist zwar Unterzeichner des Kyoto-Protokolls, muss aber als Entwicklungsland seine Treibhausgase nicht reduzieren. Aus Angst, dass es seine Entwicklung bremsen könnte, lehnt China auch freiwillige Begrenzungen ab und sieht vor allem die entwickelten Industriestaaten wie die USA oder Europa am Zuge, den Ausstoß zu verringern.

Nach einer Studie des Klimarats der Vereinten Nationen (IPCC) ist allerdings die Erderwärmung kaum mehr aufzuhalten. Selbst wenn der Ausstoß sämtlicher Treibhausgase sofort eingestellt werden könnte, würden die Temperaturen noch mehr als ein Jahrhundert lang steigen, berichtete die spanische Zeitung „El País“ über den bislang vertraulichen IPCC-Report, der im Februar veröffentlicht werden soll. Demzufolge wird sich die Erde im 21. Jahrhundert um 2 bis 4,5 Grad Celsius erwärmen. Der wahrscheinlichste Wert liege bei 3 Grad. Dies werde das Schmelzen des Polareises, den Rückgang der Gletscher, Hitzewellen, Dürre und andere extreme Klimaphänomene zur Folge haben.