Klimawandel

Gewinner und Verlierer in Deutschland

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Intensive Hitzewellen, zunehmende Trockenheit, extreme Niederschläge und Hagel: Einige Gebiete Deutschlands könnten von der Erderwärmung profitieren. Doch nach Einschätzung der Experten werden in der Summe die negativen Folgen überwiegen.

Der beschleunigte Klimawandel wird auch in Deutschland Gewinner und Verlierer hervorbringen. Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes könnten die deutschen Küsten von einer Zunahme des Tourismus profitieren, während die süddeutschen Skigebiete allmählich verschwinden. Der DWD stellte erstmals im „politischen Kraftzentrum“ Berlin seine jährlichen Zahlen und Fakten zum Klima in Deutschland vor, um auf die gesellschaftlichen Konsequenzen der Erderwärmung hinzuweisen.

„Jedem von uns dürfte klar sein, dass die unumgängliche Anpassung unserer Gesellschaft an den Klimawandel nicht zum Nulltarif zu haben ist“, mahnte DWD-Präsident Wolfgang Kusch. Wie bei allen Veränderungsprozessen werde es Gewinner und Verlierer geben. Je mehr man über die Veränderungen im Klima wisse, desto effizienter könne man sich auf die Bewältigung der Konsequenzen einstellen.

Hitzewellen werden häufiger und intensiver – dies könne zu mehr Todesfällen im Sommer führen, warnte Kusch. Dies würde auch nicht die positiven Gesundheitseffekte der milderen Winter aufwiegen, sagte DWD-Experte Paul Becker. Unter der Wärmebelastung litten die Menschen mehr, als sie von der Minderung des Kältestresses profitierten. Durch die verzögerte Erholung der Ozonschicht sei außerdem mit mehr Infektionskrankheiten und Hautkrebs zu rechnen.

In den Städten ist auf Grund der Temperaturerhöhung mit einem stärkeren „Wärmeinsel-Effekt“ zu rechnen. Deshalb werde die Bedeutung von Frischluftschneisen wachsen, sagte Kusch. Architekten müssten neue Bebauungskonzepte entwickeln, zum Beispiel mit einer gezielten Beschattung von Fußwegen, und Baumaterialien verwenden, die eine Aufheizung der Gebäude im Sommer verhinderten. Schon jetzt gebe es einen Temperaturunterschied zwischen Stadt und Land von zwei Grad Celsius. Der werde sich bei längeren Hitzeperioden eher verstärken. Berlin sei hier besonders betroffen.

„Der Klimaschutz wird uns Geld kosten“, sagte Kusch. Auf die Frage, wer zu den Gewinnern und Verlierern zählen werde, gebe es aber keine einfache Antwort. Becker verwies darauf, dass bei milderen Wintern die Straßenreinigung einfacher werde und weniger Heizkosten anfielen. In den Sommern müssten die Menschen nicht mehr nach Mallorca fahren, sondern hätten entsprechend warmes Wetter an der Nord- oder Ostseeküste. DWD-Experte Gerhard Müller-Westermeier verwies auf die Probleme der Landwirtschaft mit zunehmender Trockenheit im Sommer. „In der Summe werden die negativen Effekte überwiegen“, betonte Becker.

Nach den DWD-Analysen, die auf regelmäßigen Aufzeichnungen seit 1901 beruhen, ist die Jahresmitteltemperatur in Deutschland bereits um 0,9 Grad gestiegen. Das Jahrzehnt 1990-1999 war das wärmste im gesamten 20. Jahrhundert. Auch in den ersten sechs Jahren des 21. Jahrhunderts war es erheblich wärmer als im langjährigen Mittel. Elf der letzten 15 Winter waren überdurchschnittlich warm. Das wärmste Jahr war das Jahr 2000 mit einem Mittelwert von 9,9 Grad. Als Ursache nennt der DWD im Wesentlichen die anhaltende Emission von Treibhausgasen.

Eine weitere Tendenz ist laut Müller-Westermeier der leichte Anstieg der Niederschlagsmenge um neun Prozent – vor allem im Frühling. Insofern lag der trockene Frühling 2007 nicht im Trend. Allerdings verändere sich die Form der Niederschläge – mehr Starkniederschläge und weniger der typisch sommerliche Landregen, im Winter zunehmend mehr Regen als Schnee. Früher oder später sei auch mit häufigeren extremen Wetterereignissen zu rechnen wie Gewitter und Hagel.