"BZ"-Kulturpreis

Tanzende Bären für Anna Loos und Dieter Kosslick

Zur Verleihung des 20. "B.Z."-Kulturpreises gaben sich in Berlin viele Prominente die Ehre. Von First Lady Bettina Wulff über Annette Dasch bis Gunter Gabriel: Für die kreativen Köpfe der Hauptstadt rollte die Zeitung den roten Teppich aus.

Vor Gold kommt Bronze – zumindest in Berlin. Bevor in vier Wochen bei der Berlinale wieder goldene Bären überreicht werden, gab es am Donnerstagabend schon mal bärige Bronze-Skulpturen – beim „BZ“-Kulturpreis, mit dem in der Ullstein-Halle des Axel-Springer-Hauses zum 20. Mal Künstler und Kulturschaffende geehrt wurden, die die Hauptstadt bunt machen. Dieter Kosslick zum Beispiel. Der 62-jährige Berlinale-Chef erhielt den Preis in der Kategorie Film. Mit seinem legendären roten Schal um den Hals ging der Mann, der sonst selber die Preise überreicht, seiner Auszeichnung entgegen: „Ich fühle mich wie ein Filmstar. Es ist schön, einmal nicht der Zeremonienmeister zu sein. Ich könnte mich daran gewöhnen.“

Sängerin Anna Loos und ihre Band Silly wurden für das Comeback des Jahres geehrt. „2010 war für uns unglaublich, und jetzt bekommen wir Anfang 2011 auch schon unseren ersten Preis“, freute sich die überglückliche Schauspielerin und Sängern, „dann kann es ja nur ein tolles Jahr werden.“ Die Laudatio hielt ein großer Fan: Bettina Wulff, die Ehefrau des Bundespräsidenten. „Wer die Band wie ich einmal auf der Bühne gesehen hat, spürt, dass Anna Loos und Silly sich gesucht und gefunden haben“, so die First-Lady, die jedem neuen Song entgegenfiebert.

Nicht nur mit Worten und einem Bären, sondern auch mit zwei ihm gewidmeten Liedern wurde Anselm Kiefer von Marianne Faithfull für sein künstlerisches Schaffen geehrt. Der Maler und Bildhauer, dessen Werkschau gerade in der Potsdamer Villa Schöningen zu sehen ist, freute sich über einen gelungenen Überraschungsauftritt seiner Bewunderin. Die Pop-Ikone schwärmte nicht als Einzige von ihm: Kunstmäzen Heiner Pietzsch sagte: „Anselm Kiefer ist einer der bedeutendsten Maler in Deutschland, vor allem in der letzten Zeit. Auch ich habe ein Werk von ihm, auf das ich sehr stolz bin.“ Rechtsanwalt Peter Raue ergänzte: „Anselm Kiefer ist nicht nur einer der größten Künstler Deutschlands, sondern der ganzen Welt.“

Gunter Gabriel ist wieder da

Stolz war auch Preisträger Gunter Gabriel (Kategorie Pop/Rock): „Ich finde, ich habe diesen Preis verdient. Irgendwann muss ich ja auch mal etwas richtig gemacht haben. Obwohl ich 22-mal vorbestraft bin, bekomme ich nun diesen Preis. Das ist ein Zeichen von Liberalität“, erklärte die Country-Legende selbstbewusst. Bescheidener gab sich Sopranistin Annette Dasch (Kategorie Oper). Die 34-Jährige, die auf den großen internationalen Bühnen und bei den Festspielen in Salzburg und Bayreuth zu Hause ist, war sehr aufgeregt: „Eine Preisverleihung ist etwas völlig anderes. Hier bin ich als Person, auf der Bühne kann ich mich hinter meinen Figuren verstecken.“

Rechtsanwalt und Schriftsteller Ferdinand von Schirach bekam die 30 Zentimeter große Trophäe in Form eines tanzenden Bären in der Kategorie Literatur.

Laudator Christian Berkel lobte: „Ich bin extrem fasziniert von seinen Büchern. Es ist starke Literatur mit ganz genauen Figurenzeichnungen. Ich habe gehört, dass die Filmrechte schon verkauft wurden und hoffe, dass ich angefragt werde. Da würde ich nicht ‚nein' sagen.“ Der Geehrte schwärmte unterdessen von Berlin: „Berlin, so sagt man, ist die Stadt der Freiheit. Und genau die Freiheit braucht es auch, um kreativ zu sein.“

Das runde Jubiläum des „BZ-Kulturpreises“ nahmen die Veranstalter zum Anlass, den Kulturbegriff etwas zu erweitern. „Kultur ist auch soziales Miteinander“, sagte „BZ“-Chefredakteur Peter Huth. Deshalb wurden erstmals in der Geschichte des renommierten Kulturpreises Berliner Ehrenamtliche mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Charity-Lady Begum Aga Khan betrat als letzte Laudatorin die Bühne, um die mit Spannung erwarteten Ergebnisse des Leser-Votings im Internet bekannt zu geben: die Suppenküche Lichtenrade e.V. Damit steht der Bronze-Bär für Hochkultur und Hilfsprojekte – und natürlich für Berlin.