Pop-Prinzessin

Doku über Britney Spears: Entmündigt und abgeschirmt

| Lesedauer: 6 Minuten
Oliver Stöwing
Einst Pop-Prinzessin, jetzt unter Vormundschaft: Britney Spears.

Einst Pop-Prinzessin, jetzt unter Vormundschaft: Britney Spears.

Foto: Chris Pizzello / dpa

Popstar Britney Spears steht seit 13 Jahren unter Vormundschaft. Wie kann das sein? Andere Stars solidarisieren sich mit der Sängerin.

Berlin. 
  • Britney Spears ist eine der erfolgreichsten Musikerinnen unserer Zeit
  • In den 2000er Jahren galt sie als Pop-Prinzessin – dann folgte der Absturz. Seit dem Nervenzusammenbruch vor 13 Jahren steht der Popstar unter Vormundschaft
  • Wie kann es sein, dass eine 39-Jährige, die in den letzten 13 Jahren 248 Konzerte gegeben hat und sich mit ihrem Ex-Mann das Sorgerecht für ihre Söhne teilt, nicht über sich selbst bestimmen kann?
  • Die Frage stellen sich nicht nur Fans, sondern mittlerweile auch andere Stars. Sie unterstützen die #FreeBritney-Initiative

Es ist leicht, sich über die jungen Menschen lustig zu machen, die vor Gerichtsgebäuden stehen und auf Transparenten „Free Britney“ fordern, als kämpften sie um einen politischen Gefangenen wie Alexej Nawalny. Dabei geht es doch um Britney Spears, Popsängerin, die in einer Villa in Form eines Pantheons residiert und mit ihrem Freund-Schrägstrich-Fitnesstrainer mal eben im Privatjet nach Hawaii fliegt. Doch nicht alle Gefängnisse haben Gitterstäbe.

Seit einem Nervenzusammenbruch vor 13 Jahren steht Britney Spears unter der Vormundschaft ihres Vaters. Ihre bisherigen Versuche, dagegen juristisch vorzugehen, scheiterten. Mehr zum Thema:Vor Gericht: So kämpft Britney Spears um ihre Freiheit

Britney Spears' bizarre Botschaften

Die „New York Times“-Dokumentation „Framing Britney Spears“, die nun Premiere hatte und bewusst fast ausschließlich von Frauen gedreht wurde, nimmt die Fans ernst. Regisseurin Samantha Stark hält es ebenfalls für möglich, dass hinter Spears’ kryptischen und bizarren Instagram-Postings verschlüsselte Hilfeschreie stecken.

Die Journalistinnen stellten die Frage: Wie kann es sein, dass eine 39-jährige Frau, die in den letzten 13 Jahren 248 Konzerte gegeben hat, fünf Top-drei-Alben veröffentlicht hat und sich mit ihrem Ex-Mann das Sorgerecht über zwei Söhne teilt, nicht über sich selbst und ihr Geld bestimmen kann?

„Das Problem ist, dass immer ein enger Zirkel um sie herum ist, der sie abschirmt“, sagt Stark. Man habe hartnäckig auf formellem und informellem Weg versucht, Kontakt aufzunehmen. „Wir wissen nicht einmal, ob unsere Anfragen sie erreicht haben.“ Dafür gab es Warnungen von Anwaltskanzleien.

Neue Doku: Britney Spears’ Wegbegleiter schweigen

Eine Antwort auf die Kernfrage kann die Doku daher nicht geben. Auch die Menschen, fast ausschließlich Männer, die zu Karrierebeginn die Geschicke des Teeniestars lenkten, blockten ab. Nur eine frühere Mitarbeiterin der Plattenfirma, Kim Kaiman, war bereit, sich zu äußern. Lesen Sie hier: Britney Spears: Warum ihre Fans #freebritney fordern

„Ich war beeindruckt, sie war so willensstark und fokussiert“, erinnert sie sich an die erste Begegnung. Ihr Vater habe dagegen geprahlt, wie reich seine Tochter einmal werden würde. Ihre frühere Assistentin Felicia Culotta gibt sich ratlos: „Ich verstehe nicht, was eine Vormundschaft bedeutet, erst recht nicht bei jemandem in ihrem Alter, der zu so vielen Dingen fähig ist, von denen ich weiß, dass sie dazu fähig ist.“

Die Frauen sind sich einig: Das Vorurteil, Spears sei damals eine Marionette gewesen, ist falsch. Sie wusste schon als Teenie, was sie wollte, entschied mit über Musik und Garderobe. Es sei schwer zu glauben, dass es sich um dieselbe Person gehandelt habe, die sich heute leicht entrückt auf Instagram präsentiert. Trotz ihres Selbstbewusstseins: Spears war damals machtlos gegen das System aus Gier, Skrupellosigkeit und, so sagen es die Filmemacherinnen, Frauenfeindlichkeit. Auch interessant: Paris Hilton und Co.: Warum die Nullerjahre zurückkommen

Ihr Management bedrängte sie, sich marktwertsteigernd als Jungfrau auszugeben. „Wenn es darum geht, eine Frau auszunehmen“, so Journalist Wesley Morris, „steht eine ganze Maschinerie bereit.“

Rechtsstreit um Vormundschaft wird lange andauern

Heute, mit einer durch die #MeToo-Bewegung geschärften Wahrnehmung, wirkt die Zeit um 2000 herum wie eine ferne Epoche: In ihrem ersten Videoclip turnte die damals 16-Jährige in bauchfreier Schulmädchenuniform und mit Zöpfchen über die Flure und sang vieldeutig: „Hit Me Baby One More Time“.

Regisseurin Stark: „Wenn wir uns die Berichterstattung von damals anschauen: Es ist schockierend.“ Spears war 17, als ein mittelalter Talkshowmoderator zu ihr sagte: „Es gibt noch eine Sache, die wir noch nicht diskutiert haben, aber über die jeder spricht: deine Brüste.“

Und alle wollten ein Stück von ihr und mitverdienen. „Wir haben uns gegenseitig gebraucht, es war ein großartiges Verhältnis“, beteuert ein Paparazzo, der von Spears einmal mit einem Regenschirm angegriffen wurde. Zuvor hatte er sie provozierend gefragt, wo denn ihre Kinder steckten – sie kämpfte damals gerade um das Sorgerecht.

Britney Spears knetet Sand

Stark glaubt, dass der Rechtsstreit um ihre Freiheit noch lange andauern wird. „Wir haben die einmalige Situation, dass die Klägerin nicht nur ihre eigenen Anwälte bezahlt, sondern auch die der Gegenseite, ihres Vaters.“ Und alle profitierten davon.

Am Tag nach der Ausstrahlung der Doku postete Spears „kinetischen Sand“ aus dem Kaufhaus, den sie „mindestens zwei Stunden täglich“ knete. „Ich weiß nicht, was das ist, aber es ist das Beste, was ich je gekauft habe“, schreibt sie.

Stars unterstützen #FreeBritney-Initiative

Stars wie Miley Cyrus, Sarah Jessica Parker oder Komikerin Bette Midler haben sich mittlerweile mit Spears solidarisiert. „Wir lieben Britney“, sagte Sängerin Miley Cyrus während ihrer Performance vor dem Super Bowl am Wochenende. Schauspielerin Sarah Jessica Parker und Bette Midler griffen den populären Hashtag #FreeBritney in Postings auf Twitter auf, der von Britney-Fans 2019 ins Leben gerufen wurde.

Auch Britney Spears' Partner Sam Asghari hat sich nun zu Wort gemeldet: „Ich habe immer nur das Beste für meine bessere Hälfte gewollt und werde sie weiterhin dabei unterstützen, ihren Träumen zu folgen und die Zukunft zu schaffen, die sie sich wünscht und verdient“, sagte er dem US-Promimagazin „People“. „Ich bin dankbar für all die Liebe und Unterstützung, die sie von ihren Fans auf der ganzen Welt erhält, und ich freue mich auf eine normale, wunderbare gemeinsame Zukunft.“ Spears und Asghari sind seit 2016 ein Paar.

(mit dpa)

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