Amtseinführung

Amanda Gorman: Ein neuer Stern am amerikanischen Himmel

| Lesedauer: 5 Minuten
Stilwechsel im Weißen Haus

Mit Joe Biden gibt es einen Richtungs- und einen Stilwechsel im Weißen Haus. Das gilt auch für das Team des US-Präsidenten. Biden setzt bei der Pressearbeit auf ein reines Frauenteam.

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Eine junge Poetin wird nach ihrem Auftritt bei der Amtseinführung von Biden zur gefeierten Persönlichkeit. Doch wer ist die 22-Jährige?

  • Nachdem Amanda Gorman ihr Gedicht "The Hill we climb" vorgetragen hatte, erntete sie weltweiten Applaus
  • Ihre Bücher sind innerhalb von 24 Stunden auf die Bestseller-Listen gesprungen
  • Die 22-Jährige hatte eine prominente Fürsprecherin aus dem engsten Kreis des neuen US-Präsidenten

Nicht nur die Sonne schien hell bei der Amtseinführung von Joe Biden am Mittwoch. Auch eine 22-Jährige überstrahlte ein Aufgebot von ehemaligen US-Präsidenten, die Superstars Lady Gaga und Jennifer Lopez, sogar die neue US-Vizepräsidentin Kamala Harris war für einen Moment in die zweite Reihe der Aufmerksamkeit gerückt.

Amanda Gormans Auftritt ist die Verkörperung der amerikanischen Redewendung: A Star is born. Und dabei ist sie Poetin. Eine Tätigkeit, der eigentlich nur in seltenen Fällen Star-Qualitäten zugeschrieben werden.

Es war ihre Sternstunde. Wer ist diese junge Frau, die über den Tag hinaus begeistert und über die weltweit Lobeshymnen erscheinen?

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Amanda Gorman: Barack Obama und Oprah Winfrey sind stolz auf sie

„An einem Tag für die Geschichtsbücher präsentierte Amanda Gorman ein Gedicht, das mehr als nur den Moment traf“, schrieb etwa der frühere US-Präsident Barack Obama auf Twitter. Die Unternehmerin und Moderatorinnen-Ikone Oprah Winfrey schrieb: „Ich war nie stolzer, eine weitere junge Frau aufsteigen zu sehen! Bravo, Bravo!“

In einem gelben Mantel, mit rotem Haarreif stand Gorman auf den Stufen des Kapitol und trug ihr für diesen Anlass verfasstes Gedicht „The Hill We Climb“ (auf Deutsch etwa: Der Hügel, den wir erklimmen) vor. Es handelt von den schweren Zeiten, die die USA durchgestanden haben und noch durchstehen müssen - aber auch von Hoffnung für die Zukunft.

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Die „New York Times“ lobte, dass sie „den Moment festgehalten“ habe. Amanda Gorman ist mit 22 Jahren die jüngste Poetin, die je auf einer amerikanischen Amtseinführung vorgetragen hat. Sie folgte damit auf die weitaus erfahreneren Dichter Maya Angelou und Robert Frost.

Und das obwohl Amanda Gorman als Kind Schwierigkeiten hatte zu sprechen. Sie erzählte dem Sender CNN, dass sie Probleme gehabt habe das englische "r" richtig auszusprechen. Die Aussprache des Buchstaben hat sie damit geübt, dass sie lieder gesungen habe, die möglichst viele "r"-Laute enthielten.

Gormans Gedicht: Eindringlich, gestenreich und pointiert

„The Hill“ – Synonym für das Kapitol – wurde vor zwei Wochen von Trump-Anhängern gestürmt. Gorman erinnerte daran: „We've seen a force that would shatter our nation, rather than share it. Would destroy our country if it meant delaying democracy“, auf Deutsch: „Wir haben eine Kraft gesehen, die unsere Nation zerstören wollte, anstatt sie miteinander zu teilen. Die unser Land zerstören wollte, indem sie die Demokratie aufhalten wollte.“

„Even as we grieved, we grew“ - „Selbst als wir trauerten, wuchsen wir“, trug Gorman weiter eindringlich vor, gestenreich und pointiert: „Wir haben uns nicht darauf vorbereitet gefühlt, die Erben von solch einer erschreckenden Stunde zu sein. Aber mittendrin fanden wir die Kraft, ein neues Kapitel aufzuschlagen, uns selbst Hoffnung und Lachen zu bringen“.

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Jill Biden entdeckte Amanda Gorman für die Amtseinführung

Die „Los Angeles Times“ berichtet, dass Gorman es sich wie die meisten Amerikanerinnen und Amerikaner während der Corona-Pandemie eigentlich zu Hause gemütlich gemacht hatte. In ihrem Fall in einem Ein-Zimmer-Apartment in West-Los Angeles. Sie schaute exzessiv die Sendung „The Great British Baking Show“, als sie eine besondere Nachricht über die Video-Platform Zoom erhielt: Jill Biden, die Ehefrau des neuen amerikanischen Präsidenten, ist ein Fan von Gormans Texten und Vorträgen. Die First Lady hatte Gorman ausgewählt, um auf der Inaugurationsfeier ihres Mannes ein Gedicht vorzutragen.

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Sie kann schon auf eine bemerkenswerte Karriere zurückblicken. Gorman, 1998 in Los Angeles geboren, hat an der Harvard University Soziologie studiert, für die „New York Times“ geschrieben und bereits zwei Bücher veröffentlicht. 2017 wurde sie von der US-Kongressbibliothek mit dem Titel „National Youth Poet Laureate“ geehrt.

Ein dünnes schwarzes Mädchen und die Präsidentschaftskandidatur 2036

Gorman bezeichnet sich selbst als Aktivistin gegen Rassismus, Ungleichheit und für Feminismus. Ihre eigene Rolle, als schwarze, junge Frau, thematisiert sie ebenfalls in dem Gedicht: „Wir sind die Nachfahren in einem Land und einer Zeit, in der ein dünnes schwarzes Mädchen, das von Sklaven abstammt und von einer alleinerziehenden Mutter aufgezogen wurde, davon träumen kann, Präsidentin zu werden, und nun für einen zu rezitieren."

Und dass sie auch das ernst meinen könnte, sagte sie bereits vor einiger Zeit. Es sei zwar noch ein bisschen hin, „aber 2036 werde ich für das Amt der Präsidentin der Vereinigten Staaten kandidieren, das könnt ihr euch alle schon mal in euren i-Cloud-Kalender eintragen.“

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