Nachruf

Hannelore Elsner: Die Unbeirrbare, die sich ständig wandelte

Hannelore Elsner zählte zu den gefragtesten deutschen Schauspielerinnen. Dass es so kam, hat sie ihrer Beharrlichkeit zu verdanken.

TV-Star Hannelore Elsner im Alter von 76 Jahren gestorben

TV-Star Hannelore Elsner im Alter von 76 Jahren gestorben

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Berlin. Die deutsche Filmewelt ist geschockt. Gerade noch war Hannelore Elsner in Doris Dörries „Kirschblüten & Dämonen“ zu sehen, der Fortsetzung ihres großen Erfolgs „Kirschblüten – Hanami“, in dem sie bereits gestorben war und nun als Geist wiederkehrte. Da wurde nun am Dienstag bekannt, dass Hannelore Elsner am Ostersonntag nach kurzer, schwerer Krankheit in einem Münchner Krankenhaus gestorben ist. Mit 76 Jahren.

Die Öffentlichkeit hatte davon nichts mitbekommen, wohl auch nichts mitbekommen sollen. So bleibt die Schauspielerin in Erinnerung als eine stets vitale Frau voller Energie, der auch das Alter nichts anhaben konnte. Und die immer beharrlich ihren Weg ging.

Hannelore Elsner schrieb Geschichte

Sie wollte immer zum Film. Unbedingt. Sie hat zwar am Theater angefangen. Und schrieb an den Münchner Kammerspielen Geschichte als erste Nackte auf der Bühne. Aber dann rief 1963 Will Tremper an. Der drehte in Berlin „Die endlose Nacht“, einen Episodenfilm im Flughafen Tempelhof.

Hannelore Elsner sollte ein junges Starlet spielen, das nach oben will. Es war nicht ihre erste Filmrolle – das war 1959, mit 17, „Bei Freddy unter fremden Sternen“ neben Freddy Quinn. Aber, das ahnte, das wusste sie, „Die endlose Nacht“ war der Film, mit dem sie groß herauskommen würde.

Also fuhr sie nach Berlin. Obwohl sie gerade in München ihr erstes festes Theaterengagement bekommen hatte. Das ließ sie sausen. Den Groll nahm sie in Kauf. Aber sie musste den Film machen. Und der hat ihr Glück gebracht. So ist sie denn auch ein Leben lang verfahren.

Elsner ließ sich keinen Stempel aufdrücken

Sie hat immer auf ihren Bauch gehört. Nie auf Agenten – sie hatte gar keine. Es war auch schwer an sie heranzukommen. Aber wenn sie etwas wollte, dann war sie immer da. Dabei hat Hannelore Elsner viele Häutungen absolviert. Der Weggang vom Theater war nur der eine.

Beim Film wurde sie anfangs reduziert auf das „Sexhäschen“, die junge Schöne, die den Männern den Kopf verdrehte. Nicht nur in „Die endlose Nacht“, auch sonst. Sie war 1969 noch einmal die erste Nackte, diesmal im deutschen Fernsehen, im ARD-Film „Christoph Kolumbus oder Die Entdeckung Amerikas“. So was sorgte damals noch für Skandälchen.

Ihr Lebensgefährte erkannte Elsners wahres Potential

Sie spielte sich auch durch die Pauker-Penne-Komödien und ein paar Johannes-Mario-Simmel-Verfilmungen Anfang der 70er Jahre. Aber ihr Potential wurde erst richtig erkannt, als ihr damaliger Lebensgefährte, der Regisseur Alf Brustellin, mit ihr Filme wie „Berlinger“ und „Der Sturz“ drehte und bisher unbekannte Facetten ihres Könnens offenbarte. So trauern Kollegen und Politiker um die Elsner.

So wurde sie zu einem Gesicht auch des Neuen Deutschen Films. Mit Anfang 40, in einem Alter, in dem es (vor allem damals) für Schauspielerinnen immer weniger Rollenangebote gab, hat sie sich dann noch einmal erfunden. Indem sie fürs Fernsehen eine der ersten TV-Ermittlerinnen spielte, in einer Serie, die das denn auch gleich in den Titel schrieb: „Die Kommissarin“.

„Die Unberührbare“ war Elsners großer Triumph

An ihrer Seite ein damals noch aufstrebender junger Mann namens Til Schweiger, verkörperte die Elsner diese Rolle in der immergleichen schwarzen Lederjacke bis 2006 in 66 Folgen. Während andere damals noch die Nase rümpften, mit einer solchen Serien werde man in eine Schublade gesteckt, aus der man nicht mehr rauskomme, hat sie wieder allen gezeigt, dass sie durchaus noch anders kann.

Ihren bis dahin größten Triumph feierte sie im Jahr 2000, nach 15-jähriger Abstinenz, wieder im Kino: In Oskar Roehlers „Die Unberührbare“, wo sie, kaum verschlüsselt, die Mutter Roehlers spielte. Gisela Elsner (mit der sie nicht verwandt war) war eine kämpferische Schriftstellerin, die für ihre Kunst und ihre Süchte lebte, aber darüber ihr Kind und ihre Familie komplett vernachlässigte.

Eigentlich ein Monster, das Hannelore Elsner aber mit einer solchen Aura umgab, das man bis zu deren selbstgewählten Tod mit dieser Figur fieberte. Damit gewann die Elsner nicht nur einen Deutschen Filmpreis als beste Schauspielerin, mit 58 Jahren bekam ihre Karriere noch mal einen ungeahnten Schub.

Porträt: Hannelore Elsner – Wie die Diva zum Kritikerliebling wurde

Hannelore Elsner wurde zur Allzweckwaffe des deutschen Films

Ob dramatisch in Oliver Hirschbiegels „Mein letzter Film“ (2009) oder saukomisch in Dani Levys „Alles auf Zucker!“ (2004), ob als Bushidos Mutter in „Zeiten ändern sich“ oder wiederum als unwürdige Mutter in Doris Dörries „Alles inklusive“: Hannelore Elsner wurde eine der gefragtesten Schauspielerinnen, ja zu einer Allzweckwaffe des deutschen Films.

Vor acht Jahren hat sie dann ihre Memoiren geschrieben. Dabei erzählte sie nie gern von sich. Ging auch nie gern in Talkshows. Aber sie fühlte sich immer angegriffen, immer unverstanden. Und von der Presse falsch dargestellt.

Nur einmal ließ Elsner in ihr Leben blicken

„Im Überschwang“ wurde ein Buch, von dem sie nicht wusste, ob es die Wahrheit ist. Aber es sei ihre Wahrheit, hat sie uns damals gestanden. Und es ging darin wenig um ihre Rollen, wenig um ihre großen Erfolge. Sondern um die eher unbekannten Seiten. Als sie noch „die Hanni“ war.

Ein Mädchen mit vorstehenden Eckzähnen, das sich als hässliches Entlein fühlte. Und von einem Internat ins andere musste. Sie erzählte aber auch recht offen von ihren Partnern, von Alf Brustellin und Bernd Eichinger. Und von Dieter Wedel, der aber nur „Der Andere“ genannt wurde, und auch nie erwähnt worden wäre, wenn er nicht der Vater ihres vergötterten Sohnes Dominik gewesen wäre.

In dem Buch hat die Schauspielerin einmal in ihr Leben blicken lassen. Das hat sie sonst gezielt vermieden. Hannelore Elsner bleibt in Erinnerung durch ihre vielen Filme und ihre oft beeindruckenden Leistungen. Sie hat uns begleitet über so viele Jahre hinweg. Sie war uns ein vertrautes Gesicht. Der Mensch dahinter aber ist noch immer eine Fremde, eine große Unbekannte.

(Peter Zander)