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Minirock und Kniestrümpfe – so stand sie da, 1968, die junge , mit dem Mikrofon in der Hand. Treuer konnte man nicht gucken, aber ihr Oh-là-là in der Stimme weckte die Fantasie und wirkte wie eine Sauerstofftherapie. Jetzt erlag die französische Sängerin im Alter von 70 Jahren in Paris einem Krebsleiden, wie ihre Sprecherin mitteilte.

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Gall habe zwei Jahre im Stillen und mit Würde gegen die Krankheit gekämpft. Nach einer Infektion sei sie im Dezember ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Serge Gainsbourg textete für France Gall

France Gall bei einem Auftritt in der ZDF Hitparade im Jahr 1970.
France Gall bei einem Auftritt in der ZDF Hitparade im Jahr 1970.© ddp images/United Archives | 90060/KPA


Schon mit 15 Jahren begann sie zu singen. Ihr Vater, Robert Gall, schrieb Liedtexte für den Chansonnier Charles Aznavour und unterstützte früh seine Tochter. Zu Beginn textete er auch für sie. Dann lernte sie Serge Gainsbourg kennen, das „Enfant terrible“ der Chanson-Szene, der in ihr das Bild der verführerischen jungen Frau sah.

Gainsbourg, der in Frankreich immer noch Kultstatus hat, schrieb für sie Songs voller erotischer Anspielungen. Darunter war „Poupée de cire, poupée de son“, mit dem sie 1965 für Luxemburg den Grand Prix Eurovision de la Chanson gewann, heute Eurovision Song Contest. In Deutschland hieß der Song „Das war eine schöne Party“ – biederer ging es nicht.

Erotik, die irgendwie moralisch wirkte

Zwischen 1966 und 1972 sang Gall auch auf Deutsch. Da war es völlig egal, dass sie oft herzergreifend schief intonierte – die Nation war begeistert. „Zwei Apfelsinen im Haar und an den Hüften Bananen“ – wer so etwas singen konnte, ohne dass es zum ordinären Gassenhauer wurde, hatte gewonnen. Gall besetzte eine neue Marke: braves Schulmädchen, das flügge wird.

„Ich liebe dich, so wie du bist“, „Kilimandscharo“, so hießen ihre Lieder, mit denen sie die Hitparade stürmte. Egal, was sie sang, es war rührend lieb, obwohl sie immer auf der Suche nach den Männern war. „Ein bisschen Goethe, ein bisschen Bonaparte – so soll der Mann aussehen, auf den ich warte.“ Galls Texte waren fast immer anspielungsreich, eindeutig zweideutig, frivol und doch so berührend beiläufig. Eine Erotik, die irgendwie moralisch wirkte.

Gall zog sich jahrelang zurück

Ihre größten Erfolge feierte sie mit Liedern, die Michel Berger für sie geschrieben hat, den sie 1976 heiratete – darunter „Tout pour la musique“ und das berühmte „Ella, elle l’a“, das sich in Deutschland 1988 vier Wochen lang auf Platz eins halten konnte. Gall und Berger galten als Traumpaar. Berger starb 1992 im Alter von nur 44 Jahren. Das Schicksal sollte noch einmal zuschlagen: Fünf Jahre nach Bergers Tod starb Tochter Pauline mit nur 19 Jahren. Die junge Frau litt unter der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose.

Von den schmerzlichen Erlebnissen erholte sich Gall nur schwer. Sie zog sich jahrelang komplett aus dem Showgeschäft zurück. Doch dann war sie plötzlich wieder da. Das Leben mache ihr keine Angst mehr, sagte sie, als sie 2015 mit einem Musical noch einmal ins Rampenlicht trat. Der Erfolg von „Résiste“ ließ die Sängerin wieder an die Zukunft glauben. Es erzählt vordergründig die Geschichte eines Diskotheken-Chefs, doch es ging um mehr. Gall war die Erzählerin und Sängerin, die mit ihrer jetzt fast kehligen Stimme von der Notwendigkeit des Widerstands gegen die egoistische Welt ankämpfte – und ankam.

Nicht nur Frankreichs Fans werden sie vermissen.