Jenseits

Heino Ferch: „Ich glaube, dass irgendetwas weitergeht“

Heino Ferch leiht im Animationsfilm „Coco“ einem Mann im Jenseits seine Stimme. Ein Gespräch über den Tod und diesseitige Leidenschaft.

Jetzt singt er wieder: Schauspieler Heino Ferch ist derzeit im Kino als größter Musiker von Mexiko zu hören.

Jetzt singt er wieder: Schauspieler Heino Ferch ist derzeit im Kino als größter Musiker von Mexiko zu hören.

Foto: Reto Klar

Berlin.  Gerade hat Heino Ferch für seine höchst unterschiedlichen Rollen in „Allmen“ und „Spur des Bösen“ den mittlerweile dritten Bambi gewonnen: Luxus-Dandy hier, Psychologe dort. Und nun kann er 20 Jahre nach „Comedian Harmonists“ wieder sein Gesangstalent unter Beweis stellen: In dem neuen Disney-Pixar-Animationsfilm „Coco“ (aktuell im Kino) ist der 54-Jährige die Stimme von Ernesto de la Cruz, dem seinerzeit größten Sänger Mexikos, der nun im Jenseits Partys schmeißt.

Singen Sie für „Coco“ eigentlich das erste Mal seit den „Comedian Harmonists“?

Heino Ferch: Nee, zwischendurch habe ich mit Sherry Hormann einen Film gemacht, der „Widows“ hieß, da habe ich einen Rockstar gespielt und auf der Bühne gesungen. Aber ansonsten gab es leider noch nicht so oft die Gelegenheit.

Singen Sie denn auch zu Hause?

Ferch: Selten. Ich singe mehr im Auto, wenn irgendetwas läuft, was mir das Herz hüpfen lässt.

Ihre Figur Ernesto hat das Motto „Nutze deinen Augenblick“. Ist das auch Ihr Motto?

Ferch: Ich denke, das ist ein Teil des Lebens. Wenn man Leute fragt, die Erfolg haben, gibt es immer Momente, die sich einem bieten, wo sich der Weg gabelt. Sehr begabte Menschen, die dann auch sehr weit kommen, haben das Talent, diese Situationen zu erkennen und zu nutzen. Die packen zu und investieren. Man weiß nie, was dabei herauskommt. Den Moment gibt es ganz sicher für jeden im Leben, einfach oder mehrfach. Ihn zu erkennen, ist die große Kunst. Das merke ich jetzt auch bei meiner großen Tochter, die bald Abitur macht. Das ist auf jeden Fall ein großes Thema: Nutze den Augenblick, mache, wofür dein Herz schlägt, mache, was deine Leidenschaft ist, wenn du denn eine hast. Alle Eltern sind froh, wenn ihre Kinder Leidenschaften entwickeln. Da muss man nur schauen, dass die Balance stimmt, dass man das fördern kann. Wo Leidenschaften sind, ist immer ein großes Glück.

Bei allem Glück – haben Sie auch schon mal völlig danebengelegen mit einer Entscheidung?

Ferch: Ja, das ist mir auch schon passiert – bei einem Filmprojekt. Dafür gab es aber andere Gründe: Das wollte ich unbedingt, habe es mir in den Kopf gesetzt – und als ich soweit war, wollte ich wieder zurück. Ging aber nicht. Aber das sind Erfahrungen.

Zu viel wollen bringt oft nichts.

Ferch: Absolut. Das ist wie mit vielen Sachen im Leben. Etwas unbedingt wollen ist zu verkrampft, das klappt selten.

Glauben Sie eigentlich an ein Leben nach dem Tod?

Ferch: Ich glaube nicht, dass die Klappe runterfällt und dann alles schwarz ist. Ich weiß aber nicht, ob man sich zurückbesinnt. Vielleicht erinnere ich mich auch an das Leben vor dem Leben, das ich führe, aber vielleicht ist es nur eine Erinnerung, die ich mit meinem Leben vermische. Ich bin jetzt nicht so ein esoterisch angehauchter Mensch, aber ein bisschen abergläubisch bin ich schon und glaube an Energien. Ich glaube, dass irgendetwas weitergeht.

So bunt und heiter wie in „Coco“?

Ferch: Ich finde, es ist ein mutiger, toller Film. Ein großer Schritt, um mit seinen Kindern oder insgesamt über das Thema Tod, was gern tabuisiert wird, zu sprechen. Es ist ein ganz tolles Angebot, in einem Familienfilm vor Weihnachten zu sagen: „Hey, denkt an die, die euch lieben und die ihr mal geliebt habt. Wenn ihr an die denkt, geht es ihnen, dort wo sie jetzt sind, auch gut.“ In Mexiko ist ja beim „Dia de los Muertos“, dem Tag der Toten, richtig Party. Das finde ich unheimlich gelungen, mit so viel Witz und Humor.

Welche Wünsche haben Sie an die Zukunft?

Ferch: Dass das Thema Tod im wahren Leben nicht so oft vorkommt. Ich wohne auf einem Hof mit vielen Tieren, da hat man mit Kindern ab und zu diese Situation, zum Beispiel dieses Jahr im Frühling die Ziege. Da hat man gute, wenn auch traurige Gelegenheiten, um zu sagen: „Es ist so, wir gehen hin, schauen uns das an und sagen Tschüss.“ So ist das ein Teil von dem, was ein Ganzes wird.

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