Leidenschaft

Star-Geiger David Garrett: „Musik kann mir keiner wegnehmen“

Geiger David Garrett über sein neues Album, die Sehnsucht nach Freizeit und was er aus dem Skandal um seine Ex-Freundin gelernt hat.

Foto: imago stock / imago/Michael Schick

Essen.  2016 war nicht das Jahr von David Garrett (37). Deutschlands populärster Geiger musste sich mit gänzlich unmusikalischen Schlagzeilen herumschlagen. Seine Ex-Freundin Ashley Youdan (29) verklagte ihn wegen Körperverletzung, Garrett reagierte mit einer Gegenklage, der Fall wurde in den USA inzwischen eingestellt. Zeit für den Starvirtuosen, sich endlich wieder auf die Musik zu konzentrieren. „Rock Revolution“ heißt das neue Album, das nun erschienen ist. Er spielt darauf Stücke wie „Born In The USA“ von Bruce Springsteen und „Purple Rain“ von Prince. Steffen Rüth traf David Garrett zum Interview.

Herr Garrett, ist Ihr Sixpack auf dem Cover von „Rock Revolution“ echt? Oder haben Sie mit Photo­shop gearbeitet?

David Garrett: Alles echt. Im Sommer habe ich die Zeit genutzt, um ein bisschen mehr Sport als sonst zu machen, und das habe ich getan. Ich hatte sechs Wochen kein Konzert, die Reiserei fiel weg, entsprechend war ich fast jeden Tag im Fitnessstudio.

Sie spielen auf Ihrem Album auch „Born In The USA“. Bruce Springsteen ist mit 68 Jahren fit wie ein Turnschuh. Ist er ein Vorbild?

Garrett: Ja. Springsteen ist großartig, in jeder Hinsicht. Er kennt sich selbst, seinen Körper und auch seine Leistungsgrenzen sehr gut, sonst kannst du das in dem Alter so nicht machen.

37 Jahre ist noch jung, andererseits sind Sie schon Ihr Leben lang Profi-Geiger. Wie frisch fühlen Sie sich?

Garrett: Ich fühle mich noch sehr fit, mir macht das alles sehr viel Spaß. Ich habe zum Glück auch überhaupt keine Zeit, um über das Älterwerden nachzudenken. Sicher wird irgendwann eine Phase kommen, in der man kürzertritt, was die Arbeit angeht, wo man vielleicht auch die Prioritäten etwas verschiebt. Das ist bei mir im Moment noch nicht der Fall. Wenn es so weit ist, dann freue ich mich auch auf diese Zeit.

In welche Richtung möchten Sie die Prioritäten verschieben?

Garrett: Dass man vielleicht irgendwann mal eine Familie gründet und ein bisschen sesshafter wird. Dass man auch das Pensum an Konzerten etwas runterfährt und sich vielleicht auch einmal die Städte anguckt, in denen man schon so oft gewesen ist, aber die man eigentlich nie gesehen hat. Dass man sagt: weniger Arbeit und mehr Genuss.

Wann werden Sie damit anfangen, das Leben mehr zu genießen?

Garrett: Ich merke das jetzt in Ansätzen. Aber sicherlich in zehn, 20 Jahren.

Das kann ich mir gerade nicht vorstellen.

Garrett: So eine gewisse, kleine Sehnsucht nach mehr Freizeit ist schon da. Die Lust darauf wird immer größer. Im Moment noch nicht, aber ich bereite mich schon auf mehr Muße vor.

Wie wirkt mit einem Jahr Abstand der Prozess um Ihre Ex-Partnerin nach, mit dem Sie sich 2016 beschäftigen mussten? Hat Sie die Geige aus diesem Tief geholt?

Garrett: Die Musik ist etwas ganz Selbstverständliches für mich, wie Atmen. Aus der Musik ziehe ich Energie, und egal, ob man im Leben eine schöne oder auch eine schwierige Situation hat – Musik ist immer für mich da. Sie ist sehr wichtig für mich, und natürlich hat sie geholfen. Egal, was passiert – die Musik kann mir keiner wegnehmen.

Sie sagen immer „Leben ist lernen“. Was haben Sie aus den Geschehnissen gelernt?

Garrett: Tja, was habe ich daraus gelernt? Mit Sicherheit ein Stück weit das Privatleben noch mehr zu schützen. Ich habe sicherlich einiges, auch in den Medien, sehr offen gelebt. Und da hätte wohl eher der Punkt kommen müssen, an dem man sagt: Das ist privat.

Sie haben 2016 zwei sehr ausführliche und teils pikante Interviews dazu gegeben. Würden Sie das noch mal so machen?

Garrett: Ich habe alles so gemacht, wie ich das auch im Nachhinein für richtig halte. Alles, was ich wirklich zu dem Thema sagen kann, ist: Der Fall ist abgeschlossen. Das Gerichtsverfahren gibt es nicht mehr. Und mehr will ich jetzt auch gar nicht mehr sagen. Das können Sie ja bestimmt nachvollziehen.

Also ist der gute Ruf noch – oder wieder – intakt?

Garrett: Ich finde, ich habe immer einen guten Ruf gehabt. Und ich hoffe, dass das auch immer so bleiben wird.

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