Porträt

Jack Nicholson – das fiese Haifischgrinsen wird 80 Jahre alt

| Lesedauer: 4 Minuten
Dirk Hautkapp

Foto: imago stock&people / imago/United Archives

Er spielte Playboys und Psychopathen. Der private Jack Nicholson bleibt aber ein Rätsel. Am Samstag wird der Schauspieler 80 Jahre alt.

Washington.  Gute Schauspieler gibt es reichlich. Aber nur wenige, bei denen sich das Publikum vor Freude oder Furcht beinahe in die Hose macht, wenn sie die Gipfel ihrer Kunst erklimmen. Menschen, die sich in ihre Rollen nicht mühsam hineindisziplinieren müssen, sondern sie wie beiläufig verschlingen. Ausnahmekönner, deren Selbstgewissheit auf der Leinwand alles niederwalzt, was sich ihnen in den Weg spielt. Exemplare, bei denen man nie genau weiß, wann die lauernde Gewalttätigkeit mit der Axt durch die Tür will. All das und noch viel mehr ist Jack Nicholson.

Jede hochgezogene Augenbraue ein Ausrufezeichen. Jedes gut gelaunt-grausame Grinsen ein Blick in den Haifischrachen voller Zähne. Drei Oscars, zwölf Nominierungen. Hollywoods unerreichbar erfolgreichster Mime wird am Samstag 80 Jahre alt. Und man fragt sich fast: Erst?

Nicholson fing als Bürobote an

Was vielleicht daran liegt, dass der 1937 in New York City geborene und nebenan bei Oma Ethel in Neptune/New Jersey aufgewachsene Sohn einer irischstämmigen Tänzerin, die er bis zu ihrem Tod für seine Schwester halten musste, seit über einem halben Jahrhundert untrennbar zu Hollywood gehört wie der brüllende Löwe von MGM. Dort übrigens fing Jack Nicholson 1955 an. Als Bürobote in der Trickfilmabteilung. Bevor man in ihm den Lieferanten großer Kunst entdeckte.

Seine Rollen überragen mindestens zwei Generationen Kinogeschichte: Als verkracht bekiffter Rechtsanwalt George Hanson 1969 in „Easy Rider“. Als Bobby Dupea ein Jahr später in „Ein Mann sucht sich selbst“. Als Jake Gittes 1974 in „Chinatown“. Als Randle Patrick McMurphy 1975 in „Einer flog übers Kuckucksnest“. Als Jack Torrance 1980 in „Shining“. Als Garrett Breedlove 1983 in „Zeit der Zärtlichkeit“. Als Charlie Partanna 1985 in „Die Ehre der Prizzis“. Als Joker 1989 in „Batman“. Als Colonel Nathan Jessup 1992 in „Eine Frage der Ehre“. Als Melvin Udall 1997 in „Besser geht’s nicht“. Schließlich als schmierlappiger Mafia-Capo Frank Costello 2006 in Martin Scorseses „Departed“.

Davor und dazwischen jede Menge Arbeiten, in denen Nicholson der Erkenntnis huldigte, dass ein intelligenter Zeitgenosse der Gesellschaft heutzutage vor allem eines schuldig ist: einen Tritt in den Hintern.

Schauspieler ließ die Hosen runter

Nicholson trat gerne zu und oft. Und manchmal, wie 1999 bei der Verleihung des Golden Globe für sein Lebenswerk, ließ er dabei sogar vor Publikum die Hosen herunter. Warum? Weil er es sich erlauben konnte. Im Privaten verordnete sich Nicholson von außen betrachtet ein Leben, das der Wucht seiner Leinwandperson in wenig nachstand.

Einer einzigen bereits vor 50 Jahren geschiedenen Ehe (mit Sandra Knight) stehen mehrere feste Beziehungen gegenüber, aus denen fünf Kinder von vier verschiedenen Müttern hervorgingen. Nicht zu reden von einer angeblich vierstelligen Zahl von Affären. Erst durch Nicholson wurden zur Monogamie unfähige Männer dazu verführt, ihre Schürzenjagd als Ausdruck von Vitalität umzudeuten.

Rolle in US-Remake von „Toni Erdmann“?

Ansonsten weiß man nicht wirklich viel. Er sammelt teure Kunst, liebt Bücher, die Basketballer der Los Angeles Lakers, sein Haus am Mulholland Drive in Los Angeles, das er zu Spritztouren gerne im Mercedes 600 mit „Mr. Fabulous“, einem Neufundland-Retriever, auf dem Beifahrersitz verließ, Skifahren in Aspen, Golf und guten Wein.

Wie Jack Nicholson aber wirklich tickt, das hat der Mann, der Killer, Playboys, Kleinkriminelle, Trinker, Irre, Detektive, Militärs und verliebte Frühsenioren gespielt hat, dem Publikum bis heute hinter bleckenden Zähnen und schwarzen Ray-Ban-Brillen erfolgreich verborgen. „Die Leute“, sagt er, „sollen nicht mal auf den Gedanken kommen, sie wüssten, wer ich bin.“

Das wird sich wohl auch dann nicht ändern, wenn Nicholson nach siebenjähriger Pause in diesem Jahr wieder vor die Kamera treten sollte. In einer US-Version der deutschen Wunder-Komödie „Toni Erdmann“ von Maren Ade könnte Old Jack die Rolle von Peter Simonischek übernehmen, schreiben die Film-Gazetten. Die Vorstellung, mit Perücke und Fake-Gebiss den Sonderling zu geben, soll Nicholson sehr gefallen haben. „Tony Earthman?“ Wer, wenn nicht Jack Nicholson.

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