Abschied

Diekmann blickt auf 30 Jahre Karriere bei Springer zurück

30 Jahre lang diente Kai Diekmann dem Medienhaus Axel Springer. Ein Rückblick auf die einzigartige Karriere des „Bild“-Herausgebers.

Noch bis zum 31. Januar bleibt Kai Diekmann Herausgeber der „Bild“-Gruppe im Medienhaus Axel Springer.

Noch bis zum 31. Januar bleibt Kai Diekmann Herausgeber der „Bild“-Gruppe im Medienhaus Axel Springer.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Berlin.  Kurz vor dem Abschied vom Jahr 2016 wurde ein weiterer Abschied bekannt. Der Herausgeber der „Bild“-Gruppe Kai Diekmann verlässt das Medienhaus Axel Springer. „Es war mir eine Ehre!“, twitterte Kai Diekmann am Freitagvormittag. Der 52-Jährige wird mit Wirkung zum 31. Januar 2017 seine Tätigkeit auf eigenen Wunsch beenden und aus dem Verlag ausscheiden, wie Springer am Freitag in Berlin mitteilte.

Keine leichte Entscheidung für einen, der 30 Jahre lang bei Springer zu Hause war und auf „eine einzigartige Karriere“ zurückblickt, wie Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner sagte.

Schon als Volontär bei Springer

Diekmann startete seine Karriere nach abgebrochenem Studium 1985 beim Axel-Springer-Verlag. Er absolvierte ein Volontariat an der Journalistenschule Axel Springer, war danach Parlamentskorrespondent für „Bild“ und „Bild am Sonntag“ in Bonn. 1989 wurde er „Bunte“-Chefreporter, 1991 stellvertretender Chefredakteur der Berliner „B.Z.“. Im selben Jahre wurde er stellvertretender Chefredakteur und Politikchef von „Bild“.

1998 trat Diekmann den Posten als Chefredakteur der „Welt am Sonntag“ an. Im Januar 2001 wurde er „Bild“-Chef und gleichzeitig Herausgeber von „Bild“ und „Bild am Sonntag“. Seit 2008 ist Diekmann Gesamtherausgeber der „Bild“-Gruppe.

15 Jahre lang „Bild“-Chefredakteur

In 16 Jahren an der Redaktionsspitze sei es Diekmann gelungen, die Zeitung „inhaltlich und strukturell stets weiterzuentwickeln und ihr damit eine kraftvolle publizistische Stimme zu verleihen“, betonte Döpfner in der Springer-Mitteilung. Ende 2015 gab er die Funktion des „Bild“-Chefredakteurs ab. Er übernahm als Herausgeber unter anderem die Führung der Chefredakteure und die Weiterentwicklung der „Bild“-Marken.

Solange wie keiner seiner Vorgänger machte Diekmann als Chefredakteur der „Bild“-Zeitung Schlagzeilen – unter seiner Leitung titelte das Blatt „Wir sind Papst“ und alarmierte mit dem Bericht „Feuerameisen überfallen Europa“. Unter Diekmann stellte „Bild“ auch Internet-Hetzer, die Hass gegen Flüchtlinge schürten, auf einer Doppelseite an den Pranger – mit Fotos und Namen aus den sozialen Netzwerken.

Social-Media-Berichterstattung aus Kalifornien

Diekmann und die „Bild“-Zeitung spielten unter anderem auch eine Rolle beim Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff 2012. Das Boulevardblatt berichtete Ende 2011 über dessen Hauskauf-Finanzierung. Zuvor hatte Wulff auf der Mailbox von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann mit Konsequenzen gedroht, falls die Geschichte erscheint. Diekmanns Blackberry-Handy war später auf einer Ausstellung in Leipzig zu bewundern.

Mit seiner Frau, der Journalistin und Buchautorin Katja Kessler (47), und den vier Kindern ging er im Herbst 2012 für fast ein Jahr nach Kalifornien. Von dort kommunizierte Diekmann über die sozialen Medien mit dem Rest der Welt über die neuesten Trends im Silicon Valley. Nach dem Trip hatte er dann lange Zeit ein haariges Markenzeichen: Der Vollbart, der entfernt an Karl Marx erinnerte, wurde erst viele Monate nach seiner Rückkehr nach Deutschland für einen guten Zweck abrasiert.

Niederlage beim Tischtennis gegen Günter Wallraff

Diekmann nahm auch an einer „Ice Bucket Challenge“ (Eiseimer-Herausforderung) teil, um auf die unheilbare Nervenkrankheit ALS aufmerksam zu machen – und schüttete sich kaltes Wasser über den Kopf. Für eine Crowdfunding-Aktion ließ er sich von dem alten Springer-Kritiker und Undercover-Reporter Günter Wallraff beim Tischtennis in 23 Minuten von der Platte fegen. Das war im Mai dieses Jahres.

Der mit seiner Familie in Potsdam lebende Diekmann will sich künftig anderen Aufgaben außerhalb des Springer-Unternehmens widmen. (dpa)