Kriminalität

Warum so viele Promi-Kinder auf die schiefe Bahn geraten

Drogen-Delikte, Entzug, Gefängnisstrafe – viele Kinder großer Stars gleiten in die Schwerkriminalität ab. Ein Psychologe weiß, warum.

Schauspielerin Uschi Glas mit ihrem Sohn Ben Tewaag bei einer Bambi-Verleihung. In den Jahren 2009/2010 saß Tewaag eine Haftstrafe im Gefängnis ab.

Schauspielerin Uschi Glas mit ihrem Sohn Ben Tewaag bei einer Bambi-Verleihung. In den Jahren 2009/2010 saß Tewaag eine Haftstrafe im Gefängnis ab.

Foto: imago stock&people / imago/Sven Simon

Berlin.  Das erste Foto, das Cameron Douglas von sich in den sozialen Medien veröffentlichte, ist in seiner Direktheit unmissverständlich. Es zeigt den 37-Jährigen mit stolzem Blick und freiem volltätowierten Oberkörper. Auf seinem Bauch prangen zwei weltberühmte Gesichter – die seines Vaters Michael Douglas (71) und seines Großvaters Kirk Douglas (99). Darüber der Schriftzug „Take The Long Way Home“ (engl. „Nimm den langen Weg nach Hause“). Cameron Douglas wurde gerade nach sieben Jahren aus einem US-Gefängnis entlassen. Die Tätowierungen wirken wie ein Hilferuf.

Die Hollywood-Berühmtheiten und ihre bösen Kinder: Ein Richter schickte Cameron Douglas 2010 erst für fünf Jahre, dann für drei weitere hinter Gitter. Eigentlich sollte Douglas bis 2018 im Gefängnis bleiben, kam laut des US-Magazins „Page Six“ aber jetzt schon frei, lebt nun in einer Art Übergangshaus des offenen Strafvollzugs.

Schwieriges Verhältnis: Uschi Glas und Sohn Ben Tewaag

Eine ähnlich traurige Karriere in Deutschland legte der Sohn von Schauspielerin Uschi Glas (72), Ben Tewaag (40), hin. In den Jahren 2009/2010 war er für 18 Monate inhaftiert. Als Tewaag vor Kurzem gegen seine Mutter Uschi Glas pöbelte, schwieg diese zu seinem Schutz. „Sie ist sehr traurig und überlegt, wie sie ihm helfen kann“, sagte ein Insider.

Worte, die nicht ausdrücken können, wie Glas seit Jahren um ihr ältestes Kind und ihr eigenes Ansehen ringt. Spätestens seit ihrem Filmhit „Zur Sache, Schätzchen“ aus dem Jahre 1968 gilt die Schauspielerin als Nationalheiligtum. Eine feste Größe des deutschen Films, die sicherlich wenig glücklich darüber ist, wenn mal wieder Fotos von ihrem Sohn in der Presse auftauchen.

Ein bisschen wirkt es, als wolle Tewaag durch sein Tun die saubere Weste seiner Mutter beschmutzen – ein Akt der spätpubertären Rebellion, der nicht ohne Erfolg ist. Ab 2. September soll er laut dem Sender Sat.1 in den Container der Show „Big Brother“ ziehen – angeblich für eine Rekordgage.

Schwerste Zeit in Michael Douglas’ Leben

Auch Michael Douglas bezeichnete das Jahr, als sein Sohn Cameron ins Gefängnis musste, als das schwerste in seinem Leben. „Er war schwerst heroinabhängig.“ Douglas, der sich von Camerons Mutter Diandra Douglas im Jahre 2000 scheiden ließ und für eine der aufwendigsten Scheidungsverfahren Hollywoods sorgte (Kosten 45 Millionen Euro), wirkte stets machtlos, was Sohn Cameron anging. „Er ist high, seitdem er 13 Jahre alt ist“, gab Douglas einmal in einem Interview zu.

Ähnlich ging es Musiker Bob Geldof (64), der seine Tochter Peaches (25) im April 2014 nach einer Überdosis Heroin verlor. „Wenn ich ehrlich bin, hat es ein Teil von mir erwartet“, sagte Geldof nach Peaches Tod. „Man konnte nichts tun.“ Die Frage nach dem eigenen Versagen stellen sich Douglas und Geldof zumindest nicht öffentlich. Anders dagegen Musiker Lionel Richie, der sich jahrelang um seine drogenabhängige Tochter Nicole (34) kümmerte, als sie mit Mitte 20 in Heroin-Entzug gehen musste. „Ich habe damals meine Tour abgesagt und bin mit in die Klinik gegangen“, erzählt Lionel Richie. Heute hat Nicole zwei Kinder und ist glücklich mit Sänger Joel Madden verheiratet.

Viel Glanz, wenig Halt, könnte man pauschal sagen – und fertig ist das Stereotyp des verwöhnten, aber emotional verwahrlosten Kindes, das als junger Erwachsener gelangweilt von sich und der Gesellschaft ist – und dann zu harten Drogen greift. Der Berliner Psychologe Kurt Husemann therapierte schon viele Jugendliche aus sehr privilegierten Familien und erklärt, dass viele dieser Kinder oft die Identität ihrer Eltern kopieren. „Sucht ist der einfachste Weg, sich auf Augenhöhe mit erfolgreichen Menschen fühlen zu können“, sagt Husemann.

Das Kind erlebt seine Eltern als Stars – das schafft Distanz

„Kinder von Stars können sich dem Rummel, der ihre Eltern umgibt, nur schwer entziehen“, sagt Bärbel Merseburger-Sill, die ein Buch über das Starsystem in Hollywood geschrieben hat. Das Kind, so die Expertin, erlebe seine Eltern immer als Star. Hierbei komme es zu einer Distanz zwischen den Stars und ihren Kindern. „Drogen sind dann ein Hilferuf. Nach dem Prinzip: ‚Du bekommst die Aufmerksamkeit – und was ist mit mir?‘.“

Cameron, der Sohn von Michael Douglas, hatte zwischenzeitlich auf seinem Instagram-Profil ein Familienfoto mit seinem Vater, seinem Großvater und seiner Mutter hochgeladen. Die Überschrift: „Manche Familien können alles überleben.“ So kann man das sicherlich auch sehen.