Preisverleihung

Fernsehpreis in Düsseldorf ohne Kameras und Schlipszwang

| Lesedauer: 4 Minuten
Andreas Böhme
Locker, lockerer, Barbara Schöneberger. Sie moderierte gewohnt souverän die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises und erhielt passend auch die Auszeichnung als beste Moderatorin.

Locker, lockerer, Barbara Schöneberger. Sie moderierte gewohnt souverän die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises und erhielt passend auch die Auszeichnung als beste Moderatorin.

Foto: Henning Kaiser / dpa

Vor allem Privatsender schneiden Fernsehpreis gut ab. Barbara Schöneberger bringt es auf den Punkt: „Und keine Sau kann es sehen.“

Düsseldorf.  Für Barbara Schöneberger hat es zumindest einen Vorteil, dass der Fernsehpreis nicht im Fernsehen übertragen wird: „Wir können uns komplett zulöten“, sagt sie gleich zu Beginn des Abends. Nach immer schlechteren Quoten in den vergangenen Jahren wurde in diesem Jahr die Veranstaltung weder live noch zeitversetzt übertragen. Ein Fernsehpreis ohne Fernsehen. Schon ungewöhnlich. „Niemand schaut uns zu“, sagt Schöneberger und lästert: „Sat1 kennt das Gefühl.“

In ungezwungener, fast lockerer Atmosphäre sind in Düsseldorf zum 17. Mal die Deutschen Fernsehpreise verliehen worden. Es gibt keine Bühne, Schöneberger und die Laudatoren stehen im Publikum, die Preisträger kommen mal eben kurz in den Gang zwischen zwei Tischen. Ja, die meisten Frauen tragen lang und Sophia Thomalla einen Hauch von Nichts. Viele Herren haben sogar auf den Smoking verzichtet oder sind ohne Krawatte zum Anzug gekommen. Passend dazu begrüßt man einander schulterklopfend: „Hallo Alter, alles gut bei dir?“ Nicht nur Harald Krassnitzer findet das prima, weil „alles ganz familiär“ ist – sieht man von der langen Schlange der Autogrammjäger ab, die sich draußen vor der Tür drängeln.

Gästeliste ist lang

Denn selbst ohne TV-Übertragung ist die Gästeliste lang, wenn auch mit ein paar Lücken. Jauch und Gottschalk fehlen wie immer in den letzten Jahren, Schmidt und Raab auch und Iris Berben hat kurzfristig abgesagt. Trotzdem gibt es viele bekannte Namen. Markus Lanz kommt spät und sagt: „Schön, dass es das wieder gibt.“ Charly Hübner kommt noch später und findet, der Deutsche Fernsehpreis sei „auf jeden Fall“ noch wichtig. Zwischen all den Altgedienten aber tauchen immer mehr neue Gesichter auf. Das führt am roten Teppich immer wieder zu ratlosen Gesichtern bei einigen Fotografen. „Wen habe ich da jetzt eigentlich fotografiert?“

Knapp drei Stunden später werden sie es meist wissen. Denn die „Neuen“ räumen in vielen Kategorien ab bei der diesjährigen Preisverleihung. Genau wie die Privatsender. Da ist zum Beispiel der „Club der roten Bänder“, eine Krankenhausgeschichte, mit der der Sender Vox für seine Verhältnisse glänzende Quoten erzielte und die zur besten Serie gekürt wurde. Was Hauptdarsteller Damian Hardung (17) „ziemlich geil“ findet. „Unfassbar glücklich“ ist auch Jonas Nay, der für seine Rollen in „Tannbach“ und „Deutschland 83“ den Preis als bester Schauspieler bekommt. Nay ist zwar kein Neuling mehr, aber auch erst 25 und vor fünf Jahren noch Förderpreisträger bei derselben Veranstaltung gewesen.

Ehrenpreis für Günter Wallraff

Dieser Preis geht in diesem Jahr an den jungen Kölner Youtube-Filmer Hubertus Koch für die Internet-Doku „Süchtig nach Jihad“. „Ich mache das deutsche Fernsehen an und kriege das kalte Kotzen“, beginnt er seine Dankesrede, plädiert für mehr „Ernsthaftigkeit“ im Programm, lenkt dann aber ein: „Hätte schlechter laufen können für mich heute Abend.“

Für Barbara Schöneberger, die gekonnt durch das Programm führt, übrigens auch. Denn sie bekommt den Preis für die „Beste Moderation Unterhaltung“. „Eigentlich“, sagt sie, „hatte ich die Hoffnung auf eine Auszeichnung schon aufgegeben. Ich war ja immer nur die, die Preise überreichte.“ Der Zeitpunkt aber, scherzt sie, hätte besser sein können: „Da bekomme ich schon mal einen Preis, und keine Sau kann es sehen.“

Der Ehrenpreis, geht in diesem Jahr an den Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff (73). In seiner Dankesrede mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Er und Lebenswerk? „Da erschrickt man erst mal“, sagt er, „Ich hatte bislang gedacht, ich hätte mich nicht aufs Altenteil gesetzt.“

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