Als Juror bei „The Voice of Germany“ sorgte Sunrise-Avenue-Frontmann Samu Haber mit seinem Charme und seinem radebrechenden Deutsch für kollektive Verliebtheit bei den Zuschauern der Castingshow. Einziger Trost nach seinem Weggang: Der Finne bleibt seinen deutschen Fans zumindest musikalisch erhalten. Neben zahlreichen Festivals in diesem Sommer kommt er mit seiner Band und dem Wonderland Orchestra am 15. März 2016 für ein ganz besonderes Konzert ins Velodrom. Ein Gespräch über eine mögliche Rückkehr zu „The Voice“ und über seine Liebe zu Deutschland.
Berliner Morgenpost: Haben Sie es schon einmal bereut, dass Sie „The Voice of Germany“ verlassen haben?
Samu Haber: Nein, nicht wirklich. Es hat zwei Jahre lang sehr viel Spaß gemacht. Ich liebe die Menschen, mit denen ich dort zusammengearbeitet habe, Rea, die Fantas, Max, Stefanie und alle. Und natürlich liebe ich die Show, aber jetzt war es an der Zeit, neue Herausforderungen zu suchen.
Das Gleiche hat Rea Garvey 2013 auch gesagt und dann ist er nach seinem neuen Album zurückgekehrt. Besteht bei Ihnen auch Hoffnung?
Es war ein sehr warmer Abschied, es ist also nicht unmöglich. Aber gerade gehört das nicht zu meinem Plan. Gerade bin ich mit den Jungs auf Tour und konzentriere mich auf meine Musik. Aber man weiß nie, was in der Zukunft passiert. Man sollte niemals nie sagen. Das wäre dumm.
Wurden Sie denn schon gefragt?
Nein. Die kommende Staffel machen sie jetzt erst mal mit Andreas Bourani. Vielleicht entscheiden sich danach Stefanie oder Rea, dass sie nicht mehr dabei sein möchten, und dann rufen sie mich im nächsten Jahr wieder an.
Fühlen Sie sich auf der Bühne oder in einem TV-Studio mehr zu Hause?
Die Band war meine erste Liebe, und die habe ich in den Jahren bei „The Voice“ auch nicht aufgegeben. Aber mittlerweile ist es genauso meine Leidenschaft, Fernsehen zu machen wie meine Musik mit Sunrise Avenue. Ich liebe es, Nachwuchskünstlern bei ihren ersten Schritten im Musikbusiness zu helfen. Aber ich liebe es auch, Snowboarden zu gehen. Man muss sich im Leben ja glücklicherweise nicht für eine Leidenschaft entscheiden. Ich finde, dass ist sogar sehr wichtig. Wie haben ja nur ein Leben, und da wäre es doch dumm, Nein zu interessanten Dingen zu sagen. Ich bin sehr glücklich, dass ich beides tun kann. Im Sommer widme ich mich aber erst einmal nur der Band, meiner Freizeit und meinen Freunden und meiner Familie.
Warum glauben Sie, war Ihre Sendung „Die Band“ kein Erfolg?
Für mich war es eine sehr schöne Erfahrung. Ich habe die Zeit mit den Musikern in Barcelona sehr genossen. Warum die Zuschauer keine Verbindung zu der Show hatten, müssen Sie sie selber fragen. Ich bin noch immer stolz auf das Konzept und das Ergebnis. Wenn man ein solches Projekt oder ein neues Album beginnt, darf man nicht zuerst an die Quoten oder die Verkaufszahlen denken. Man muss sein Ding machen und Spaß dabei haben. Vielleicht war es ein bisschen zu kompliziert. Mit den Kandidaten von „The Voice“ kann sich jeder ein bisschen identifizieren, weil jeder ein bisschen singen kann. Bei einem Instrument wird das schon schwieriger. Am Tag der ersten Sendung war es außerdem sehr heiß, aber natürlich kann man nicht nur das Wetter verantwortlich machen. Das ist einfach das Leben.
Können Sie sich vorstellen, Sie hätten Ihre Sunrise-Avenue-Kollegen in einer solchen Show kennengelernt?
Ich würde niemals in eine Castingshow gehen.
Sie glauben also selber gar nicht an das Konzept von Castingshows?
Doch, ich habe andere Gründe. Ich glaube, ich hätte in einer solchen Show keine Chance. Das ist einfach nicht mein Ding. Das heißt aber nicht, dass es für jemand anderen nicht das Richtige sein kann. Es gibt ja weltweit genug prominente Beispiele von Künstlern, bei denen das auch geklappt hat.
Gibt es andere Pläne, in Zukunft wieder in Deutschland zu arbeiten?
Nein, gerade steht erst einmal Sunrise Avenue im Fokus. Natürlich werde ich den Gewinner von „Die Band“ weiterhin unterstützen. Es wird eine entspannte zweite Jahreshälfte.
Die deutschen Fernsehzuschauer werden Sie sicher vermissen, wie ist es andersherum?
Wir spielen im Sommer ja ein paar Festivals in Deutschland. Ich bin wirklich sehr gerne hier. Ich finde auch, Finnen und Deutsche sind sich sehr ähnlich. Ich fühle mich hier zu Hause.
Wie steht es mittlerweile um Ihre Deutschkenntnisse?
Wenn es um Musik geht, komme ich zurecht. Aber es ist immer noch sehr mühsam für mich. Mir fehlen sehr viele Wörter. Wenn ich Deutsch spreche, muss ich wirklich jeden Teil meines Gehirns anstrengen. In einem Interview geht dann meine ganze Energie dafür drauf, und ich habe das Gefühl, der Inhalt leidet darunter. Aber es wird besser.
Was haben Sie in den letzten zwei Jahren über Deutschland gelernt?
Ich finde, Deutschland wird immer cooler. Ich will nicht über Politik oder Wirtschaft reden, aber es ist ja offensichtlich, dass es für Deutschland gerade ganz gut läuft. Ich mag, dass es in Deutschland sogar in den kleinsten Städten einen Rockclub gibt. Allerdings sind die Leute dort oft ein wenig zu brav. Es fehlt ein bisschen der Sinn für Rock ‘n‘ Roll. In Deutschland fühlt man sich überall sicher, alles ist sauber, sogar die Autobahntoiletten. Dafür ist das Essen nicht das beste. Aber hey, das wird schon noch.
Was an den Deutschen werden Sie nie verstehen?
Ich verstehe nicht, warum in einer öffentlichen Sauna in Deutschland alle nackt sein müssen. Wenn ich mit meiner Band in einem Hotel bin, und wir ins Spa gehen, ist das oft sehr unangenehm, weil uns die Leute kennen. Wir wurden sogar schon einmal rausgeschmissen, weil wir uns nicht ausziehen wollten. In Finnland geht man nur mit seiner Familie oder mit Freunden nackt in die Sauna. Nicht mit Fremden.
Was ist deutsch an Ihnen?
Natürlich ein Teil meines Blutes, da die Eltern meines Vaters aus Deutschland kommen. Und wie gesagt, ich finde, wir sind uns gar nicht so unähnlich. Deutsche und Finnen sind gut organisiert, ehrlich, aus Ländern im Norden Europas, in denen das Wetter nicht besonders gut ist. Ihr spielt besser Fußball, wir spielen besser Eishockey. Das ist vielleicht schon der größte Unterschied.


