Liebes-Comeback

Bettina und Christian Wulff sagen Scheidung ab

| Lesedauer: 4 Minuten
Alexandra Kilian und Alexander Kohnen

Altbundespräsident Christian Wulff und seine Frau Bettina sind wieder ein Paar. Das bestätigte Wulffs Anwalt. Die beiden hatten sich Anfang 2013 getrennt. Die Scheidung ist damit abgesagt.

Er war allein gekommen. Christian Wulff sah wieder besser aus, ausgeruht, entspannt, das Gesicht von der Sonne gebräunt, nicht so schmal und eingefallen wie noch vor einem Jahr. Er wirkte gut gelaunt, vielleicht sogar glücklich. Und so lächelte er ab und an, als er Montagabend die Laudatio auf Rudolf Seiters hielt, der in der „Mendelssohn-Remise“ mit dem „Estrongo Nachama Preis“ ausgezeichnet wurde.

Wulff sprach in seiner Rede auch von der zweiten Chance. Seiters habe nach seinem Rücktritt als Bundesinnenminister 1993 eine solche bekommen, sei Vizepräsident des Bundestages geworden. Das war politisch gemeint. Und doch könnte Christian Wulff, als er seine Sätze sprach, auch an eine private Angelegenheit gedacht haben – an die zweite Chance, die er und Bettina Wulff nun ihrer Beziehung geben.

Am Mittwoch haben seine Anwälte bestätigt, dass Bettina und Christian Wulff wieder zusammen leben. Mehr Details gaben sie nicht bekannt. Sie verwiesen auf die Privatsphäre der Familie. Die „Bunte“ berichtet, dass beide ihre Ehe fortführen wollen. Dass das „wieder frisch verliebte Paar“ gerade aus einem Urlaub in Verona zurück gekommen sei, wo es die Hochzeit des gemeinsamen Freundes Fabrizio Sepe besucht hat. Und dass die bereits eingereichte Scheidung beim Familiengericht Hannover gestoppt worden sei.

Kennengelernt in Südafrika

Bettina und Christian Wulff hatten sich 2006 auf einer Südafrika-Reise kennengelernt. Er, der noch etwas unscheinbare, damals jedoch so aussichtsreiche CDU-Nachwuchs aus Niedersachsen, dem die damals noch Bettina Körner heißende PR-Managerin mit Oberarm-Tattoo Aufmerksamkeit, manche sagen Glamour, verlieh. 2008 heirateten Wulffs, zwei Jahre später zogen sie nach Bellevue und bekamen ihr erstes gemeinsames Kind, Sohn Linus. Beide hatten bereits Nachwuchs aus vorherigen Ehen in die Beziehung eingebracht, Christian Wulff Tochter Annalena, Bettina Wulff Sohn Leander.

Ihr Traum funktionierte. Bis eineinhalb Jahre später der lange Fall des damaligen Bundespräsidenten folgte. Der mit der Frage nach geschäftlichen Beziehungen zum Unternehmer Egon Geerkens und einem 500.000-Eur0-Kredit auf das Großburgwedeler Haus begann und mit dem Rücktritt von Christian Wulff am 17. Februar 2012 endete. Fast genau ein Jahr danach trennte sich das Paar. Patchwork und Prestige adé.

Wulff: Privatleben besser „dicht“ machen

Bettina Wulff blieb mit ihren Söhnen im gemeinsamen Haus leben. Wulff bezog eine Mietwohnung in Hannover-Waldhausen. Ein „gutes Jahr“ habe sie „gebraucht“, wie Bettina Wulff im Frühjahr 2014 beim „Kölner Treff“ erzählte, bis sie die Trennung verkraftet habe. Sie habe in der Zeit „lange, intensive Gespräche“ mit ihrer besten Freundin geführt. Christian Wulff klagte im ZDF bei Maybritt Illner, wie die „Medienkampagne“ sein Leben zerstört habe. Geläutert präsentierte er sich, erfahren riet er Politikern, ihr Privatleben besser „dicht“ zu machen.

Zwischen Wulffs selbst fiel während ihrer zweieinhalb Jahre dauernden Trennung kein böses Wort. Zumindest nicht offiziell. Trotz „Jenseits des Protokolls“-Buch von Bettina Wulff, oder dem kürzlich erschienenen Resümee ihres Mannes, „Ganz oben ganz unten“. So etwas wie Hass gebe es nicht, hatte Bettina Wulff während des Korruptionsprozesses gegen Christian Wulff im Dezember 2013 gesagt. In dem sie von „meinem Mann“ sprach.

>> Hat die Beziehung noch eine Chance? Das sagt ein Berliner Paartherapeut <<

Auch nach einer langen Trennungszeit sei grundsätzlich eine Vertrautheit zwischen ehemaligen Partnern vorhanden, sagt der Berliner Paartherapeut Wolfgang Krüger. Er gibt der Wiedervereinigung der Wulffs 50 Prozent Chance auf Dauer. „Man kennt sich und hat viele gemeinsame Erfahrungen gesammelt, Krisen überstanden, Kinder großgezogen, im Grunde teilt man eine gemeinsame Welt“, sagt Krüger.

Sowohl Christian als auch Bettina Wulff müssten nun „bemüht sein, dass wieder eine vertrauensvolle Beziehung entsteht“. Jede Trennung beschädige das Vertrauen, vor allem dann, wenn vieles in der Zeitung steht oder in Talkshows behandelt worden sei. „Die Frage ist: Haben beide dazu gelernt?“, sagt Wolfgang Krüger. Können Wulffs ihre Geschichte zu Comeback-Christian und Big-Buße-Bettina drehen? Wolfgang Krüger sagt, es müsse „eine Bereitschaft zur Veränderung geben“. Von beiden. Vielleicht ist es die zweite Chance, von der doch Christian Wulff schon am Montag sprach.

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