Kino

Angelina Jolie stellt in Berlin ihren Film „Unbroken“ vor

US-Filmstar Angelina Jolie präsentiert im Berliner Hotel Hyatt ihren neuen Film „Unbroken“. Ganz allein, ohne ihren Ehemann Brad Pitt. Ihre Kinder sind derweil im Museum.

Foto: Michael Sohn / AP

Nein, Brad ist nicht dabei. Angelina Jolie ist für einen Tag in Berlin, um ihren neuen Film „Unbroken“ vorzustellen. Ohne Premiere am Abend, ohne roten Teppich, wie noch am Dienstag in London. Aber zumindest in einer Pressekonferenz.

Doch wichtiger als alle Fragen über ihren zweiten Spielfilm als Regisseurin ist natürlich die, wo die andere Hälfte von Brangelina, dem prominentesten Paar der Welt, ist. Nun, Brad Pitt, Partner seit neun Jahren und Gatte seit drei Monaten, hat selbst einen neuen Film am Start, das Kriegs-Drama „Herz aus Stahl“.

In deutschen Kinos kommen sich die beiden sogar ein wenig in die Quere. „Unbroken“ startet am 22. Januar, „Herz aus Stahl“ drei Wochen zuvor am Neujahrstag. Die beiden machen sich also Konkurrenz. Und stellen ihre Filme jeweils alleine vor.

Sie sitzt da wie eine Eins

Geladen wird ins Hyatt Hotel. Da schlägt Filmprominenz sonst nur während der Berlinale auf. La Jolie macht also schon mal ein bisschen Festivalstimmung vorab. Vor der Garage des Hyatt finden sich nur wenige Fans ein. Scheint sich nicht herumgesprochen zu haben, wer hier zu Gast ist. Und Madame lässt nur 25 Minuten auf sich warten. Das ist mittlerer Star-Durchschnitt und fällt noch nicht ins Allürenterrain.

Sie kommt, wie so häufig, ganz in schwarz. Mit Rolli und enger Hose. Statt Brad hat sie zwei andere Männer an ihrer Seite. Ihre Hauptdarsteller Jack O’Connell und Miyavi. Die beiden sind nicht zu beneiden. Sie sind nicht Brad. Und für sie interessiert sich kaum jemand auf dieser Pressekonferenz. Alle Fragen richten sich immer nur an „Angelina“. Aber bescheiden setzt sich die Regisseurin nicht zwischen die Darsteller, sondern an die Seite. Was die Presse natürlich nicht davon abhält, nur nach links zu linsen. Während die jungen Männer sich ein wenig flätzen und die Schultern hängen lassen, sitzt Frau Jolie die ganze Zeit wie eine Eins. Kerzengerade. Den Rücken durchgestreckt. Hochkonzentriert.

Viel zu kurz in Berlin

Vor zwei Jahren hat Angelina Jolie sie ihr Spielfilmdebüt „In the Land of Blood and Honey“ auf der Berlinale vorgestellt. Was bedeutet es für sie, in der Stadt zu sein? „Oh, wie Sie wissen, lieben wir die Stadt“, sagt der Star. Ihre Kinder seien zur Stunde gerade „im Dahlem Museum“. Da gibt es mehrere, aber das muss sie nicht wissen. Vielleicht sind sie im Ethnologischen Museum, jedenfalls sollen sie sehr viel Spaß haben. Nur leider, leider hat sie diesmal viel zu wenig Zeit, um selber etwas von der Stadt mitzukriegen. Aber die 39-Jährige hofft, schon bald für länger zurückzukommen. Bei anderen wäre das eine Höflichkeitsfloskel, bei ihr klingt es ehrlich, ja sehnsüchtig.

Hätte sie sich denn vorstellen können, auch ihren zweiten Film auf der Berlinale zu zeigen? Der Kinostart ist ja nur zwei Wochen vor Festivalbeginn. „Bei meinem nächsten Film, den ich mit Brad gemacht habe, kann ich mir das eher vorstellen“, meint sie. Da müssten sie aber noch an ihren Terminkalendern basteln. Bei „Unbroken“ dagegen hätten alle gemeint, er würde besser „in die Season“ passen. Das ist mehrdeutig. Damit kann die Jahres-, die Weihnachtszeit gemeint sein (in den USA startet der Film am 26. Dezember). Aber auch die Oscar-Saison. Wer was gewinnen will im Februar, muss seinen Film jetzt im Kino haben. Auch wenn Angelina Jolie später alle Oscar-Hoffnungen erst mal demütig weit von sich weist.

Ein Vorbild für uns alle

Tatsächlich ist „Unbroken“ so ein Epos, wie es gern mit Oscars bedacht wird. Der Film erzählt eine irre Geschichte. Über den amerikanischen Läufer Louis Zamperini, der 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin dabei war. Der dann im Krieg bei der Luftwaffe war, 1943 über dem Pazifik abgeschossen wurde und 47 Tage auf einem Schlauchboot im offenen Meer überlebte. Um dann von Japanern aufgegriffen und zwei Jahre in einem Kriegsgefangenenlager gequält zu werden.

Später machte er sich stark für eine Versöhnung der ehemaligen Kriegsgegner und traf sich mit seinen einstigen Wärtern. 1998 machte er seinen Traum, bei den Olympischen Spielen in Japan teilzunehmen, wahr. Als Fackelläufer. Mit 81 Jahren. Die besondere Tragik ist, dass Zamperini im Juli dieses Jahres im Alter von 97 Jahren gestorben ist. Die Premiere sollte er nicht mehr erleben. Den Rohschnitt hat er aber noch gesehen. Angelina Jolie hat eng mit ihm zusammengearbeitet. Und, wie sie meint, viel von ihm gelernt. Auch weil er so wunderbar mit Kindern umgehen konnte.

Ein Ehefilm mit dem Ehemann

„Unbroken“ ist erst Jolies zweites Regie-Werk und doch schon ihr zweiter Kriegsfilm. „Mein nächster Film handelt von der Ehe, das ist dann ein anderer Konflikt“, beschwichtigt sie flachsend. Aber gleich wird sie wieder ernst. Sie erklärt das mit ihrem humanitären Engagement. Weil sie wie so viele frustriert über die Lage der Welt sei. Und als Sonderbotschafterin des UN-Flüchlingswerk so vielen Kriegsopfern begegne. „Und wir alle wollen an etwas erinnert werden, das uns Hoffnung gibt.“ wie die Geschichte von Zamperini. Warum sie dennoch Gewalt so explizit ins Bild rückt, ist damit allerdings nicht beantwortet.

Ob ihr nächster Film, der über die Ehe, dann wirklich anders wird oder nicht doch so actionreich wie „Mr. & Mrs. Smith“, bleibt abzuwarten. Die gute Nachricht für alle Brangelina-Fans: Dieser ihr dritter Regie-Film ist bereits abgedreht. Dort sind Brad und Angelina erstmals seit „Mr. & Mrs. Smith“, dem Film, bei dem sie sich kennen lernten, wieder gemeinsam in einem Film zu erleben. Hoffen wir, dass sie „By the Sea“ zusammen vorstellen werden. Auch in Berlin. Vielleicht ja sogar zur Berlinale?