US-Schauspielerin

Was Charlize Theron alles von Nelson Mandela gelernt hat

Sie hatte eine schreckliche Jugend und stieg zur Oscar-Gewinnerin auf. Ein Gespräch mit der Schauspielerin Charlize Theron über Humor, Hollywood und die Frage, wie Kinder das Leben verändern.

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Charlize Theron ist eine dieser Frauen, die einen fast vor Neid erblassen lassen können. Die Südafrikanerin ist eine der schönsten Frauen Hollywoods, sie steht regelmäßig für einige der größten Werbekampagnen der Welt vor der Kamera. Darüber hinaus ist sie auch in ihrem Hauptberuf als Schauspielerin verdammt erfolgreich, wurde für „Monster“ mit dem Oscar genauso ausgezeichnet wie mit dem Silbernen Bären der Berlinale und kann in ihrem Lebenslauf auf Welterfolge wie „Hancock“ oder „Prometheus“ verweisen. Nun stellt sie in „A Million Ways to Die in the West“ (ab 29. Mai in den Kinos) von Seth MacFarlane auch noch ihr komödiantisches Talent unter Beweis. Dass sich die 38-Jährige beim Interviewtermin im noblen Four Seasons Hotel in Beverly Hills auch noch als ungemein charmant und sympathisch erweist, ist also fast schon zu viel des Guten.

Berliner Illustrirte Zeitung: Sie spielen in „A Million Ways to Die in the West“ ein toughes Cowgirl. Mussten Sie dafür schießen lernen?

Charlize Theron: Ehrlich gesagt konnte ich das schon. Das war nicht der erste Film, in dem ich eine Pistole in der Hand hatte – und ein bisschen ist das wie mit dem Fahrradfahren. Man lernt es für eine Rolle, und dann kann man das im Großen und Ganzen. Mit Seth MacFarlane war ich deswegen nur einen Tag auf dem Schießplatz, wo es kalt war und keinen wirklichen Spaß machte, so dass wir es dann wieder haben sein lassen. Bei anderen Filmen nimmt dieser Aspekt aber natürlich einen ganz anderen Stellenwert ein. Für „Fury Road“, das „Mad Max“-Reboot, das kommendes Jahr ins Kino kommt, habe ich einen ganzen Monat lang Kampf- und Waffentraining gehabt.

Ist das Western-Genre Ihr Ding?

Oh ja, irgendwie stehe ich auf diese alten Filme. Vor allem auf Spaghetti-Western! Immer wenn ich beim Durchschalten im Hotelzimmer einen entdecke, bleibe ich hängen. Ganz egal, wo ich bin und ob ich die Sprache verstehe. Irgendwie hat diese Western-Welt mit ihren ganz eigenen Regeln etwas herrlich Entspannendes.

MacFarlanes Film ist natürlich eine komödiantische Herangehensweise an diese Welt. Und sein Humor ist bekanntlich einigermaßen derb und provokant. Können Sie darüber lachen?

Wenn ich es nicht könnte, wäre ich hier definitiv fehl am Platz gewesen. Humor ist ja wirklich etwas ganz Spezielles und Individuelles, deswegen muss man für eine Komödie schon darauf achten, dass man ungefähr auf der gleichen Wellenlänge ist. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich diesen Film hätte drehen sollen, wenn mein Humor dem von Seth nicht zumindest ähnlich wäre. Von daher: ja, ich kann über ihn und seine Witze lachen. Sehr sogar!

Tatsächlich haben Sie bislang kaum Komödien gedreht. Wünschen Sie sich, man würde Sie öfter witzig sein lassen?

Ich kann und will mich nicht beschweren. Ich bin gesegnet mit viel Arbeit und vor allem Projekten, die mir wirklich etwas bedeuten und hinter denen ich stehen kann. Es stimmt schon, dass das kaum je Komödien sind, aber das finde ich nicht tragisch. Zumal es nicht so ist, dass ich nicht welche angeboten bekomme. Nur ist das meiste, was ich zu lesen bekomme, leider nicht witzig. Oder eben nicht mein Humor. Deswegen war ich ja so begeistert von „A Million Ways to Die in the West“ – und so sauer auf mich selbst, als ich mein erstes Treffen mit Seth so vermasselte.

Was ist denn passiert?

Die Stimmung war einfach nicht gut. Ich kam mehr oder weniger direkt vom Flughafen, hatte mir in Namibia eine fiebrige Erkältung eingefangen und war einfach ziemlich fertig. Ganz zu schweigen davon, dass ich nicht gerade so aussah, wie Seth sich das für den Film vorstellte, denn für den „Fury Road“-Dreh hatte ich mir eine Glatze rasiert. Ein paar Tage später war schon Weihnachten, und ich saß im Urlaub am Strand. Aber alles, woran ich denken konnte, war: Mist, das hast du total verbockt. Da erwachte dann mein Ehrgeiz, denn ich wusste einfach, dass dies eine Rolle ist, um die ich kämpfen wollte. Also habe ich Seth angerufen – und zum Glück hatte er nichts gegen ein zweites Treffen.

Was genau war es denn, was Sie an „A Million Way to Die in the West“ so sehr interessierte, dass Ihr Kampfgeist erwachte?

Vor allem hat mich das Drehbuch zum Lachen gebracht, und das kommt – wie gesagt – nicht allzu oft vor. Ich weiß noch, dass ich es im Flugzeug gelesen habe und irgendwann aufhören musste, weil ich so laut lachte und mich alle anderen Passagiere sicher für verrückt hielten. Das war ohne Frage der größte Anreiz für mich. Und ich bin immer noch ganz begeistert, dass die Arbeit selbst dann tatsächlich mindestens genauso lustig war. Mitunter bekam ich meinen Mund vor lauter Lachen – und Staunen – gar nicht mehr zu.

Worüber können Sie sonst noch lachen?

Vor allem über meine Freunde. Zu Kino und Fernsehen komme ich im Moment eigentlich kaum, deswegen könnte ich leider gar nicht sagen, wer da besonders lustig ist. Abends bin ich immer so müde, dass ich bei jeder Sendung nach spätestens zehn Minuten einschlafe. Und wenn der Fernseher tagsüber läuft, dann eigentlich nur, weil mein Sohn zum hundertsten Mal „Ich – Einfach unverbesserlich“ und „Die Eiskönigin“ guckt. Oder „Family Guy“. Denn lustigerweise scheinen wir beide den gleichen Humor zu haben. Wir lachen beide über Seth MacFarlane!

Ihren Sohn Jackson haben Sie vor zwei Jahren adoptiert. Wie haben sich Ihr Leben und Ihr Arbeitsalltag dadurch verändert?

Sie meinen jenseits vom Schlafentzug? (lacht) Wobei das zum Glück mittlerweile auch wieder besser wird... Insgesamt habe ich gelernt, mich und meinen Alltag besser zu organisieren. Da bleibt einem aber auch gar nichts anderes übrig, wenn man alles unter einen Hut bekommen will. Ansonsten ist es aber nicht so, dass sich Grundlegendes verändert hat.

Manche Ihrer Kolleginnen wollen keine düsteren Filme mehr drehen, sobald sie ein Baby zuhause haben...

Das höre ich auch immer mal wieder. Kann ich für mich selbst aber nicht behaupten. Im Gegenteil habe ich das Gefühl, dass ich noch kreativer und experimentierfreudiger bin, seit Jackson zu meinem Leben gehört. Ich will jetzt noch größeren Fragen auf den Grund gehen und mich noch mehr Dingen stellen, die mir vielleicht nicht so leicht fallen oder unangenehm sind. Durch ihn habe ich eine ganz neue Energie, die sich längst nicht auf mein Privatleben beschränkt.

Ihre Mutter, die Sie kürzlich auch zur Oscar-Verleihung mitbrachten, ist bei der Organisation des Alltags sicherlich auch eine Hilfe. Ihre Beziehung wirkt unglaublich eng. Ist sie Ihre beste Freundin?

In allererster Linie ist sie einfach meine Mutter. Und klar, wir stehen uns extrem nahe. Aber gerade weil sie nie versucht hat, meine beste Freundin zu sein, ist unsere Beziehung so gut und gesund. Dass soll nicht heißen, dass wir nicht oft Dinge tun, die auch Freundinnen machen, dass ich sie unglaublich witzig finde und sie jemand ist, denn ich schlicht und einfach verdammt als Menschen gerne mag. Doch trotzdem ist sie eben meine Mutter – und die erste, die mich gegebenenfalls zurechtweist.

Das tut sie?

Selbstverständlich! Wobei es nun nicht so ist, dass sie mir das Gefühl gibt, ich sei immer noch zwölf. Sie behandelt mich zum Glück schon wie eine Erwachsene.

Hätten Sie sich damals in Südafrika eigentlich vorstellen können, heute hier zu sitzen und auf eine solche Karriere verweisen zu können?

Nein, kein bisschen. Deswegen bin ich ja auch so dankbar für alles, was ich erreicht, und so glücklich und zufrieden mit meinem Leben.

Aber wenn man dann erste Gehversuche als Schauspielerin wagt, träumt man doch wahrscheinlich insgeheim schon von einem Oscar, oder?

Um Himmels Willen, nein! Das wäre viel zu abgehoben und liegt jenseits der eigenen Vorstellungskraft, wenn man gerade erst anfängt. Vielleicht gibt es Menschen, die so ticken. Aber mir wäre das viel zu vermessen. Und den meisten meiner Kollegen sicherlich auch. Zumindest kenne ich niemanden, dessen Traum als junger Schauspieler nicht einfach nur war, von seiner Arbeit die Rechnung bezahlen zu können und nicht mehr nebenbei kellnern zu müssen.

Heute führen Sie ein unglaublich privilegiertes Leben. Muss man da aufpassen, nicht die Perspektive zu verlieren?

Sicher muss man das. Aber genau deswegen habe ich mit ehrenamtlicher Arbeit angefangen, sobald ich auch nur das erste bisschen Erfolg hatte. Vor allem HIV ist ein Thema, für das ich mich besonders engagiere. Seit 2007 auch mit meiner eigenen Organisation Charlize Theron Outreach Africa, wo wir uns vor allem um Prävention in Sachen Aids kümmern und generell dabei helfen wollen, den Kindern und der Jugend Südafrikas eine Zukunft zu ermöglichen, auf die sie sich freuen können. Diese Kids sind der einzige Grund, warum ich immer wieder nach Südafrika zurückkehre. Und wenn ich dann dort bin und sehe, wo ich herkomme, bin ich umso dankbarer für alles, was ich in meinem Leben erreicht habe. Das werde ich nie als selbstverständlich hinnehmen und aus dem Blick verlieren.

Vor einigen Monaten ist der große Nelson Mandela verstorben. Was hat er Ihnen als Südafrikanerin bedeutet?

Er war, wie für so viele, die größte Inspiration, die man sich vorstellen kann. Er war unser Befreier und der Grund dafür, dass Südafrika heute ein einigermaßen vereinigtes Land ist. Dass ich ihn habe kennen lernen und sogar meinen Freund nennen durfte, ist ein unbeschreibliches Glück. Denn wie oft im Leben hat man schon die Ehre, einer solchen Ausnahmeerscheinung zu begegnen?

Was haben Sie denn von ihm gelernt?

Das gleiche, was wir hoffentlich alle von ihm gelernt haben. Er ist das leuchtendste Beispiel in Sachen Menschlichkeit, das man sich vorstellen kann. Er hat uns gezeigt, was für uns als Menschen möglich ist in Sachen Mitgefühl und Empathie, Vergebung und Hoffnung. Werden wir uns darin je mit ihm messen können? Vermutlich nicht. Aber wir sollten es alle versuchen, jeden Tag aufs Neue.

Mit dem Filmgeschäft bringt man all diese Eigenschaften selten in Verbindung. Kann man davon trotzdem etwas mit nach Hollywood bringen?

Selbstverständlich. Denn wir Schauspieler verkörpern jeden Tag menschliche Wesen, und Mitgefühl, Empathie und Verständnis sind gerade in unserem Job das A und O. Unsere einzige Aufgabe ist es eigentlich, den Menschen, den wir darstellen, zu verstehen und ihn eben nicht bloß als eine Figur im Drehbuch zu betrachten. Man sagt das immer so leicht: Figur. Dabei darf man seine Rolle genau so eigentlich nicht betrachten, sondern sie muss zum echten Menschen werden. Wenn einem das nicht gelingt, dann ist auf der Leinwand später bestenfalls ein Abziehbild zu sehen. Wobei das natürlich harmlos ist – verglichen mit dem Scheitern der Empathie im wahren Leben...