Gemeinsamer Film

Christine Neubauer entdeckt sich in junger Kollegin wieder

Christine Neubauer und Nilam Farooq leben in Berlin. Kennengelernt haben sie sich aber erst in Chile. Jetzt sprechen sie in Charlottenburg über ihren neuen Film „Die Briefe meiner Mutter“.

Foto: Reto Klar

Normalerweise würde man zwei Frauen wie Christine Neubauer und Nilam Farooq wohl nicht bei einem gemeinsamen Frühstück unter Freundinnen im Café am Savignyplatz vermuten. Doch an diesem Morgen sind die gebürtige Münchnerin Neubauer, 51, und die geborene Berlinerin Farooq, 24, in eben dieser Konstellation in Berlin-Charlottenburg anzutreffen. Farooq bestellt Latte Macchiato und ein Croissant, Neubauer Cappuccino und Naturjoghurt mit Früchten.

Die beiden Schauspielerinnen haben sich im vergangenen Winter bei den Dreharbeiten zu „Die Briefe meiner Mutter” (am heutigen Sonnabend, 26. April 2014, 20.15 Uhr, ARD) in Santiago de Chile kennengelernt.

Christine Neubauer spielt in dem Film eine Journalistin, die nach dem Ende der Militärdiktatur über die Verbrechen des Pinochet-Regimes in Chile berichtet. Als sie schwanger wird, kehrt sie zurück nach Deutschland und zieht ihre Tochter allein auf. Diese findet kurz vor ihrem 18. Geburtstag heraus, dass ihre Mutter sie über die wahre Identität ihres Vaters belogen hat. Der Teenager begibt sich auf die Suche in Südamerika.

„Immer wieder in Berlin gearbeitet“

Warum Regisseur Peter Gersina Neubauer und Farooq als Hauptdarstellerinnen ausgewählt hat, wird sofort deutlich. Sie sehen sich tatsächlich sehr ähnlich. Und Christine Neubauer sagt, dass sie sich nicht nur optisch in ihrer jungen Kollegin wiederentdecke: „Sowohl im Film als auch im Leben. Ihre Abenteuerlust, dass sie nachts einfach auf irgendwelche chilenischen Partys fährt, obwohl sie nur eine Adresse hat und sich nicht einmal mit den Leuten unterhalten kann“, das sei so ein Beispiel.

Christine Neubauer verließ ihre bayerische Heimat als Jugendliche, um in New York am Lee Strasberg Institute zu studieren. In den 80er-Jahren führte sie ihr Weg erstmals nach Berlin, wo der Grundstein für ihre Liebe zu Charlottenburg gelegt wurde, wie sie sagt. „Seit ich 18 war, habe ich immer wieder in Berlin gearbeitet. Damals habe ich beim SFB ein Hörspiel gemacht“, erinnert sich Neubauer. „Das war eine sehr beeindruckende Zeit. Damals war ich schon auf dem Antikmarkt an der Straße des 17. Juni. Eine Figur, die ich damals gekauft habe, steht jetzt hier in meiner Wohnung.“

Neubauer wohnt seit zwei Jahren – neben Mallorca – ganz in der Nähe des Savignyplatzes. Nach der Trennung von ihrem Mann Lambert Dinzinger entschied sich die Schauspielerin für einen Neuanfang in der Hauptstadt. „Als sich München für mich aufgelöst hat, fand ich Berlin interessant und spannend. Hier kannte ich viele Ecken, in denen ich früher schon oft war“, sagt sie. Mittlerweile möge sie auch Kreuzberg und Prenzlauer Berg, „aber zum Wohnen wäre das für mich kein Thema gewesen“.

Chile als gemeinsamer Seelenort

Nilam Farooq hingegen hat ihren Geburtsbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf mittlerweile durch einen Ostberliner Szenekiez ersetzt. So mussten die beiden Schauspielerinnen erst bis nach Chile fahren, um dort ihren gemeinsamen Seelenort zu finden, wie sie sagen. Das Drehen in dem fernen Land – das sei eine Erfahrung gewesen, die verbunden habe. „Und ich bin sehr dankbar, das mich meine Arbeit in ein Land gebracht hat, das ich nicht auf dem Zettel hatte“, so Nilam Farooq. Die Vergangenheit dort sei oft spürbar gewesen.

„Bei mir war es natürlich anders, weil ich durch meinen chilenischen Lebensgefährten privat sehr mit dem Land verbunden bin“, sagt sie – und zwinkert Farooq zu. Neubauers Freund ist der chilenische Fotograf José Campos. Durch ihn habe sie das Land noch besser kennengelernt – und sich in seine Heimat auch verliebt, erzählt sie. Insbesondere in die Atacamawüste. „Bei diesem Ort wird man richtig demütig“, sagt sie. „Nach den Dreharbeiten sind wir auch dort hingefahren, um emotional zur Ruhe zu kommen.“ Ihr Freund sei acht Jahre alt gewesen, als Pinochet an die Macht kam. „Als ich das Drehbuch bekommen habe, habe ich mit ihm darüber gesprochen und von ihm noch einmal viele Geschichten gehört, die ich noch gar nicht kannte.“ So sei ihr Lebensgefährte als Zwölfjähriger beispielsweise von Militärs beschossen worden. „So etwas geht einem nie wieder aus dem Kopf“, sagt Neubauer.

Sie stockt. Nilam Farooq schaut sie an, wartet, dass die Kollegin weiter erzählt. Ob ihm das Ergebnis ihrer ersten Zusammenarbeit denn gefalle, hilft sie weiter. „Er sagt, es ist einer meiner besten Filme, die er gesehen hat“, antwortet Christine Neubauer.

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