Familienministerin

Schröder entscheidet sich für zweites Baby statt Ministeramt

Familienministerin Kristina Schröder wird im kommenden Sommer zum zweiten Mal Mutter. Für ein Ministeramt steht sie deshalb in dieser Legislaturperiode wie bereits angekündigt nicht zur Verfügung.

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Sie war die erste Bundesministerin, die während ihrer Amtszeit Mutter wurde. Jetzt ist die scheidende Familienministerin Kristina Schröder wieder schwanger. „Ja, es stimmt. Wir erwarten im Sommer unser zweites Kind, wenn alles gut geht“, sagte die Hessin dem „Wiesbadener Kurier“. Ob es ein Mädchen oder ein Junge wird, wollte sie zunächst noch nicht verraten. Vater des Kindes ist Ole Schröder, Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium, mit dem Kristina Schröder seit Februar 2010 verheiratet ist. Die beiden CDU-Politiker hatten ihrer Partei damals mit ihrer Trauung in der Marktkirche in Wiesbaden einen Hauch Glamour beschert. Im Juni 2011 kam die erste gemeinsame Tochter Lotte Marie zur Welt.

Weil es für die Abgeordneten in den Landtagen und im Bundestag keine Elternzeitregelungen gibt, wollten die Schröders das Familienleben nach der Geburt ihres ersten Kindes gemeinsam mit den Großeltern organisieren. Nur zehn Wochen Mutterschutz hatte sich die 36-Jährige damals gegönnt. Zu wenig, wie sie danach selber fand. Bereits am Abend der Bundestagswahl im September hatte Kristina Schröder bekannt gegeben, in der kommenden Legislaturperiode nicht mehr für ein Ministeramt zur Verfügung zu stehen.

Schröder will mehr Zeit für die eigene Familie haben

„Ich möchte zukünftig mehr Zeit für meine Familie haben, vor allem für meine Tochter Lotte. In den letzten vier Jahren habe ich mein Bundestagsmandat und gleichzeitig mein Ministeramt ausgeübt. Beide Aufgaben stellen schon für sich genommen hohe zeitliche Ansprüche. Zusammen lassen sie wenig Zeit für die Familie übrig. Es gab viele Situationen, in denen ich schöne Momente im Leben meiner Tochter verpasst habe“, schrieb sie damals auf ihrer Homepage.

Gut möglich, dass sie an diesem Abend bereits wusste, dass sie wieder ein Kind erwartetet – der Geburtstermin „im Sommer“ lässt zumindest Platz für Spekulationen. Ihre Entscheidung, sich in der neuen Legislaturperiode auf das Bundestagsmandat zu konzentrieren, hatte da aber bereits länger festgestanden. „Angela Merkel, unsere Bundeskanzlerin, habe ich schon zu Beginn dieses Jahres darüber informiert“, sagte sie weiter.

Ministerin konnte es niemandem recht machen

Unschön war, dass das die Führungsriege ihres hessischen CDU-Heimatverbandes, die mit ihr fremdelte, schon vorher an die Presse kolportiert hatte. Doch diese Indiskretion war längst nicht das einzige Problem, mit dem Kristina Schröder in den letzten Jahren zu kämpfen hatte. Über kein Kabinettsmitglied wurde ja so viel Häme ausgegossen, und die Heftigkeit, mit der das passierte, hatte oft etwas Irrationales. Fakt ist: Was sie auch unternahm, die Ministerin konnte es anscheinend niemandem recht machen.

Das hing mit den Spagaten zusammen, die sie permanent probierte. Als Frauenministerin gegen die Frauenquote? Ein schwieriges Unterfangen. Und dann – nahm sie auch nach den Namen ihres Mannes an und verteidigte den Gesetzentwurf für das umstrittene Betreuungsgeld. Spätestens jetzt war sie bei linksliberalen Meinungsmachern völlig unten durch.

Kristina Schröder galt vielen als Konservative, manchen sogar schon als Karikatur einer modernen Frau. Ihr Polit-Spitzname: Bambi. Gleichzeitig aber provozierte sie den Altherrenverein der hessischen CDU, dem ihr Aufstieg eh viel zu schnell ging, mit ihrem mutigen Votum für die steuerliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften.

Spagat zwischen Ministeramt und Mutterrolle beendet

Es war ein ziemliches Dilemma, dass sie öffentlich bald als zu rechts galt, während sie die eigenen Leute verdächtig progressiv fanden. In Wahrheit wollte sich Kristina Schröder einfach nicht in Schablonen pressen lassen, sich eine eigene Meinung gönnen, auch gegen Widerstände. Doch fehlten ihr parteiintern die Truppen, die jeder braucht, der etwas durchsetzen will. Im Streit um die Frauenquote hatte sie weder den CDU-Wirtschaftsflügel noch die Unternehmensverbände auf ihrer Seite. Daraus dürfte Kristina Schröder gelernt haben.

Von der ersten Reihe in der Politik hat sie erst mal genug. Der schwerste ihrer vielen Spagate, nämlich der zwischen Ministeramt und Mutterrolle, ist beendet. Weg vom Fenster ist sie als direkt gewählte Abgeordnete trotzdem nicht. Fürs Erste beließ sie es bei Twitter mit einem Dankeschön für die vielen Glückwünsche zum zweiten Kind: „Schön, dass sich so viele mit uns freuen!“