Harley Davidson

Harald Glööckler designt jetzt auch noch Motorräder

Der Berliner entwirft erfolgreich Kleidung, Häuser, Schmuck und Motorräder. Harald Glööckler - ein Mann als Marke, an dem sich die Geschmacksnerven scheiden. Nur eines designt er garantiert nicht.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Seine Kritiker nennen ihn „Lagerfeld für Geschmacksarme“ oder „Schwaben-Versace“ – seinem eigenen Selbstverständnis nach ist Harald Glööckler ein Rocker, wenn auch ein glamouröser. Wie das zusammen passt, demonstrierte der Modedesigner jetzt im „Hotel de Rome“ am Bebelplatz in Berlin-Mitte bei der Präsentation zweier Harley-Davidson-Modelle.

Insgesamt zehn Maschinen, verziert mit jeweils 10.000 Swarovski-Steinen und einem ledernen Lippenstifthalter zum Preis von 89.000 Euro hat Glööckler für die US-Motorrad-Marke entworfen. Zur Enthüllung trat der 48-Jährige zu den Klängen von AC/DCs „Highway to Hell“ vor das staunende Publikum, bevor er sich erst auf seinem Werk und dann auf einem plüschigen Thron niederließ.

Schrill, schräg und exzentrisch – von Designer-Kollegen wird er geächtet und bei der Fashion Week ignoriert. Trotzdem hat Harald Glööckler seinen ganz eigenen Weg gefunden. Ehe der gebürtige Schwabe, der bürgerlich nur mit einem „ö“ geschrieben wird, als „Prince of Pompöös“ bekannt wurde, absolvierte er einer Lehre als Einzelhandelskaufmann in der Herrenabteilung eines Bekleidungsgeschäfts in Mühlacker bei Stuttgart.

1987 machte sich der Sohn eines Gastwirtes zusammen mit seinem Lebensgefährten Dieter Schroth und der Boutique „Jeans Garden“ selbstständig, benannte sie drei Jahre später in „Pompöös“ um und ließ sich den Namen weitere vier Jahre später als Marke patentieren. Im Jahr 2000 wagte er den Schritt in die deutsche Hauptstadt, eröffnete den „Pompöös-Showroom“ in Berlin und gründete die Harald Glööckler International GmbH.

Bei Glööckler ist fast alles möglich

Der Erfolg gibt ihm Recht. Mit etwa 20 Kooperationspartnern arbeitet Harald Glööckler mittlerweile zusammen. Mit seinen Designs ist er in 80 Ländern weltweit vertreten. Anbiedern muss er sich nicht mehr. Harley Davidson sei mit dem Wunsch nach einer Zusammenarbeit auf ihn zugekommen, sagt er: „Es gibt wenige Dinge, die so einen Kultstatus genießen. Harley Davidson hat begriffen, dass Harald Glööckler ebenfalls Kult ist.“

Auch bei Bijou Brigitte ist man zufrieden mit dem Geschäftspartner Glööckler. Für den Modeschmuck-Hersteller wird der Designer bis zum kommenden Jahr sechs Kollektionen entwerfen. Der Verkauf laufe schon jetzt hervorragend, sagt PR-Chefin Christin Haenschke. Durch die Zusammenarbeit wolle man vor allem neue Zielgruppen erschließen. Für den umstrittenen Ruf des Designers hat sie eine einfache Erklärung: „Das sind Vorbehalte gegenüber Menschen, die zu sehr auffallen.“

Dabei ist Auffallen der Stil und der Schlüssel zum Erfolg von Harald Glööckler. Sein Markenzeichen sind strassbesetzte und glitzernde Kreationen, die unter anderem in Form von Teppichen, Handyzubehör, Schmuck, Kollektionen für Herren, Kinder, Hunde und Pferde zu haben sind. Wer es wünscht, kann in allen Lebenslagen im Glööckler-Glamour schwelgen. Sogar ein Fertighaus hat der Wahlberliner entworfen. Kostenpunkt: ab 400.000 Euro.

Der Gegensatz zwischen einem Luxus-Produkt und seinen preiswerten Entwürfen für Handelsketten wie Bonprix oder Lidl ist für Glööckler kein Widerspruch. „Viele Leute denken, dass nur, weil ich Luxus für die Massen mache, das auch nur Leute kaufen, die sich nichts anderes leisten können. Aber zu meinen Kunden gehören Menschen aus allen Gesellschaftsschichten“, so der Modemacher. „Ich arbeite auch mit Juwelieren zusammen. Es kommt vor, dass Kunden in Dubai einen Ring von mir mit Swarovski-Steinen sehen und den mit Brillanten haben möchten. Das ist natürlich auch möglich.“

Bei Glööckler ist fast alles möglich. Nur vor einem macht er Halt: Särge und Urnen möchte der Meister des Pompösen nicht gestalten. „Das einzige, was ich immer wieder absage, obwohl ich fast wöchentlich Anfragen bekomme, ist es, etwas für die letzte Reise zu entwerfen“, sagt er.