Polizeiruf 110

Für Brandt und Eidinger war es Liebe auf den ersten Blick

| Lesedauer: 5 Minuten

Lars Eidinger und Matthias Brandt spielten im „Polizeiruf 110“ aus München erstmals zusammen. Ausgesucht hatten sie es sich nicht.

Matthias Brandt ging am Sonntag im „Polizeiruf 110“ aus München auf Verbrecherjagd. In „Der Tod macht Engel aus uns allen“ musste er gegen seine Kollegen ermitteln. Lars Eidinger spielte die transsexuelle Tänzerin Almadine. Über ihre erste Zusammenarbeit sprachen sie mit der Berliner Morgenpost.

Berliner Morgenpost: Herr Eidinger, als transsexuelle Tänzerin tragen Sie Make-up, Frauenkleider und High Heels – was Ihnen überraschend gut steht...

Lars Eidinger: Wirklich? Meine Frau hat gesagt: ‚Du kannst alles machen, aber zupf dir nie wieder die Augenbrauen!’

Wie haben Sie sich gefühlt?

Lars Eidinger: Ich habe mich sehr wohlgefühlt. Ich wurde auch nicht komplett verkleidet oder verändert – meine kahle Stelle am Hinterkopf sieht man trotzdem. Das männliche Element ist immer noch da. Wir wollten ja keinen perfekten Transvestiten schaffen, sondern eine Figur, die sich zwischen den Geschlechtern befindet.

Sie drehten für diesen „Polizeiruf 110“ zum ersten Mal gemeinsam. Haben sich da zwei gefunden?

Lars Eidinger: Ich habe mich total auf Matthias gefreut, ich finde ihn großartig. Ich hatte natürlich die Hoffnung, dass ihm das ähnlich geht.

Matthias Brandt: Wir wurden uns in diesem Fall zugewiesen, wir hatten das nicht in der Hand. Lars hatte zu der Zeit extrem viel zu tun – es war ein Glücksfall, dass er sich die Drehtage freischaufeln konnte. Der wunderbare Nebeneffekt ist, dass wir uns jetzt persönlich kennen. Und ich würde jederzeit wieder mit ihm drehen – da würde ich auch zu Fuß hinkommen.

Lars Eidinger: Es war Liebe auf den ersten Blick.

Die Polizeibeamten kommen nicht gut weg in dem Film. Sie sind feige, gewaltbereit, lügen und decken sich untereinander. Ein Bild, dass Sie teilen?

Lars Eidinger: Der Film zeigt, dass Polizisten auch nur Menschen sind. Dass sie Angst haben, wenn sie rausgehen und einen Einsatz haben und von Hooligans bedroht werden. Ich bin wirklich bei fast jeder Demo auf der Seite der Demonstranten, außer, es sind Rechtsradikale. Aber dass man auch einmal versteht, was auf der anderen Seite vor sich geht, das finde ich bei diesem „Polizeiruf 110“ wirklich interessant. Die sind da in einer Gruppendynamik, die sich verselbstständigt. Bis sie am Ende merken, dass sie Scheiße gebaut haben.

Herr Brandt, Sie lösen Ihren fünften Fall als Kommissar von Meuffels. Haben Sie Sorge, auf die Ermittler-Rolle festgelegt zu werden?

Matthias Brandt: Nein. Angst, auf diese Rolle festgelegt zu werden, habe ich eigentlich nicht. Ich habe ja schon so viele andere Filme gemacht und spiele auch parallel andere Rollen. Und wir drehen nur zwei „Polizeirufe 110“ im Jahr. Insofern mache ich mir da keine Sorgen.

Ist Ihnen die Figur des Hanns von Meuffels inzwischen ans Herz gewachsen?

Matthias Brandt: Ich mochte ihn von Anfang an, und er ist mir inzwischen sehr ans Herz gewachsen. Die Figur des Hanns von Meuffels war nicht von der ersten Folge an fertig, sie verändert sich. Er wird geprägt durch das, was er erlebt. So wie das bei normalen Menschen auch ist. Ich lerne ihn immer besser kennen, wir kommen uns näher.

Haben Sie beide als Nicht-Bayern Probleme mit dem bayerischen Dialekt im Münchner „Polizeiruf 110“?

Lars Eidinger: Überhaupt nicht. Ich liebe diesen Dialekt. Ich mag das gerne. Ich habe eher – und das sage ich als Berliner – ein Problem mit dem Berliner Dialekt. Vor allem, weil er oft so grauenhaft imitiert wird. Das Bayerische mag ich ganz gern.

Matthias Brandt: Ich mag das auch. Die reden dort nun einmal so. Hanns von Meuffels ist ja auch als Fremder nach München gekommen und hat sich doch schneller assimiliert, als anfangs gedacht. Der sagt inzwischen auch „Servus“. Mal sehen, wie weit das noch geht. Vielleicht trägt er irgendwann Lederhosen (lacht).

6,64 Millionen Menschen schalteten ab 20.15 Uhr ein

Die von vielen TV-Kritikern hochgelobte Episode vom „Polizeiruf 110“ hat allerdings am Sonntagabend nur eine mittelmäßige Zuschauerzahl erreicht. Im Schnitt 6,64 Millionen Menschen schalteten ab 20.15 Uhr den Münchner Krimi ein. Damit hatte die ARD einen Marktanteil von 21,7 Prozent.

Bei Facebook spaltete der Film die Gemüter. Viele Kommentatoren lobten den Film des Bayerischen Rundfunks (BR) als „großes Kino“, hoben Darsteller, Drehbuch und Atmosphäre hervor. Kritik löste die Tonqualität aus. „Ein Ton, wie beim schlechten Hörgerät und nuschelige Dialoge“, schrieb ein User. Das sei nicht authentisch, sondern dilettantisch und eine Qual: „unverschämt“.

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