88 Jahre

Sportreporter-Legende Harry Valérien ist gestorben

Harry Valérien starb im Alter von 88 Jahren an Herzversagen. Berühmt wurde der Fernsehreporter als Moderator des „Aktuellen Sportstudios“.

Foto: Michael Probst / dapd

Sportreporter-Legende Harry Valérien ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Der Mitbegründer und langjährige Moderator der ZDF-Sendung „Das aktuelle Sportstudio“ erlag am Freitagabend einem Herzversagen, wie sein Schwiegersohn Stefan Glowacz mitteilte. „Er ist ganz friedlich eingeschlafen“, sagte der Extremkletterer am Sonnabend.

Valérien war demnach auf der Rückfahrt von einem Treffen mit ehemaligen Kollegen und Skirennläufern in Oberbayern zu seinem Wohnort am Starnberger See gestorben. In dem Auto hätten sich auch Valériens Frau Randi und Freunde befunden, sagte Glowacz.

Valérien war 1963 einer der Mitbegründer des „Aktuellen Sportstudios“, das er bis 1988 moderierte. Der Münchner prägte die Sportberichterstattung in Deutschland. Für die Fernsehzuschauer war der „Fachmann mit Herz“ über vier Jahrzehnte lang bis Mitte der 90er Jahre Stimme und Gesicht der Olympischen Spiele.

Lieber Reporter als Sportchef

283 Mal führte der Wintersport-Experte meist in seinem Markenzeichen – bunten, häufig gelben Pullovern – durch die Sendung. Mit großem Fachwissen, Neugier und Charme begeisterte er die Zuschauer. „Ich mach" keine Reportagen auf Kosten anderer, und auch bei Interviews soll keiner als Sieger oder Verlierer den Ring verlassen“, lautete sein Motto. Der Sohn eines Pressefotografen erhielt für seine Arbeit zahlreiche Preise – darunter mehrmals den Bambi und die Goldene Kamera sowie 2004 den Ehrenpreis beim Bayerischen Fernsehpreis.

Von den Winterspielen 1952 in Oslo an berichtete er mit Ausnahme von 1956 bis in die 90er Jahre als Reporter, Interviewer und Kommentator von Olympia. „In seiner kontrolliert provokanten Art schaffte er es fast immer, seine Gesprächspartner hartnäckig zu bedrängen. Er hakte nach, formvollendet im Ton, doch unerbittlich in der Sache“, schrieb Dieter Kürten, früher selbst Sportstudio-Moderator, einmal über seinen langjährigen Kollegen. Als er 1983 ZDF-Sportchef werden sollte, lehnte Valérien ab: „Ich bleibe lieber Reporter, das sagt mir mehr zu als jede Verwaltung.“

Journalistische Vielseitigkeit

Spezialgebiet des begeisterten Skifahrers war der Wintersport. Der vielseitige Journalist, der seine Karriere beim „Münchner Merkur“ und dem Bayerischen Rundfunk begonnen hatte, führte aber auch durch die Verkehrssendung „Telemotor“ und war acht Jahre lang beim ZDF Leiter der Abteilung Sportfilm/Dokumentation.

Auch bei Sat.1 und Premiere stellt er in den 90er Jahren als Golf-Kommentator seine journalistische Vielseitigkeit unter Beweis. Noch bis ins hohe Alter verfolgte er von seinem Wohnort am Starnberger See, wo er mit seiner norwegischen Frau Randi lebte, aus Sportübertragungen.

Valérien war seit 1960 mit seiner norwegischen Frau verheiratet. 1962 und 1964 kamen die Töchter Tanja und Laila zur Welt. Die Jüngere starb 2007 an Brustkrebs. Schon als Jugendlicher hatte Valérien schwere Schicksalsschläge verkraften müssen: Mit 14 Jahren war seine Mutter bei einem Autounfall gestorben, ein Jahr darauf erlag sein Vater einem Herzleiden. Der Sportreporter selbst hatte sich am Herzen operieren lassen müssen.