Gast in Wien

Ruby war beim Opernball höchstens ein Skandälchen

| Lesedauer: 5 Minuten

Berlusconis Ex-Gespielin Ruby benahm sich bei Wiener Opernball parketttauglich. Allein ihr Durchhaltevermögen unterschied sie von Lugners anderen Gästen.

Es war ein regelrechtes Vakuum, in das der 55. Wiener Opernball stürzte. Keiner mehr, der wie der frühere Wiener Operndirektor Ioan Holender grummelte, polterte, schimpfte – keiner mehr, der den Pfau machte, bei der Eröffnung holender sang und sich von seinem Kind Champagner kredenzen ließ. So schon die Eröffnung: absolut ohne Aufreger. Keine Balletteinlage mit Fußballgags; traditionell, ästhetisch, charmant – die Mitglieder des Staatsopernballetts sowie die Schülerinnen und Schüler der Ballettschule traten diesmal gemeinsam, allesamt in Weiß gekleidet, auf – nur der mittanzende Ballettdirektor Manuel Legris glänzte in Himmelblau.

Da blieb Zeit für Spekulationen: Hatte es doch geheißen, dass erstmals – seit 1873 – die Wiener Philharmoniker unter Franz Welser-Möst die Eröffnung spielen würden. Jedoch dieses Orchester, das den Einzug des Jungdamen- und Jungherrenkomitees und das Ballett begleitete? Auf den Rängen und in den Logen war das Publikum zunächst skeptisch: „Das sind aber net alle Philharmoniker?“ – „Des is vielleicht die Hälfte“, war da zu hören. – „Ein Ausnahmeorchester!“

Während der Eröffnung standen sie wenigstens uneingeschränkt im Mittelpunkt des Interesses der Ballgäste: Die Künstler, denen der neue Staatsoperndirektor Dominique Meyer den diesjährigen Opernball gewidmet hatte. Da war die Ausnahmestimme der lettischen Sängerin Elina Garanèa, da war Anna Netrebko, die ihrer Kollegin applaudierte. „Und der Dirigent?“, grübelte einer der Zuschauer. „Der ist ein Österreicher. Ich glaub, ein Salzburger.“ – „Nein, Welser – der Franz Welser-Möst.“

Danach wandte sich die Aufmerksamkeit des Ballpublikums wieder anderem zu. Denn der Baumeister in Unruhe, Richard Lugner, hatte den Gästen und den Millionen TV-Zuschauern wieder einmal etwas fürs Auge und die Sensationsgier geboten. Sein heuriger Stargast, Karima El Mahroug, die als Ruby Rubacuori an Silvio Berlusconis „Bunga Bunga“-Parties teilgenommen haben soll, winkte aus Lugners Loge.

Die Aufregung über Lugners Coup war groß im Vorfeld. Beim Event hielt sie sich dann in Grenzen. Die Opernball-Lady Treichl-Stürgkh lächelte huldvoll in Richtung Ruby. Sie kam – wer hatte anderes erwartet? – in stilvoll-bodenlanger Robe, und schließlich und endlich war und wird sie nicht der letzte Opernball-Skandal gewesen sein. Seit 1956, da fand der erste Opernball nach dem Zweiten Weltkrieg statt, gab es deren schon viele. So lud Jörg Haider einst Gaddafi-Sohn Saif zu sich in die Loge, mit dem ihn eine warmherzige Männerfreundschaft verband.

Skandalfreies Familienglück präsentierten 2011 hingegen Anna Netrebko und ihr Mann Erwin Schrott, und auch sonst war die Liste der erwarteten Gäste wieder einmal lang und vielfältig: Bundespräsident Heinz Fischer, selbstredend, sowie Bundeskanzler Werner Faymann oder Vizekanzler Josef Pröll. Dominique Meyers Aufforderung, den Opernball zu einem Künstlerfest zu machen, folgten auch Ildiko Raimondi sowie Shooting-Star Sylvia Schwartz, Ildebrando D’Arcangelo, Sopranistin Daniela Fally, Pianist Rudolf Buchbinder, und die Schauspielerin Sunnyi Melles.

Unter all den Berühmten lehnte auch der Musiker und Menschenrechtsaktivist Bob Geldof an einer Logenwand. Er promotet derzeit sein Album „How To Compose Popular Songs That Will Sell“. Schon vor dem Opernball besuchte er den Bundeskanzler am Ballhausplatz. „Es geht also um all die Dinge, die ich mache: Musik, Geschäft und Politik“, sagte Geldof.

Doch bei all seinen Anliegen, die Welt zu verbessern, konnte sich Geldof einen Seitenhieb unter der Gürtellinie nicht verkneifen: Er freue sich, Ruby Rubacuori zu treffen, erklärte er. „Ich dachte mir, wenn ich schon da bin, könnte ich auch zum Opernball hingehen. Und wer geht auch hin? Ruby! Man hört, sie schläft gerne mit älteren Männern – vielleicht habe ich auch eine Chance.“

Schöne Minuten verbrachte auch der Dompfarrer Toni Faber – der gegen 1.30 Uhr im Saal mit einer blonden Schönheit tanzte. Oben kommentierte ein Logengast: „Na, da kann er morgen wieder dreimal rund um den Stephansdom. Auf den Knien und mit dem Kerzerl.“

Aber wenn es nach dem Gast ginge, wäre Faber bei seiner Büßertour in guter Gesellschaft gewesen. Denn im Ballsaal standen die Männer Schlange vor der Lugner-Loge. Einer nach dem anderen stieg die hohe Stufe hinauf, um neben Ruby Rubicuori zu posieren. Jene, stets freundlich, wurde nicht müde, sich immer wieder fürs Foto über die Brüstung zu lehnen. Zum Abschluss noch ein spontaner Tanz in der Loge, dann verließ Karima El Mahroug die Staatsoper gegen 2 Uhr früh. So lange war noch kein Lugner-Gast geblieben.

Roman David-Freihsl ist Redakteur der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ und seit mehr als 20 Jahren Opernball-Besucher.

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