"Wetten, dass..?"-Moderator

Gottschalk rügt die Trends im deutschen TV-Geschäft

Nach seinem Abschied von "Wetten, dass..?" glaubt Thomas Gottschalk weiterhin an das TV-Format. Kritik übt er an den Trends im deutschen Fernsehen.

Thomas Gottschalk, scheidender Moderator des ZDF-Flaggschiffs „Wetten, dass..?“, glaubt auch nach seinem Ausstieg an die Zukunft der Show. „Natürlich ist das Umfeld viel schwieriger geworden, aber die Zutaten stimmen“, sagte der 60-Jährige in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ . „Promis treffen auf normale Menschen, die etwas Unnormales veranstalten.“

Zur Konkurrenz durch Castingshows wie „Das Supertalent“ oder „Deutschland sucht den Superstar“ sagte er: „Ich rechne irgendwann mit einer Gegenreaktion auf diesen inszenierten Hype, der als „Reality“ verkauft wird, werde diese allerdings nicht mehr im Amt erleben.“

Durch den bedauerlichen Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch am 4. Dezember 2010 „hat sich für mich eine Tür geöffnet, durch die ich früher oder später sowieso hätte gehen müssen.

Ich hätte sonst noch etwas weitergewurstelt, aber zu der Stärke, mit der ich mal angefangen habe, hätten wir natürlich nie mehr zurückgefunden. Ich verabschiede mich ja vorerst nicht vom Unterhaltungsfernsehen, sondern nur von „Wetten, dass..?„“.

Erstaunen ruft bei Gottschalk, der mit einer Unterbrechung seit 1987 den von Frank Elstner erfundenen ZDF-Klassiker moderiert, die Tatsache hervor, dass auch jüngere Leute sich für sein Schaffen interessieren. „Die Begeisterung, die ich bei Halbwüchsigen immer noch auslöse, ist mir langsam etwas unheimlich“, sagte er. „Ich genieße zwar die Verehrung dieser Zielgruppe, aber kann nicht für alle Zukunft darauf bauen, deshalb wende ich mich langsam einem Publikum zu, das noch alle vier Beatles aufzählen kann.“

In welcher Form er genau auf den Bildschirm zurückkehrt, weiß der Entertainer noch nicht zu sagen. „Es muss doch irgendwas geben, das vom Anspruch her zwischen der „F.A.Z.“ und „Bauer sucht Frau“ liegt.“ Beim heutigen Unterhaltungsfernsehen störe ihn, dass „es inzwischen Zuschauer gibt, die mehr wert sind als andere. Ein bescheuerter Dreiundzwanzigjähriger ist werberelevant, auch wenn er nichts begreift, längst eingepennt ist oder nebenbei twittert.

Ein Akademiker über fünfzig, der mit einem elfjährigen Sohn zuschaut, wird überhaupt nicht zur Kenntnis genommen. Der würde aber vielleicht merken, dass das gerade entdeckte „Supertalent“ in Wirklichkeit ein Profi ist, der mit seiner Nummer schon seit Jahren durch die Lande tingelt.“

ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut hatte vor kurzem erklärt, Gottschalk werde künftig „nicht weniger moderieren als heute“. Neben Galas und Event-Sendungen werde er die „Rolle des intelligenten, talkenden, unterhaltenden Star-Moderators“ behalten. Nach Informationen der Zeitungen der „WAZ“-Gruppe steht schon fest, dass Gottschalk die Silvestershow am Brandenburger Tor künftig präsentiert.

Gottschalk erklärte in der „FAZ“, wie er sich gutes Unterhaltungsfernsehen vorstellt: Bei der Feier zum 60. Geburtstag der Witwe des Sängers Roy Orbison („Pretty Woman“) seien Jeff Lynne vom Elektric Light Orchestra, Eric Idle von der Komikergruppe Monty Python und Beatles-Drummer Ringo Starr zusammengekommen. „Den Abend hätte man live senden können. Das war ein Kindergeburtstag mit Erwachsenen...“ Es habe alberne Tischgesänge, ernsthafte Diskussionen und grandiose Stories gegeben.

Gottschalk wird seinen Abschied von „Wetten, dass..?“ Ende des Jahres geben. Die drei Herbst-Sendungen stehen im Zeichen der vergangen drei Jahrzehnte. Am 4. Dezember 2010 hatte sich Kandidat Samuel Koch beim Versuch, mit Sprungfedern über fahrende Autos zu springen, so schwer verletzt, dass er seitdem gelähmt ist. Anschließend hatte Gottschalk seinen Abschied verkündet.

Am Freitag wird Gottschalk in Marl den Grimme-Preis für sein Lebenswerk bekommen. Dazu sagte er, er freue sich schon deswegen, weil der Preis „eine Art akademische Anerkennung“ sei, „über die sich erst mal alle die Kritiker ärgern, die mir immer wieder unterstellt haben, ich sei schwachsinnig“.

Gottschalk fügte hinzu: „Allerdings habe ich mir den Preis ja eher ersessen als verdient. Durch besondere Einzelleistungen bin ich den Grimme-Leuten offensichtlich nicht aufgefallen. Ich befürchte ein bisschen, dass ich nur deswegen inzwischen leuchte, weil es in meinem Gewerbe um mich herum doch eher etwas düster geworden ist.“

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos

Beschreibung anzeigen