Buchvorstellung

Käßmann beschreibt "üble Häme" nach Alkoholfahrt

Die Theologin Margot Käßmann hat in Berlin ihr Buch "Sehnsucht nach Leben" vorgestellt. Sie schildert darin ihre Alkoholfahrt und die Reaktionen darauf.

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Margot Käßmann, die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), hat in Berlin ihr neues Buch "Sehnsucht nach Leben" vorgestellt. Die 52-Jährige las vor Hunderten Zuhörern einige Passagen vor.

In dem Buch beschreibt die Theologin in zwölf Kapiteln grundlegende menschliche Sehnsüchte wie das Verlangen nach Liebe, Geborgenheit, Freiheit oder Frieden. Zudem setzt sie sich mit Brüchen in ihrem eigenen Leben auseinander. "Sehnsucht ist eine kreative, positive Kraft", sagte Käßmann. Mit ihrem Buch wolle sie die Menschen ermutigen, neue Wege zu gehen - auch wenn Alter oder Krankheit oft Hemmnisse seien.

Sehnsucht könne aber auch "destruktiv" sein, warnte sie: "Wenn ich permanent unzufrieden bin mit der aktuellen Situation.“ Insbesondere die moderne Konsumgesellschaft erweise sich mit ihren Versprechungen schnell als „hohl“.

Käßmann war im Februar 2010 nach einer Alkoholfahrt von ihren Ämtern als EKD-Ratsvorsitzende und Landesbischöfin von Hannover zurückgetreten. In ihrem Buch berichtet die Bischöfin von „übler Häme und Spott“, die sie nach ihrer Verfehlung habe ertragen müssen. Sie habe es dann als „inneren Mut“ empfunden, zu sagen „Ich gebe alle meine Ämter auf“.

Seit Januar 2011 ist Käßmann Gastprofessorin an der Ruhr-Universität Bochum. Sie lehrt und forscht für ein Jahr auf dem Gebiet der Ökumene und Sozialethik.

Schriftstellerischen Erfolg konnte die vierfache Mutter bereits in der Vergangenheit feiern. Ihr Buch „In der Mitte des Lebens“ von 2009 avancierte zum Bestseller. Darin beschäftigte sich Käßmann mit ihrer Krebserkrankung und der Trennung von ihrem Ehemann.