Der Frust vom vorzeitigen Aus beim Großen Preis von Singapur schien Lewis Hamilton verdaut zu haben. Gut 48 Stunden nach dem Nachtrennen in der asiatischen Metropole plauderte der Formel-1- Pilot aus England entspannt und locker mit Schülern des John-Lennon- Gymnasium Berlin Mitte am Dienstag über das Thema Motivation und Training. „Sprechen hier alle englisch?“, fragte er erstmal in die Runde. Denn: „Mein Deutsch ist so schlecht“, räumte er ein. Da er im deutschsprachigen Teil der Schweiz lebe, versuche er es allerdings zu lernen.

Über Sebastian Vettel zerbricht sich Lewis Hamilton nicht den Kopf. Er beschäftige sich nicht wirklich mit ihm, sagte der McLaren-Mercedes-Fahrer. Nur einen Punkt hat der Engländer nach drei Ausfällen in den vergangenen vier Formel-1-Rennen mehr als der viertplatzierte Red-Bull-Pilot Vettel. Dass er überhaupt vor den letzten vier Saisonrennen noch auf Rang drei der Gesamtwertung liegt, überrascht Hamilton selbst: „Das ist sehr ungewöhnlich.“

Am Sonntag warf Hamilton noch wutentbrannt nach einer Kollision mit WM-Spitzenreiter Mark Webber im Red Bull das Lenkrad auf den Asphalt. Vor den Schülern der Jahrgangsstufen 11 bis 13 zeigte er sich rund 48 Stunden danach gut gelaunt.

182 Punkte hat Hamilton, der in seinem Premierenjahr 2007 im letzten Rennen auf dramatische Weise den WM-Titel verspielt hatte und 2008 Weltmeister wurde. Vettel sammelte bis dato 181 Zähler. An der Spitze thront vor dem Japan-Rennen in rund anderthalb Wochen Webber mit 202 Zählern. Ferrari-Star Fernando Alonso ist nach seinen beiden Siegen nacheinander Zweiter mit 191 Punkten. „Die Lücke ist sehr groß“, räumte Hamilton ein.

Aufgeben? Auf keinen Fall. „Kopf hoch, ich repräsentiere das ganze Team. Ich kann es noch schaffen“, betonte Hamilton, dessen Rennstallrivale kein Geringerer als Titelverteidiger Jenson Button ist. Und der zweite Brite im britischen Team hat mit 177 Punkten als Fünfter ebenfalls noch Chancen auf den WM-Triumph.

„In diesem Jahr ist es großartig: Großartige Fahrer sind in den besten Teams“, stellte Hamilton strahlend fest. Der Kampf um die WM sei „unglaublich intensiv“. Hamilton hofft bei seiner Aufholjagd wie Vettel, dass der Premieren-Grand-Prix am 24. Oktober in Südkorea stattfindet. Fiele er aus, würden die Chancen, 20 Punkte in nur noch drei Rennen aufzuholen, deutlich geringer.

Er versuche einfach, sein Ding zu machen, sagte Hamilton, der auch im Berliner Klassenzimmer begehrtes Objekt der Fotografen war. „Ich hab mich nie dran gewöhnt, seit ich in der Formel 1 bin“, sagte er zum Leben in der Öffentlichkeit. „Ich gehe lieber dorthin mit meiner Freundin (Sängerin Nicole Scherzinger), wo es keine gibt“, versicherte er. Und dann entschwand Hamilton in einer Luxuslimousine zum nächsten Termin, begleitet vom Blitzlichtgewitter.

dpa/sh