Nach Burn-out

Comedian Ingo Oschmann kann wieder lachen

| Lesedauer: 6 Minuten
Sandra Basan

Foto: pa

Mit seinem Live-Programm "Wunderbar – Es ist ja so!" tourt Ingo Oschmann derzeit durch Deutschland. Der Comedian glänzt dabei mit seinem Witz. Die Kraft dafür sammelte er nach einem Burn-out in der Achterbahn.

Eine Achterbahn und Jürgen von der Lippe haben Ingo Oschmann wieder neuen Schwung gegeben. Fürs Leben. Und für die Bühne. Mit seinem Live-Programm „Wunderbar – Es ist ja so!“ tourt der Comedian derzeit durch Deutschland. Am heutigen Sonnabend wird er um 20 Uhr im Kabarett-Theater „Die Wühlmäuse“ zu Gast sein. Locker und lustig, wie ihn sein Publikum liebt, seit der Entertainer und Zauberer 2003 in der Sat.1-Castingshow „Star Search“ entdeckt wurde – und doch anders. Gesetzter. Und das hat seinen Grund.

Fünf Jahre lang war der Strahlemann aus Bielefeld nach seinem Sieg pausenlos unterwegs, allgegenwärtig. Im Fernsehen lachten die Leute, die Theatersäle waren voll, nur der Künstler selbst, der war irgendwann leer. Kaputt. Ausgebrannt. „Vor drei Jahren litt ich an Burn-out. Ich war viel auf Tour und im Fernsehen. Wenn man so viel und so schnell reist, braucht die Seele immer ein bisschen, um hinterherzukommen. Mein Körper war immer schon ein halbes Jahr voraus.“ Das Ergebnis vom Leben auf der Überholspur: Heulattacken, Kreislaufkollaps hinter der Bühne, kein Spaß mehr am Leben. Ingo Oschmann zog die Notbremse. Er sagte alle Auftritte ab, packte die Sachen und seine damalige Freundin und fuhr nach Orlando, Amerika. Zum Achterbahnfahren: „Ich mag Freizeitparks. In dem Moment, in dem es anfängt zu kippen, ist es so, als ob dich jemand kräftig schüttelt“, beschreibt der 40-Jährige die ungewöhnliche Therapie. Sie half.

Genau wie Jürgen von der Lippe. Denn nach seiner Rückkehr ging Ingo Oschmann nicht zum Arzt, sondern zurück auf die Bühne. Er spielte Theater an der Kö in Düsseldorf. „Das hat geholfen, ohne dass ich es gemerkt habe“, berichtet er von seiner Theaterpremiere. Im Stück „3 Hanseln im Glück“ spielte er den Sohn von Jürgen von der Lippe: „Das war etwas, das ich vorher noch nie gemacht hatte. Jürgen ist toll. Er ist jemand, der aufpasst auf andere, er ist kein Egoist.“

Die Krankheit kostete einige Kraft, doch am Ende ging Ingo Oschmann gestärkt daraus hervor. Er hat viel über sich gelernt: „Im Nachhinein betrachtet, war der Burn-out sogar super. Vorher habe ich alles mitnehmen wollen, jetzt kann ich Prioritäten setzen.“

Jetzt genießt er sein Leben wieder und seine aktuelle Show – die vielleicht am allermeisten: „Der glücklichste Mensch, der da am Ende nach Hause geht, bin ich.“ In seinem Programm aus Pointen, Zauberei und Improvisation bringt der Stand-up-Comedian alles zur Sprache, was ihn bewegt, etwa das Zusammenspiel von Technik und Kindheit. „iPod und Internet sind wirklich eine Erleichterung, aber letztlich verdirbt es den Spaß, wenn man immer alles sofort bekommt. Ich habe früher mit meinen Eltern auf der Fahrt in den Urlaub ,Kennzeichen raten' gespielt. Heute geht das nicht mehr, da googelt das der Dreijährige auf seinem iPhone. Man verliert den Wert der Dinge aus den Augen, wenn immer alles auf Knopfdruck verfügbar ist“, findet der Comedian und bringt seine Zuhörer mit Humor dazu, über die schöne neue Welt nachzudenken. Und natürlich darüber zu lachen. Auch sich selbst nimmt der Comedian nicht ganz so ernst. Beim Thema hyperaktive Kinder spricht er gar aus Erfahrung. „So ein Kind möchte ich nicht haben. Als kleiner Junge war ich nur am Rennen und nicht gut in der Schule.“ Mit der Pubertät habe sich das gebessert. Mittlerweile zieht er die Ruhe sogar der Party vor.

Am Dienstag feiert Ingo Oschmann seinen 41. Geburtstag – mit einer Radtour mit den Eltern. Das klingt ungewöhnlich, aber sympathisch. „Ich bin letztes Jahr 40 geworden und habe überlegt: Mache ich eine Riesenparty oder lieber eine Radtour mit meinen Eltern auf der Insel Rügen.“ Er entschied sich fürs Radeln und fand die gemeinsame Fahrt so toll, dass er sich die nun jedes Jahr zum Geburtstag schenkt: „Ich habe mir geschworen: Solange die beiden noch da sind, mache ich jedes Jahr eine Radtour.“ Diesmal geht es nach Quedlinburg und Tangermünde. „Ich habe für den MDR im Harz gedreht und fand es so toll, dass ich da noch mal hin möchte.“ Vier Tage lang Radfahren, 70 Kilometer am Tag. Für die Eltern kein Problem: „Ich bin wahrscheinlich derjenige, der hechelnd hinterherfährt“, meint Ingo Oschmann und übertreibt natürlich.

Der Künstler ist sportlich, hat Jazztanz-Elemente in der Show und wünscht sich immer sehnlicher sein eigenes privates Kontrastprogramm zur Bühne: „Klar will ich eine Familie haben. Bisher habe ich mich nie darum gekümmert. Jetzt ist es höchste Eisenbahn, langsam wird's eng.“ Doch erst mal ist er wieder unterwegs, wenn auch weit weniger als früher. Gerade kehrte er aus Shanghai von einem Auftritt zurück. Oschmanns Humor kommt überall an. Die China-Erlebnisse will er im neuen Programm verarbeiten, das im September 2011 Premiere hat. Der Comedian macht sich schon fleißig Notizen in kleinen Ideen-Büchern. Die meisten Pointen entstehen ohnehin spontan, erklärt der Bauchmensch, der zur Entspannung gern zu Hause am Herd steht. Dieses Jahr will er aber noch mal los: nach New York und nach Orlando. Zum Achterbahnfahren.

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