Ein neues Zeitalter der Hyperschallflugzeuge bricht an – und privaten Unternehmen könnte dabei eine Schlüsselposition zufallen. So erzielte der Prototyp eines Überschalljets der US-Firma Stratolaunch bei einem Test am Sonnabend eine Geschwindigkeit von rund 6000 Kilometern pro Stunde. Stratolaunch verkündete den erfolgreichen Launch eines Fliegers der Bauserie Talon-A.

Und die Kalifornier sind nicht die Einzigen, die schnell unterwegs sein wollen: Bereits im Sommer hatte die Tech-Firma Boom aus Colorado Pläne für einen kommerziellen Überschalljet vorgestellt. Damit könnten Privatunternehmen die Lücke schließen, die die legendäre Concorde nach dem verheerenden Absturz in Paris im Jahr 2000 hinterlassen hatte. Bis Stratolaunch so weit ist, dürfte es aber noch dauern – der Flug des Prototyps TA-1 diente Testzwecken, von einem kommerziellen Produkt ist man weit entfernt.

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Vom weltweit größten Trägerflugzeug, der „Roc“, in die Luft befördert, absolvierte die der Prototyp einen erfolgreichen Testflug. Das ebenfalls von Stratolaunch betriebene Doppelrumpfflugzeug ist eigentlich als Startplattform für Weltraumgleiter konzipiert. Am Wochenende ermöglichte es allerdings den einmaligen Test, den die Kalifornier als umfassenden Erfolg ausriefen. „Neben den Kunden- und Primärzielen haben wir mit dem Flug überschallschnelle Geschwindigkeiten nahe Mach 5 erreicht“, erklärte Stratolaunch-Präsident Zachary Kevor.

Der Prototyp TA-1 des privaten Luftfahrtunternehmens Stratolaunch kratzte beim ersten Test an der Mach-5-Grenze. Das Hyperschallflugzeug flog rund 6000 km/h schnell.
Der Prototyp TA-1 des privaten Luftfahrtunternehmens Stratolaunch kratzte beim ersten Test an der Mach-5-Grenze. Das Hyperschallflugzeug flog rund 6000 km/h schnell.© Stratolaunch | Stratolaunch

Überschallgeschwindigkeit: Testflieger kratzt an Mach 5

Nähere Details zum Flug der unbemannten TA-1 nannte das Unternehmen mit Hinweis auf Geheimhaltungsvereinbarungen mit Kunden nicht. Wie hoch, weit und schnell der Jet flog, bleibt unbekannt. Für den Prototyp stellt der Jungfernflug gleichzeitig sein Ende dar. Der einmalige Start über der Mojave-Wüste lieferte dem Unternehmen allerdings wichtige Erkenntnisse für die bevorstehenden Tests mit dem Nachfolger TA-2. Dieser soll, genau wie der TA-3, dessen Fertigstellung Stratolaunch im selben Atemzug bekannt gab, kein Eintagsflieger bleiben, sondern regelmäßig starten.

Das Doppelrumpfflugzeug „Roc“ ist mit einer Spannweite von 117 Metern die größte flugfähige Startplattform der Welt.
Das Doppelrumpfflugzeug „Roc“ ist mit einer Spannweite von 117 Metern die größte flugfähige Startplattform der Welt.© Stratolaunch | Stratolaunch

Die TA-1 erfüllte beim Test sämtliche Erwartungen der Ingenieure. Nach der Zündung des Triebwerks gewann der Hyperschalljet zuerst an Geschwindigkeit, dann an Höhe und landete schließlich sicher im Wasser, wie Stratolaunch bekannt gab. Während das neun Meter lange und vier Meter breite Flugzeug an der fünffachen Mach-Geschwindigkeit (6174 Kilometer pro Stunde) kratzte, ist es nicht für einen Start vom Boden entworfen, daher der Umweg über die „Roc“.

US-Firma will das Erbe der Concorde antreten

Erst im August hatte ein anderes Überschallflugzeug aus privater Hand Aufmerksamkeit erregt. US-Flugzeughersteller Boom enthüllte auf der Paris Air Show das Modell eines Jets, der ab 2029 das Erbe der Concorde antreten soll. Mit nachhaltigem Treibstoff soll die Maschine dann Passagiere von der französischen Hauptstadt nach New York in dreieinhalb Stunden befördern. Firmenangaben zufolge sollen bereits 130 Vorbestellungen für das revolutionäre Flugzeug vorliegen.

Das war geplagt von einem lange als unlösbar geltenden Problem: dem Überschallknall, der es dem Flugzeug nicht möglich machte, über Land schneller als der Schall zu fliegen. Der beim Durchbrechen der Schallmauer ausgelöste Knall könnte aber bald der Vergangenheit angehören.

Für Hyperschalljets bricht ein neues Zeitalter an. Im Bild: das Trägerflugzeug „Roc“.
Für Hyperschalljets bricht ein neues Zeitalter an. Im Bild: das Trägerflugzeug „Roc“.© Stratolaunch | Stratolaunch

Überschallknall wird zu einem Flüstern

Denn mit dem US-amerikanischen Rüstungs- und Luftfahrtunternehmen Lockheed Martin arbeitete ein dritter privater Wettbewerber in Zusammenarbeit mit der US-Raumfahrtbehörde Nasa an einer Minimierung des Knalls. So schrumpfte der ansonsten ohrenbetäubende Knall beim ersten Test der neuen X-59 zu einem verhaltenen „Ploppen“.

Bei der Maschine handelt es sich nicht wie bei der TA-1 um einen unbemannten Prototyp, sondern um ein Versuchsflugzeug. Bereits in diesem Jahr unternimmt die Nasa eine Reihe von Testflügen über großen US-Städten mit dem Ziel, das Verbot von Überschallflügen über Land zu kippen.