Unter den Kaisern der Spätantike ist Konstantin der Große (circa 280 bis 337 n. Chr.) wohl der bedeutendste. Er war nicht nur militärisch erfolgreich, sondern trug auch wesentlich dazu bei, dass sich das Christentum als Weltreligion etablieren konnte. Im Jahr 313 trifft Konstantin mit seinem Damals-noch-Mitkaiser Licinius die Mailänder Vereinbarung, die allen Religionen im Reich Glaubensfreiheit gewährt. Somit ist das Christentum den anderen Kulten gleichgestellt. Mit Konstantin beginnt jene Verbindung von Kirche und weltlicher Macht, die den Rest der Antike sowie das gesamte Mittelalter prägte.

Überreste eines römischen Tempels aus dem 4. Jahrhundert n. Chr., der den Übergang vom Heidentum zum Christentum bezeugt, sind jetzt in Spello nahe der italienischen Stadt Perugia entdeckt worden. Der Tempel wurde von Kaiser Konstantin errichtet und war dem Kaiserkult gewidmet. Drei Mauern wurden unter einem Parkplatz gefunden. Die Ausgrabungen wurden im Sommer vom US-Archäologen Douglas Boin von der Saint Louis University durchgeführt.

Die Entdeckung wurde bei der Jahrestagung des Archaeological Institute of America bekanntgegeben. Boin wählte Spello, eine Stadt in Umbrien, für seine Forschungen auf der Grundlage der „Verordnung von Spello“. Dabei handelt es sich um eine Bestimmung, mit der Kaiser Konstantin den Umbrern das Recht einräumte, ihre jährlichen religiösen Zeremonien und die damit verbundenen Spiele in Spello zu feiern. Im Gegenzug sollten sie einen Tempel errichten, der ihren Vorfahren, der antiken Familie „Gens Flavia“ gewidmet sein sollte.

Archäologischer Fund in Italien: „Bedeutende Entdeckung eines kaiserlichen Kultes“

Der Tempel zeige die Kontinuität zwischen der klassischen heidnischen Welt und der frühchristlichen römischen Welt auf, die in historischen Erzählungen oft verdeckt oder ausgelöscht worden sei, sagte der Archäologe.

„Es gab eine bemerkenswerte religiöse Kontinuität zwischen der römischen Welt und der frühchristlichen Welt. Die Dinge haben sich nicht über Nacht geändert. Vor unserer Entdeckung hatten wir nie das Gefühl, dass es tatsächlich physische und religiöse Stätten gab, die mit dieser spätkaiserlichen Kultpraxis verbunden waren. Aber aufgrund der Inschrift und ihres Hinweises auf einen Tempel bot Spello ein sehr attraktives Potenzial für eine bedeutende Entdeckung eines kaiserlichen Kultes unter einem christlichen Herrscher“, so der US-Archäologe.

Bilder des Untergrunds, die auf einem Parkplatz gemacht wurden, überzeugten die Wissenschaftler davon, die Ausgrabung vorzunehmen. „Wir fanden drei Mauern eines monumentalen Bauwerks, das nachweislich zu einem römischen Tempel aus der Zeit Konstantins gehörte“, so der Archäologe weiter.

Boin und seine Mitarbeiter werden im nächsten Sommer nach Spello zurückkehren, um die Ausgrabung abzuschließen und den gesamten Tempel zu untersuchen. Sie hoffen auf noch mehr bedeutende Funde in der Gegend.